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Vermisste Jugendliche aus Neukölln
Weihnachten ohne Rebecca

Maria Neuendorff / 17.12.2019, 18:24 Uhr
Berlin (MOZ) Es ist zehn Monate her, dass Rebecca Reusch spurlos verschwand. Nun muss ihre Familie das erste Mal Weihnachten ohne ihre Tochter feiern.

Die Lichterketten, die sonst um diese Jahreszeit das Haus in Berlin-Rudow in warme Lichter hüllten, sind diesmal in den Kartons geblieben. "Uns war nicht danach, dass Haus zu schmücken", sagt Bernd Reusch.

Die Ermittlungen der Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft in dem mysteriösen Fall dauern unterdessen immer noch an. "Es ist kein cold case" (kalter Fall), sagt Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Die Ermittler, die davon ausgehen, das die 15-jährige Schülerin ermordet wurde, prüfen immer noch Hinweise. Mehr als 2.300 gingen seit dem Verschwinden der 15-jährigen Schülerin am 18. Februar bei der Mordkommission ein. Zeitweise kümmerten sich mehr als 30 Kriminalisten um den Fall. Zuletzt hatte am 3. September eine Hundertschaft erfolglos ein Waldstück bei Storkow (Brandenburg) durchkämmt. "Es gibt nach wie vor einen Verdacht gegen den Schwager, aber  keinen dringenden", sagt Steltner.

An dem Morgen, an dem die 15-Jährige verschwand, war der gelernte Koch alleine mit ihr zu Hause. Rebecca hatte die Nacht bei ihm und ihrer älteren Schwester Jessica (27) verbracht. An diesem Tag hatte sie erst zur zweiten Stunde Unterricht. Aber in der Schule kam das hübsche Mädchen nie an. Ihr Schwager gab an, er habe am Morgen noch geschlafen und Rebecca nicht mehr zu Gesicht bekommen. Doch zu dem Fakt, dass sein himbeerroter Twingo am 18. und 19. Februar von Kameras auf der Autobahn Richtung Frankfurt an der Oder registriert worden war, schwieg er.

Florian R. saß deswegen wochenlang in Untersuchungshaft. Doch aus Mangel an Beweisen kam er wieder frei. Die Familie glaubt nach wie vor, dass der 27-Jährige unschuldig ist, und will gemeinsam mit ihrer großen Tochter, dem Schwager sowie ihren Enkelkindern diese schweren Weihnachtstage überstehen.

"Wir funktionieren weiter, weil wir Verpflichtungen haben", sagte Brigitte Reusch in einem Interview mit dem Fernsehsender RTL. "Wir geben uns gegenseitig Kraft." In dem Beitrag wird auch ein Foto von Rebecca gezeigt, wie sie auf einer Leiter steht, um dem schon geschmückten Weihnachtsbaum einen goldenen Stern auf die Krone zu setzen. Ihr Vater hält sie dabei lachend am Bein fest, damit sie nicht von der Leiter fällt.

Anfangs äußersten sich die Eltern häufig in den Medien und bekräftigten immer wieder ihre Hoffnung, dass Rebecca noch lebt. Auch die 23-jährige Schwester Vivien rief monatelang über die sozialen Medien zu privaten Suchaktionen auf und bat die Bevölkerung um Hinweise. Inzwischen ist es stiller geworden. "Wir haben unsere Tochter gebeten, damit aufzuhören, weil es auch Anfeindungen gab", sagt Bernd Reusch.

Trotzdem ist "Rebecca" der Name, der von den Deutschen in diesem Jahr am häufigsten gegoogelt wurde. Der Fall bewegte die Menschen weit über die Grenzen Berlins hinaus. Ob er demnächst vor Gericht aufgerollt wird, ist noch offen. Generell wäre es möglich, dass Florian R. auch ohne Leichenfund vor Gericht gestellt wird. "Das kommt darauf an, ob genug Indizien zusammen getragen werden", erklärt Staatsanwaltschaftssprecher Steltner.

Seit dem Sommer läuft am Berliner Landgericht ein Prozess gegen einen 44-jährigen Familienvater. Laut Anklage soll er die seit 13 Jahren vermisste Schülerin Georgine Krüger missbraucht und getötet haben. Auch von dem Mädchen aus Moabit fehlt bis heute jede Spur.

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