Nach seinem 18. Geburtstag teilte der Vater meinem Sohn mit, dass er mit sofortiger Wirkung die Unterhaltszahlungen einstellt. Das war kurz vor dem Abitur, und seit April erhält mein Sohn nun dieses Geld nicht mehr. Ist das richtig?
Mit dem 18. Lebensjahr ändert sich tatsächlich die Berechnung des Unterhaltsanspruches. Ab Volljährigkeit sind beide Elternteile barunterhaltspflichtig und das Kindergeld wird bedarfsdeckend angerechnet. Der Unterhaltsbedarf eines volljährigen Kindes, welches im Haushalt eines Elternteils lebt, bestimmt sich am bereinigtem Einkommen beider Elternteile. Lebt ein Kind bereits im eigenen Haushalt beträgt der monatliche Unterhaltsbedarf 860 Euro.
Weiterhin wird geprüft, ob das volljährige Kind über eigenes Einkommen verfügt, welches bedarfsmindernd berücksichtigt wird. Um den Unterhaltsanspruch berechnen zu lassen, muss der Volljährige die Unterhaltsberechnung selbst veranlassen. Er kann damit einen Rechtsanwalt beauftragen bzw. er nimmt die Hilfe und Unterstützung des für ihn zuständigen Jugendamtes in Anspruch. Jugendämter dürfen junge Erwachsenen bis zum 21. Lebensjahr beraten und unterstützen.
Aber er muss diesen Weg alleine gehen. Das schließt allerdings nicht aus, dass er zum ersten Termin beim Jugendamt ein Elternteil mitbringen kann. Wir wollen unterstützen und die jungen Volljährigen befähigen, ihre Rechte durchzusetzen.
Mein Enkel ist 19. Nach dem Abitur konnte er nicht sofort studieren, weil er einen Sportunfall hatte. So machte er vor dem Studium, was aber schon zugesagt ist, ein Praktikum. Dieses wurde nun durch die Corona-Krise abgebrochen. Kann er jetzt von seinem Vater wieder Unterhaltszahlungen verlangen?
Ja. Ihr Enkel hat gegenüber beiden Elternteilen einen Unterhaltsanspruch, solange er bedürftig ist. Nach den geltenden Rechtsprechungen liegt eine Bedürftigkeit des Kindes solange vor, bis es seine wirtschaftliche Selbstständigkeit erreicht hat (i. d. R. mit Abschluss eines Studiums oder einer Berufsausbildung).  Solange das Kind weiterhin im Haushalt es Elternteils lebt, richtet sich der Bedarf des volljährigen Kindes nach den zusammengerechneten Einkünften beider Eltern.
Lebt das volljährige Kind allein beträgt der feste Bedarfsatz aktuell 860 Euro. Da Kindergeld ist darauf bedarfsdeckend anzurechnen. Ihr Enkel muss seinen Unterhaltsanspruch gegenüber den Eltern geltend machen. Dabei ist zu beachten, dass rückwirkende Forderungen nur mit rechtsgültiger Inverzugsetzung durchgesetzt werden können. Allerdings sind nicht nur die Eltern zur Auskunft verpflichtet, sondern ab dem 18. Geburtstag hat auch das Kind die Pflicht, seine weitere Bedürftigkeit dazulegen, soweit es über die Volljährigkeit hinaus Unterhalt begehrt. Insofern haben beide Eltern das Recht, nach den Bemühungen um Arbeit und einen Verdienst zu fragen.
Mein Enkelsohn hat nach der Schule eine Lehre angefangen, da hat der Vater das Zahlen des Unterhalts mit der Begründung eingestellt, schließlich gibt es ja Lehrlingsgeld. Ist das richtig?
Da Ihr Enkelsohn über eigenes Einkommen verfügt und dieses bedarfsmindernd zu berücksichtigen ist, sollte geprüft werden, ob weiterhin ein Unterhaltsbedarf vorliegt und dann gegebenenfalls eine Neuberechnung vorgenommen wird.
Wenn der junge Mann, an dem Ort, wo er lernt, in einer eigenen Wohnung lebt, so liegt sein Bedarf derzeit bei 860 Euro. Übersteigen sein Einkommen plus das bedarfsdeckend anzurechnende Kindergeld diese Summe, dann muss der Unterhaltsverpflichtete wirklich nicht mehr zahlen. In diesem Bedarf ist ein Mietanteil (Warmmiete) von bis zu 350 Euro enthalten. Kann der junge Mann allerdings belegen, dass es am Ausbildungsort besonders hohe Mieten gibt und damit die Warmmiete für eine angemessen große Wohnung diesen Mietanteil übersteigt, dann kann dies bei der Bedarfsermittlung berücksichtigt werden.
Mein 18-jähriger Sohn hatte eine Lehrstelle als Koch, dann kam Corona, und er verlor seine Lehrstelle. Der unterhaltspflichtige Vater hatte schon zu Lehrbeginn alle Zahlungen eingestellt. Jetzt ist mein Sohn bis auf das Kindergeld ohne Einkommen, wohnt derzeit bei mir. Bekommt er wieder Unterhalt, denn das Arbeitsamt, so war dort die Auskunft, sei noch nicht für ihn zuständig, da er bisher nicht gearbeitet hat?
Kinder haben gegenüber ihren Eltern einen Unterhaltsanspruch, solange sie bedürftig sind bzw. bis zum Erreichen ihrer wirtschaftlichen Selbstständigkeit. Der Unterhaltsanspruch gegenüber den Eltern hat Vorrang vor etwaigen Leistungen zur Sicherung seines Lebensunterhaltes vom Jobcenter. Der junge Mann sollte daher unverzüglich seinen Anspruch auf Unterhalt gegenüber den Eltern geltend machen.
Die von ihnen geschilderte Situation, die zur Beendigung des Ausbildungsverhältnisses führte, sollte kein Problem darstellen, auch weiterhin einen Unterhaltsbedarf rechtfertigen zu können. Allerdings muss Ihr Sohn sich weiterhin ohne schuldhaftes Verzögern um einen neuen Ausbildungsplatz bzw. um die Fortsetzung bzw. Wiederaufnahme der Ausbildung bemühen. Er sollte seinen Unterhaltsanspruch zeitnah gegenüber dem Vater geltend machen und ihm in diesem Zusammenhang alle Fakten mitteilen, möglichst per Einschreiben. Mit diesem Schreiben setzt er ihn in Verzug. Und ich mahne hier zur Eile. Denn gibt es keine einvernehmliche Einigung des Sohnes mit den Eltern, können nachträgliche Forderungen ohne Inverzugsetzung nicht durchgesetzt werden. Im Falle einer notwendigen gerichtlichen Klärung kann sich der junge Volljährige nur durch einen Rechtsanwalt vor dem Gericht vertreten lassen.
Mein 19-jähriger Sohn möchte studieren, allerdings weit entfernt. Meine finanziellen Möglichkeiten, ihn dabei zu unterstützen, reichen aber nicht aus. Deshalb will mein Sohn noch seinen Unterhaltsanspruch beim Vater einklagen, einen anderen Weg gibt es nach einem umfangreichen Schriftverkehr nicht mehr. Er schreckt aber vor den Kosten für einen Rechtsanwalt zurück. Gibt es da Unterstützung?
Bis zum 21. Lebensjahr kann das nach dem Wohnort des Kindes örtlich zuständige Jugendamt leider nur beratend und unterstützend tätig werden. In strittigen Fällen bleibt in der Regel nur der Weg über den Rechtsanwalt. Dieser kann über die Beratungshilfe in Anspruch genommen werden, wenn der junge Mann kein oder nur ein sehr geringes Einkommen hat. Einen Antrag auf Beratungshilfe kann er in der Rechtsantragsstelle des örtlich zuständigen Amtsgerichts stellen. Um auf eine positive Entscheidung über die Beratungshilfe hinzuwirken, sollten dort auch die Gründe dargelegt werden, nämlich, dass eine gütliche Einigung gescheitert ist.
Mit 18 hat der Vater meiner Enkelin die Zahlungen eingestellt, jetzt wird sie 22 Jahre, und es ist fast nichts passiert. 2019 gab es eine Gerichtsverhandlung, da fehlten dann noch einige Unterlagen, dann fiel der Richter aus, danach kam Corona. Hat sie überhaupt noch Ansprüche nach so langer Zeit?
Wenn ein Gerichtsverfahren noch anhängig ist, und so habe ich Sie verstanden, dass die Entscheidung noch aussteht, gehen etwaige Ansprüche nicht verloren. Aufgrund der aktuellen besonderen Situation ist im Moment sicherlich Geduld gefragt. Allerdings würde ich raten, dass Ihre Enkeltochter Kontakt mit dem Rechtsanwalt aufnimmt, der sie vertritt und nach dem Sachstand fragen. Mit ihm kann sie dann weiteren Schritte besprechen.
Mein Lebenspartner und ich haben uns getrennt. Der Streit um das gemeinsame Haus dauert sicher noch länger. Ich bin erst einmal zu meinen Eltern gezogen. Was ist mit dem Unterhalt für meine zweieinhalbjährige Tochter? Das zuständige Jugendamt sagte mir, solange ich mit meinem Ex noch eine gemeinsame Adresse habe, sei da nichts möglich. Ist das so richtig?
Hier muss man sorgsam unterscheiden zwischen dem privatrechtlichen Unterhaltsanspruch gegenüber dem anderen Elternteil und der Gewährung von Unterhaltsvorschuss, den Sie beantragen, wenn der Vater keinen Unterhalt zahlt. Mit einer gemeinsamen Anschrift ist die Bewilligung von Unterhaltsvorschuss problematisch. Sie müssten gegenüber der Unterhaltsvorschussstelle darlegen, dass Sie das Kind nicht gemeinsam erziehen und betreuen und aufgrund der Auseinandersetzungen bezüglich des Hauses, sich nicht abmelden können. Wichtig ist, dass Sie die alleinige Last für Erziehung und Betreuung des Kindes tragen. Die Gewährung von Unterhaltsvorschuss wird nach strengen Regeln geprüft und deshalb sollten Sie die Situation und die noch gemeinsame Anschrift aufklären und ausführlich darstellen. Gleichzeitig können Sie für die Durchsetzung der Unterhaltsansprüche gegenüber dem Vater beim zuständigen Jugendamt eine Beistandschaft beantragen. Diese ist für Sie kostenfrei.
Ich bin Vater von drei Kindern, die nach der Trennung bei der Mutter lebten bzw. leben. Zwei sind schon aus dem Haus, der Jüngste ist 16 Jahre. Ich gehe voll arbeiten, um meiner Unterhaltspflicht nachzukommen, aber meine Ex-Frau arbeitet nur zu zwei Dritteln, obwohl sie doch jetzt, wo der Jüngste auch fast erwachsen ist, voll erwerbstätig sein könnte. Könnte sie dazu aufgefordert werden?
Nein. Ihre Ex-Frau leistet bis zum 18. Lebensjahr des Kindes Betreuungsunterhalt, das heißt Unterhalt in Form von Betreuung, Erziehung und Versorgung. Ob Ihre Ex-Frau Teilzeit- oder Vollzeit arbeiten geht, ist ihre Entscheidung. Sie als Unterhaltsverpflichteter haben allerdings eine gesteigerte Erwerbsobliegenheit, das heißt, Sie müssen sich nachhaltig um eine Erwerbsstelle bemühen, um den  Mindestunterhalt (für einen 16-Jährigen liegt dieser bei 395 Euro) zahlen zu können.
Erreicht der Sohn das 18. Lebensjahr, dann sind beide Eltern zum Barunterhalt verpflichtet, und der Unterhaltsanspruch muss neu berechnet werden. Grundlage ist dann das Einkommen beider Elternteile, und wenn das volljährige Kind über Einkommen verfügt, wird dieses auch berücksichtigt.
Mein Sohn ist Vater von zweijährigen Zwillingen. Falls die Partnerschaft in die Brüche gehen sollte, muss er dann für beide Kinder den gleichen Unterhalt zahlen?Oder wird das anders geregelt?
Der Unterhalt, den Ihr Sohn im Fall des Falles zahlen müsste, richtet sich nach seinem bereinigten Nettoeinkommen. Wenn er erwerbstätig ist, hat er einen notwendigen Selbstbehalt von 1160 Euro, bei Nichterwerbstätigen liegt dieser bei 960 Euro. Der Mindestunterhalt in der 1. Altersstufe (für Kinder bis fünf Jahre) beträgt 369 Euro. Wenn Ihr Sohn entsprechend verdient, müsste er also für jedes der beiden Kinder diese Summe zahlen. Die Unterhaltsberechnung kann bei entsprechendem Einkommen auch ergeben, dass er mehr als den Mindestunterhalt für beide Kinder zahlen kann. Verdient er weniger, würde das über den Selbstbehalt hinausgehende Einkommen auf beide Kinder aufgeteilt.
Ich bin seit Beginn der Corona-Krise auf Kurzarbeit Null gesetzt und wie es aussieht, wird sich das in den nächsten Monaten nicht ändern. Ich bin zwei Kindern gegenüber unterhaltsverpflichtet, habe aber jetzt viel weniger Geld zur Verfügung. Muss ich trotzdem den vollen Unterhalt zahlen?
Erhält ein unterhaltspflichtiger Elternteil Kurzarbeitergeld, ist nicht automatisch der bestehende Unterhaltstitel herabzusetzen. Es obliegt der Prüfung des Einzelfalls. Vorübergehende Schwankungen des Einkommens sind durch den unterhaltspflichtigen Elternteil hinzunehmen und müssen ausgeglichen werden. Nach einem angemessenen Zeitrahmen – hier: nach drei Monaten – könnte ein widerruflicher Vollstreckungsverzicht erklärt werden.
In Ihrem Fall würde ich mich aufgrund der besonderen Situa­tion der Pandemie mit der Mutter in Verbindung setzen, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Sollte dies nicht möglich sein, können Sie sich anwaltlich beraten lassen.

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