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Jubiläum
Neue katholische Kirche nach 350 Jahren

Simone Weber / 01.09.2018, 06:00 Uhr
Rathenow Nach der Reformation in der Mark Brandenburg 1539 gab es nur noch vereinzelt Katholiken. Dies änderte sich zwei Jahrhunderte später. Nach der Eroberung der zum katholischen Habsburgerreich gehörenden Provinz Schlesien durch König Friedrich II. 1740 bis 1742 zogen wieder Katholiken in die Mark, und auch nach Rathenow, um in der seit 1801 wachsenden optischen Industrie Arbeit zu finden. Als Saisonarbeiter in der Landwirtschaft kamen die so genannten Schnitter als Hilfsarbeiter. So bildeten sich wieder kleine katholische Gemeinden in der Mark.

Während um 1800 zweimal jährlich ein katholischer Gottesdienst in Rathenow stattfand, der in Privaträumen oder in der evangelischen St. Marien-Andreas-Kirche gefeiert wurde, gab es 1871 bereits 90 Katholiken in der Stadt. Seit 1884 war in Brandenburg/Havel mit Pfarrer Schomer wieder ein katholischer Pfarrer ansässig, der auch für Rathenow zuständig war. Dieser bemühte sich beim damaligen Fürstbischof in Breslau, 1885 noch ohne Erfolg, um den Bau einer eigenen Kirche in Rathenow. Aber die Zahl der Katholiken stieg bis 1889 von 146 auf 500. Nachdem 1891 ein Grundstück in der Friesacker Straße erworben werden konnte erfolgte am 27. April 1892 die Grundsteinlegung und bereits am 3. September 1893 die Weihe der Kirche „St. Georg” - rund 350 Jahre nach der Reformation. „Allerdings konnte der ursprüngliche Plan zum Kirchenbau, mit Querschiff, Chorraum und dem kleinen Turm, nie vollendet werden. So wurden auch erst 1936 die drei Glocken der Kirche geweiht. Dafür wurde am unvollendeten nördlichen Querschiff ein Durchbruch geschaffen”, erzählt Stefan Nitsche, aktives Rathenower Gemeindeglied, der zum Jubiläum eine kleine Chronik der katholischen Gemeinde und seiner Kirche erstellte. „In Rathenow lebten schon immer eher ärmere Arbeiter, so dass immer das Geld zur Vollendung der Kirche fehlte.”

1895 bezog hier der erste Gemeindepfarrer, Wolfgang Plischka, sein das zusammen mit der Kirche neu gebaute Pfarrhaus. Die Zuständigkeit der Gemeinde reichte bis Premnitz und Friesack. Rathenow, die Stadt der Optik und Ziegeleien, wuchs weiter – zwischen 1895 und 1925 um rund 10.000 Einwohner. So wuchs auch die katholische Gemeinde. Mit den Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten fanden auch Katholiken im Westhavelland eine neue Heimat. So wurden zwölf Außenstationen der Gemeinde eingerichtet. Bis zum Bau der Mauer 1961 verließen auch Katholiken ihre Gemeinde gen Westen. 1987 gab es noch rund 800 Gemeindeglieder. 2011 ergab die Volkszählung der EU für die Stadt Rathenow 630 Katholiken. Zur St. Georg-Gemeinde Ratheow-Premnitz gehören heute insgesamt 775 Gläubige. „Das Gemeindeleben ist dennoch recht aktiv”, so Stefan Nitsche. „Durchschnittlich besuchen 80 bis 100 Gemeindeglieder den Sonntagsgottesdienst.”

Von 1930 bis 1937 diente bereits eine Holzbaracke als Notkapelle für Gottesdienste in Premnitz. 1943 erfolgte die Berufung Benno Brucks zum ersten ortsansässigen Geistlichen von Premnitz. 1950 wurden die Premnitzer, die bis dahin zur Rathenower Gemeinde gehörten, als St. Marien-Gemeinde selbstständig. Ab 1977 wurde mit dem Bau einer neuen katholischen Kirche in der Stadt begonnen. 2004 beschloss das Erzbistum Berlin die Zusammenlegung der Gemeinden Premnitz und Rathenow. Zum 1. November 2016 kam Markus Hartung für den nach Bergen/Rügen versetzten Pfarrer Bernhard Scholtz nach Rathenow, der den für Rathenow nun zuständigen Pfarrer Matthias Patzelt in Brandenburg/Havel als Pfarrvikar unterstützt.  Seit 2018 verschmilzt die Gemeinde Rathenow-Premnitz mit den Gemeinden in Bad Belzig und Brandenburg zu einem, durch das Erzbistum beschlossenem, gemeinsamen pastoralen Raum.

Mit einer heiligen Messe, ab 10.30 Uhr, und dem anschließenden Gemeindefest feiert die St. Georg-Gemeinde Rathenow-Premnitz an diesem Sonntag das 125-jährige Bestehen ihrer Kirche. Um 16.00 Uhr spielen Solisten und Ensembles der Musik- und Kunstschule Havelland ein Konzert im Rahmen der Reihe „Musikschulen öffnen Kirchen”.

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