Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Historisches
Eine sagenhafte Granseer Neujahrsgeschichte

Vor 100 Jahren verschickter Neujahrsgruß: Mit entspanntem Müßiggang war es für den Protagonisten aus nebenstehender sagenhafter Geschichte aber bald vorbei.
Vor 100 Jahren verschickter Neujahrsgruß: Mit entspanntem Müßiggang war es für den Protagonisten aus nebenstehender sagenhafter Geschichte aber bald vorbei. © Foto: privat
Carsten Dräger / 02.01.2019, 18:30 Uhr
Gransee In früherer Zeit war es üblich, dass der Granseer Kantor mit dem Adjuvantenchor (von lat. adjuvare, „unterstützen“– damit bezeichnete man die nach der Reformation in den evangelischen Kirchen tätigen Laienmusiker. In den Städten verstärkten sie die vom Kantor geleiteten Schülerchöre, d. Red.) in der Stadt und den benachbarten Dörfern Schönermark, Kraatz und Badingen zu Neujahr die Leute mit Liedern erfreute.

Als die Sängerschar in einer Neujahrsnacht angeheitert von Bier und Wein von Badingen aus heimwärts ging, kam es am Welsengraben an einem großen Stein vorbei, in dem einst ein spukendes Adelsfräulein aus der Familie derer von Badingen gebannt worden sein soll. Einer der Granseer Sänger hatte den Einfall, an dieser Stelle gemeinsam ein Lied anzustimmen. Alle aus der Schar waren davon begeistert. Alsbald erklang ein feierlicher Choral.

Kaum verstummte der Chor, da erblickte der Kantor vor sich im Schnee einen Haufen Knochen. Obwohl gerade heftiges Schneetreiben eingesetzt hatte, blieben die Knochen völlig unbedeckt. Darüber wunderten sich die Sänger zwar, kümmerten sich aber nicht weiter darum. Nur einer, der Sohn eines Granseer Fleischers, steckte zwei Knochen in seine Hosentasche. Er nahm sie mit heim und wollte sich daraus von einem bekannten Handwerker zwei Messerschalen machen lassen. Als er nach einigen Stunden des Schlafes am nächsten Morgen seine Hose wieder anzog, bemerkte er in der Hosentasche einen schweren Gegenstand. Er griff hinein und zog völlig überrascht zwei Goldstangen heraus.

Nachdem er seinen Bekannten von der wundersamen Geschichte erzählt hatte, rannten alle wie besessen zum großen Stein am Welsengraben, um ebenfalls ihr Glück zu machen. Aber dort lag nur Schnee. Von den Knochen war nicht einmal ein Splitter zu sehen. Der glückliche Sänger aber tauschte die Goldstangen in Goldmünzen um und wurde so ein wohlhabender Mann. Doch nach einigen Jahren starb sein Vater. Dem Müßiggang und der Bequemlichkeit frönend wollte er nichts mehr von anstrengender Arbeit wissen. Er verzichtete auf die Fortführung des Fleischerhandwerks und die Übernahme des elterlichen Anwesens.

Genau sechs Jahre nach der wundersamen Verwandlung seines Knochenfundes zu Gold, just in der Neujahrsnacht, geschah eine Katastrophe. Das prächtige Haus des reich gewordenen Sängers ging in Flammen auf und brannte völlig nieder. Alles Hab und Gut wurde ein Opfer der Flammen. Urplötzlich stand der Fleischersohn mittellos da. Die Fleischerei hatte er in seiner Geldgier an einen neuen Eigentümer verkauft.

Ohne jegliches Obdach blieb dem Mann weiter nichts übrig, als die Stadt Gransee zu verlassen und sodann als armer Bettler durch die Lande zu ziehen. Nun waren die Almosen der Leute für ihn wertvoller als einst sein Gold. In seine Heimatstadt Gransee kehrte er nie wieder zurück. Der Volksmund mutmaßte, dass er später in einem eiskalten Winter erfroren sei und an jenem Ort dann selbst zu Stein gebannt wurde.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG