Nein, Griechenland ist nicht besser als andere durch die bisherige Pandemie gekommen. Niedrige Fall- und Todeszahlen legen dies zwar nahe, aber der Shutdown hat vor allem den Tourismus getroffen, der immerhin ein Fünftel der hellenischen Wirtschaftsleistung ausmacht. Und ja, die Griechen haben den Neustart ein wenig verdaddelt, als sie unmittelbar vor dem 1. Juli mit einem Einreiseformular um die Ecke kamen, das jeder Tourist mindesten 48 Stunden vorher online auszufüllen hatte. Die ersten Willigen kamen so gar nicht aus Deutschland raus, weil sie die Info über das Passenger Locator Form zu spät erreicht hatte und sich Airlines weigerten, diese Passagiere zu befördern.
Überhaupt die Fluggesellschaften. Auch diese spielten den Griechen wie anderen Mittelmeerländern übel mit. Obwohl der 1. Juli als Tag der Öffnung schon länger im Gespräch war, cancelten sie Flüge sogar noch nach eben jenem Datum. Während Eurowings im Juni und Juli den Flugbetrieb von Stuttgart nach Athen gleich ganz einstellte, strich die größte griechische Airline Aegean Flüge von Berlin aus, die dann doch wieder stattfanden. Am schlimmsten aber trieb es Easyjet. Die britischen Billigheimer dünnten mitten im anlaufenden Sommer ihren Flugplan aus, kündigten Streichungen an, ließen die Passagiere dann aber bis knapp zwei Wochen vor Abflug zappeln. So mancher buchte drei und mehr Hinflüge und zahlte dann Preise, die vor Corona für Transatlantik-Tickets aufgerufen wurden.

QR-Code entscheidet über Corona-Test

In der griechischen Hauptstadt oder auf einer der Inseln angekommen sein hieß aber noch nicht, dass der Urlaub nun beginnen würde. Denn niemand wußte genau, wie denn nun die Einreise mit dem Passenger Locator Form genau ablaufen würde. Tatsache ist, dass am Athener Flughafen Testboxen aufgebaut worden waren, die beispielsweise bei Flügen aus Süddeutschland auch gut genutzt wurden. Wer aus dem Norden kam, erlebte dagegen nicht selten, dass per Augenschein Beamte darüber entschieden, dass man ohne Corona-Test durch die Ausgangstür durfte.
Wer das einmal geschafft hatte, konnte sich dann allerdings auf Urlaub freuen, wie man ihn von früher kannte. Ja, sogar noch besser. Denn natürlich ist das Mittelmeerland weit weg von jenen Besucherströmen, die bis zum vergangenen Sommer sich über Strände und antike Sehenswürdigkeiten ergossen. Knapp vier Millionen Deutsche kamen 2019 allein mit dem Flugzeug. Auch wenn Marketing Greece, die gemeinnützige  Organisation zur Förderung des Tourismus in Griechenland, bisher noch keinen Überblick über aktuelle Zahlen hat, so dürften es dieses Jahr dramatisch weniger sein. Und das merkt der Tourist an jeder Ecke. Denn dort, wo sich vor allem Urlauber und nicht Griechen bei ihren Alltagsbeschäftigungen aufhalten, herrscht gähnende Leere. Egal ob in den Städten, an den Stränden, den Ausgrabungen und antiken Denkmalen. Sogar auf dem Meer ist man fast allein. CV Yachts, ein Vercharterer von Katamaranen und Segelbooten, sonst über den Sommer ausgebucht, hatte im Juli von Lavrion aus nur drei der zehn Boote im Einsatz. Paradiesische Zustände für Segler, die spektakuläre Buchten in den Kykliaden beispielsweise teils für sich allein hatten. So ankern am Kap Sounion, an der südlichsten Spitze Attikas und im Schatten des zweieinhalb tausend Jahre alten Poseidon-Tempels, nicht einmal ein Dutzend Boote am Tag, wo es sonst schonmal 100 sind.

Städte, Strände, Restaurants fast exklusiv für Touristen

Auch an den Stränden muss sich niemand drängeln. Schirme im Abstand von zwei Metern und immer nur zwei Liegen beanspruchen zwar mehr Platz als sonst, können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass insgesamt deutlich weniger Sonnenhungrige ihre Zeit hier verbringen. Noch deutlicher wird das in den Restaurant-Meilen. Verwaist und teils offensichtlich schon seit Monaten nicht mehr in Betrieb, hat man in den Gaststätten, die geöffnet sind, nicht selten üppiges Platzangebot. Mitunter begrüßt der Wirt dann seine ersten Deutschen seit einem halben Jahr.
Abgesehen von der Leere jedoch weist wenig darauf hin, dass sich das Land im Krisenmodus befindet. Verkaufspersonal, Taxifahrer oder Kellner tragen zwar Mundschutz, der wird aber ansonsten nicht verlangt - weder in Supermärkten noch in Gaststätten. Und spätestens, wenn sich die Hellenen begrüßen, spielt social distancing auch keine Rolle mehr. Bussi hier, Bussie da. Das Leben scheint seinen gewohnten, seinen alten Gang zu gehen. So wird der Besucher wohl nie wieder Griechenland erleben. Schade, oder zum Glück, je nach Standpunkt.

Endless Greek Summer

Rund 31,5 Millionen Touristen besuchten 2019 Griechenland, knapp vier Millionen davon kamen aus Deutschland. Diese Zahlen wird man wohl sobald nicht mehr erreichen, ist sich  Ioanna Dretta, CEO von Marketing Greece, sicher: "Es wird ein langer Weg für uns sein, dorthin zurückzukehren, wo wir waren." Das bedeutet aber nicht, dass die Griechen einfach nur abwarten. Gerade, weil die Tourismusindustrie so wichtig für das Land ist, werden nächste Schritte geplant, zu einer neuen Normalität zurückkehren zu können. Im Mittelpunkt dieser Bemühungen steht, die Destination als eine neue Marke zu etablieren. "Endless Greek Summer" soll das Land vor allem als See- und Sonnen-Ziel bekanntmachen. Der Slogan beziehe "sich auf Gefühle und wie frei man sich in Griechenland fühlen kann, indem man die Gesellschaft der Menschen genießt, die man am meisten liebt und sich wieder mit der Natur verbindet", so Dretta weiter.
Die Chancen, Griechenland so ursprünglich wie möglich zu erleben, sind derzeit die besten.