Während in Deutschland am 11.11. die Narren in die Rathäuser einfallen, wird auch in der Karibik gefeiert. Denn auf St. Maarten / St. Martin ist Nationalfeiertag, den man sowohl auf der holländischen wie auch der französischen Seite festlich und karibisch locker begeht. Und das hat vor allem historische Gründe.

Kolumbus und der 11.11.

Es ist ein Tag der Freude, der Gemeinschaft und der Erinnerung. Der Erinnerung an die Entdeckung der Insel am 11. November 1493, als Christopher Kolumbus das Eiland im Norden der kleinen Antillen gesichtet haben soll. Dem Schutzpatron der Weber und Winzer hat die Insel auch ihren Namen zu verdanken. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Martinstag auf St. Martin zum Nationalfeiertag auserkoren wurde. Dabei zelebrieren die Einwohner aber nicht nur ihren Namensgeber, sondern auch ihre Einheit.
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Und das bereits seit 1959. Denn in diesem Jahr riefen die Gründerväter St. Maartens den 11. November zum nationalen Feiertag aus. Damit wollten sie die Verwandtschaft der Inselbewohner, den unbezwingbaren Geist der Solidarität, sowie Widerstandsfähigkeit und Durchhaltevermögen beider Teile der Insel feiern. Daher stehen die Helden und Taten der Insulaner im Mittelpunt des „SXM Day“.

Ganze Insel in Partylaune

Offizielle Feierlichkeiten finden dabei im jährlichen Wechsel auf der holländischen und auf der französischen Seite statt, aber die Party steigt auf der gesamten Insel und trägt das Motto „One Love – One Island“. So schlängeln sich bunte Umzüge und Paraden durch die Straßen, Musik erfüllt die Luft, auf diversen Bühnen freuen sich die Zuschauer über aufregende Darbietungen und genießen dabei lokale Spezialitäten. Eine Besonderheit an diesem Tag ist auch die traditionelle Kleidung der Einheimischen, die den Stolz der Einwohner auf ihre Heimat symbolisieren soll.

Symbol des Zusammenlebens

Zum offiziellen Teil gehört jedes Jahr auch das Ablegen von Blumen am gemeinsamen Grenzdenkmal, das 1948, 300 Jahre nach der Unterzeichnung des Vertrages von Saint Martin zwischen den Königreichen Holland und Frankreich, von den Behörden beider Seiten eingeweiht wurde. Bis heute steht das Monument für das friedliche Zusammenleben der Bewohner, die mit geschwellter Brust auf ihre wechselvolle Geschichte zurückblicken.

Karibisches Unikum

Denn das Eiland, das heute mehr als 72.000 Einwohner zählt, ist ein karibisches Unikum. Nach der Entdeckung durch Kolumbus besetzten die Spanier 1633 die Insel, hielten sie aber für wirtschaftlich unbedeutend. Darum nutzten sie sie zur Verbannung Strafgefangener. Nach einem Aufstand, bei dem französische und niederländische Gefangene ihre spanischen Aufseher vertrieben, teilten die siegreichen Kämpfer 1648 die Insel untereinander auf.

Abenteuerliche Grenzfindung

Der Legende nach konnten sich beide Parteien nicht über den Grenzverlauf einigen und beschlossen daher, einen Wettkampf entscheiden zu lassen. Die Regeln: Ein Franzose und ein Niederländer sollten von einem gemeinsamen Startpunkt aus die Insel in entgegengesetzter Richtung umrunden und dort, wo sie sich trafen, sollte dann die Grenzlinie gezogen werden. Da der Franzose etwas flotter unterwegs war, ist der französische Teil etwas größer als der niederländische. Es heißt aber auch, dass der Läufer aus der Grande Nation die Wasserflasche seines holländischen Kontrahenten vor dem Start mit Gin abgefüllt habe. Seine eigene Feldflasche dagegen habe tatsächlich nur Wasser enthalten.
Die heutige französisch-niederländische Landesgrenze wurde durch den Vertrag von Concordia am 23.  März 1648 festgelegt, an den ebenfalls mit dem Martinstag gedacht wird. In der Praxis allerdings spielt der Grenzverlauf keine Rolle mehr. Ganz europäisch, wenngleich tausende Kilometer entfernt, sind beide Inselteile mittlerweile Teil eines großen Ganzen.