Granit und Holz vom Bierfass
Für Goldschmied Reinhart Kartusch ist das Waldviertel eine steinreiche Gegend. Der Granitstein, der dort im Boden steckt, ist mehr als 400 Millionen Jahre alt. Der Handwerker fertigt Armbänder, Halsketten und Ohrstecker aus rotem Granit. Der kommt direkt aus dem Wald am Berg Nebelstein. Außerdem fertigt er Armbanduhren mit Zifferblättern aus Granit und Armbänder aus dem Holz 50 Jahre alter Bierfässer. Aus gutem Grund: Weitra gilt als älteste Bierbraustadt in Österreich, dort wird seit 1321 durchgehend Bier gebraut. Einblicke in sein Handwerk gibt Kartusch gerne: Besucher können bei ihm einen Schlüs-selanhänger aus Granit fertigen.
Karpfen im Teich und auf Handtaschen
Den Karpfen die Haut abziehen, sie gerben und geschmeidig halten: Wie das genau funktioniert, ist ein Betriebsgeheimnis in der Manufaktur von Rudolf Schuh. Der Wiener fertigt Handtaschen, Gürtel, Geldbörsen, Schlüsselanhänger und Schuhe aus Karpfenleder. Auf die Idee mit dem Fischleder brachte Schuh ein Paar aus der Mandschurei, das von Textilien mit Lachsleder erzählte. Als der Tüftler in den 1960er-Jahren ins Waldviertel übersiedelte und Karpfenteiche übernehmen konnte, stand die ungewöhnliche Geschäftsidee fest: Die Fischhaut ist wertvoll, das Filet eher Nebensache. Die Manufaktur ist in Österreich einzigartig – so schnell macht ihnen das auch keiner nach.
Hochprozentiges vom Bauernhof
Früher hatten die Weidenauers Milchkühe auf ihrem Bauernhof. Doch irgendwann lohnte der Aufwand nicht mehr. Die Familie stieg um und machte das Schnapsbrennen – einst nur für den Eigenbedarf – zur Vollzeitbeschäftigung. Die Rohstoffe Dinkel, Hafer, Ur-Roggen und Einkorn kommen nahezu vollständig von den eigenen Feldern. 35 verschiedene Obstbrände umfasst das Angebot, etwa den 35-prozentigen Kriecherlbrand, eine Spezialität des Waldviertels aus einer wilden Form der Zwetschge.
Zehn Whiskysorten reifen im ehemaligen Heuboden heran – in neuen Fässern und in gebrauchten Süßwein- und Sherryfässern, die für die besonderen Noten der verschiedenen Whiskys sorgen. Bei Verkostungen im urigen Gewölbekeller des Gehöftes lernen Liebhaber der hochprozentigen Tropfen die verschiedenen Geschmacksnoten kennen – und vor allem schmecken.
Wenn die Sonne die Zeit anzeigt
"Nette Menschen mit sonnigem Gemüt mögen Sonnenuhren", ist Johann Jindra überzeugt. Und es könnte sein Werbeslogan sein. Seine Manufaktur gilt schon seit Langem als erste Adresse für Sonnenuhren – ob aus Schmiedeeisen, Stahl oder Aluminium, ob für den Garten oder die Wand. Im Garten der Manufaktur stehen mehr als 40 Exemplare, jedes ist ein Unikat.
Über 400 Wandsonnenuhren sind in der Werkstatt bislang entstanden. Darunter ist alles dabei: überdimensionale für Kirchtürme oder ein Modell für die Gandegghütte bei Zermatt in den Schweizer Alpen. Für alle Sonnenuhren benötigt Meister Johann Jindra die genauen Geodaten: "Nach diesen Koordinaten lässt sich der Zeiger, der Polstab, präzise ausrichten. Auch die Neigung der Hauswand spielt eine Rolle", erklärt er. Mit welchen Formeln wird dies alles berechnet? Darauf antwortet der Sonnenuhrenbauer freundlich: "Betriebs­geheim-nis."

Service


Reiseziel: Das Waldviertel im Nordwesten von Niederösterreich hat 99 selbstständige Gemeinden mit insgesamt rund 220 000 Einwohnern. Das Mittelgebirgsland an der Grenze zu Tschechien ist geprägt von Wald- und Landwirtschaft sowie traditionellem Handwerk.

Anreise: mit dem Flugzeug, der Bahn oder dem Auto via Passau nach Linz und von dort weiter ins Waldviertel.

Informationen: Waldviertel Tourismus, Sparkassenplatz 1/2/2, A 3910 Zwettl (Tel.: 0043 2822/54 109, E-Mail: info@waldviertel.at, www.waldviertel.at). red