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Schmutzlers brechen Rekord von Andreas Herter / Sie besitzen ein Kochbuch von 1845 und eine Uralt-Brille

Alte Brille, noch älteres Kochbuch

Aufgehoben: Margrit Schmutzler hat eine Brille aus Kindertagen, ihr Mann hat ein Kochbuch von 1845 gefunden. Der Rekord lag bisher bei 1861.
Aufgehoben: Margrit Schmutzler hat eine Brille aus Kindertagen, ihr Mann hat ein Kochbuch von 1845 gefunden. Der Rekord lag bisher bei 1861. © Foto: MOZ/Dorothee Torebko
Dorothee Torebko / 22.08.2013, 22:15 Uhr
Neubarnim (MOZ) In diesem Jahr begeht der Landkreis Märkisch-Oderland sein 20-jähriges Bestehen. Ein guter Anlass, um Rekorde zwischen Lebus, Seelow, Bad Freienwalde und Strausberg vorzustellen. Heute: Peter und Margrit Schmutzler aus Neuhardenberg. Sie besitzen ein noch älteres Kochbuch als Andreas Herter aus Neubarnim.

Es ist das Jahr 1983, Gera, eine Papierfabrik. Peter Schmutzler lädt einen Packen Dokumente in den Fabrikhallen ab. Er ist NVA-Soldat, soll die Papiere hier zum Vernichten abgeben. Schmutzler blickt sich in der Fabrik um, entdeckt in einer Ecke einen Stapel mit Päckchen. Zettel sind mit einer dünnen Schnur zusammengebunden, auch Bücher. Eines davon ist ein Kochbuch von 1845, er nimmt es mit nach Hause. 20 Jahre später hat er es immer noch in seinem Bücherschrank stehen.

Allerdings nicht in der Form, in der der Rentner es gefunden hat. Statt zerfledderter Seiten und abgewetzter Hülle umgibt die 168 Jahre alte Rezeptesammlung ein braun-roter Einband. "Ich habe das damals beim Buchbinder in Potsdam machen lassen", sagt Margrit Schmutzler, die am Küchentisch ihres Neuhardenberger Hauses sitzt. Ihr Mann Peter zieht am Regal hinter ihr ein Lexikon aus dem Bücherschrank. Er sucht nach der Autorin des Kochbuches, Henriette Davidis. "Die Verfasserin war die Leiterin einer Mädchenarbeitsschule und galt lange Zeit als die berühmteste Kochbuchautorin Deutschlands", liest Peter Schmutzler vor und blättert in den Seiten des uralten Buches. Seine Frau berichtet derweil: "Wir suchen uns manchmal Rezepte hieraus aus, neulich zum Beispiel die Zubereitung für eine Hirschkeule." Das Gute sei, dass dort jeder Schritt ganz genau aufgeschrieben ist. Klar: Immerhin war das Kochbuch einst für heranwachsende Frauen gedacht, die das Kochen erst noch erlernen sollten.

Peter Schmutzler blickt von dem Kochbuch auf und zeigt auf die vergilbten Seiten. "Wir haben hier auch ein schwarz-weißes Porträtfoto, das vermutlich aus den 60er Jahren stammt, gefunden", meint der Rentner. Das Buch habe diesem Mädchen gehört. Doch nicht nur das alte Schmuckstück von Kochbuch besitzt das Ehepaar.

Auf einem Wohnzimmertisch hat Margrit Schmutzler allerlei Andenken an ihre im vergangenen Jahr verstorbene Mutter ausgebreitet. Dort liegen bestickte Schürzen, ein Foto der Mutter, das sie in einer der Leinenschürzen zeigt, und ein Brillenetui. "Das war meine erste Brille, die ist bereits über 60 Jahre alt", sagt die 71-Jährige. Warum sie all diese Dinge aufbewahrt? "Man muss das aufheben", steht für Margit Schmutzler fest. "Für die Nachwelt. Die interessiert sich vielleicht irgendwann für unsere Geschichte."

Aber, erzählt die Mutter von fünf Kindern, während ihre Stimme ein wenig zittert, sie verbinde mit den Dingen ja auch Emotionen und Erinnerungen. Wie sie zum Beispiel mit ihrer Mutter nach Berlin gefahren ist, um die Brille zu kaufen. Und wie sie von den Mitschülern ausgelacht und als Brillenschlange bezeichnet wurde, weil sie das durchsichtige Gestell tragen musste. "Da bin ich mir ziemlich blöd vorgekommen", sagt sie und lächelt.

Ihr Mann grinst ebenfalls beim Anblick eines Plakats, das ausgebreitet auf dem Küchentisch liegt. Es dokumentiert den Rennsteiglauf vom 17. Mai 1980. Ein Lauf, der seit dem Jahr 1973 im Thüringer Wald ausgetragen wird. Selbst waren die Schmutzlers nicht dabei, aber drei Frauen, die sie kannten. Und so landete das Plakat bei der Neuhardenberger Familie. Start des 75-Kilometer-Laufs war übrigens um 5 Uhr morgens. "Das waren schon Verrückte damals", sagt Peter Schmutzler und lacht.

"So", sagt seine Frau bestimmt. "Jetzt reicht es aber mit der Vergangenheit. Jetzt wird Mittag gemacht." Was gibt es denn? Vielleicht ein Rezept aus dem Kochbuch der Henriette Davidis? Es gibt grüne Bohnen mit Kartoffeln und Spiegelei. Das Rezept hat Margrit Schmutzler übrigens nicht aus dem Buch, sondern von ihrer Mutter. Denn an Geschichte erinnern, das bedeutet nicht nur, Bücher aufbewahren. Es heißt auch: Persönliche Geschichte und Erinnerungen leben.

Halten Sie einen anderen Kreisrekord? Kennen Sie Menschen, die besondere Raritäten haben? Dann melden Sie sich bitte unter Telefon 03346 472 oder per E-Mail an seelow-red@moz.de.

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