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Gertrud Müller aus Libbenichen hat seit 1955 von jeder Urlaubsreise Ansichtskarten mitgebracht und gesammelt

1200-fache Reiseerinnerung

Ansichtskartensammlerin Gertrud Müller mit mehr als 1200 Stück
Ansichtskartensammlerin Gertrud Müller mit mehr als 1200 Stück © Foto: Johann Müller
Ines Rath / 27.08.2013, 13:03 Uhr
Libbenichen (MOZ) In diesem Jahr feiert der Landkreis sein 20-jähriges Bestehen. Ein guter Anlass, um Rekorde zwischen Lebus, Seelow, Bad Freienwalde und Strausberg aufzuspüren. Heute: Gertrud Müller aus Libbenichen.

Die erste Urlaubsreise ihres Lebens hat Gertrud Müller als junge Ehefrau und Mutter im Herbst 1955 nach Thüringen unternommen. Den Ferienplatz bekam sie über die Erweiterte Oberschule in Seelow, in der sie damals als Schulsekretärin tätig war. Gertrud Müller hat es Schwarz auf Weiß - der Urlaubsort hieß Walsburg. Das verrät die Ansichtskarte, die sich die Libbenichenerin damals mitgebracht hat.

Mit ihr nahm eine besondere Sammelleidenschaft ihren Anfang: Von jeder Reise hat sich Gertrud Müller seitdem mindestens eine Ansichtskarte mitgebracht. "Später habe ich mir die Karten, die ich meinen Kindern, anderen Verwandten oder Freunden geschickt hatte, auch zurück geben lassen", berichtet die heute 85-Jährige.

"Wir waren eine reiselustige Familie", sagt die Libbenichenerin rückblickend. Zu DDR-Zeiten haben ihr Mann und sie so ziemlich alles "mitgenommen", was möglich war. Sie machten Urlaub im Harz und Erzgebirge, in Thüringen, der Sächsischen Schweiz und in Mecklenburg, an der Ostsee, am Balaton, in Sotschi und Varna am Schwarzen Meer, in Moskau und Leningrad.

Wann es wohin ging und wie viel jeder Urlaub gekostet hat, darüber hat Gertrud Müller als gelernte Finanzfachfrau genau Buch geführt. Doch nicht nur der Blick in ihre Ansichtskartensammlung hilft der Libbenichenerin, sich an Details der Reisen, an besondere Erlebnisse zu erinnern. Auch ihr "Reiseordner". In dem befinden sich, handschriftlich, jeweils in einer Klarsichtfolie, ihre kurzen Reiseberichte. "Während der Fahrten habe ich mir immer Stichpunkte in Stenografie gemacht. Und wenn wir wieder zu Hause waren, habe ich's in Reinschrift übertragen", erklärt die Seniorin.

Die Reisefreiheit nach der Wende haben Gertrud Müller und ihr Mann, so lange sie konnten, genutzt: Viele Reisen führten das Paar, vor allem per Bus, in alle Teile der Bundesrepublik, zwischen Hamburg und Bayern. Und in viele andere europäische Länder. Die Ansichtkarten zeigen es: Müllers waren mehrfach in Österreich und Italien, in der Schweiz, in Polen, Dänemark, Holland, Belgien und Frankreich. Die Ansichtskartensammlung wuchs rasant.

"Eines Tages hatten meine Söhne genug von den in vielen Schubladen liegenden Karten und haben mir eine Ansichtskarten-Box gebaut", berichtet die Sammlerin. Die Box ist längst voll. Der Nachschub landet in großen Ordnern. Ein Überschlag hat ergeben: Die Libbenichenerin besitzt mehr als 1200 Ansichtskarten.

Doch seit fünf Jahren kommen keine eigenen Reise-Erinnerungen mehr hinzu: Nach mehreren schweren Stürzen ist das Reisen für Gertrud Müller tabu. Seit dem Tod ihres Mannes 1999 war die Reiseaktivität ohnehin schon deutlich zurückgegangen.

Der Blick in ihre Sammlung lässt Gertrud Müller, die ab 1942 in der Finanzabteilung des Seelower Landratsamtes und von 1963 bis 1987 als Lohnbuchhalterin im Libbenichener LPG-Büro gearbeitet hat, heute in Erinnerung schwelgen. Zuwachs bekommt die Ansichtskartensammlung nur noch durch andere. Vor allem durch ihre drei Kinder, die Enkel und Freunde, die Gertrud Müller per Karte an ihren Reiseerlebnissen teilhaben lassen.

Alle Rekorde unter: www.moz.de/rekordemol

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