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Luxemburg - Prag - Brandenburg

Büste von Karl IV. mit dem böhmischen Wappen (li.) und dem Reichswappen, zu sehen im Prager Veitsdom.
Büste von Karl IV. mit dem böhmischen Wappen (li.) und dem Reichswappen, zu sehen im Prager Veitsdom. © Foto: HBPG
Rene Wernitz / 05.10.2016, 06:00 Uhr
Havelland/Potsdam (MOZ) Ein wirklich großer Monarch kommt derzeit im Haus der Brandenburg-Preußischen Geschichte (HBPG) in Potsdam groß raus. Nicht etwa ein Friedrich oder Wilhelm, sondern Karl IV., dessen Geburtstag sich 2016 zum 700. Mal jährte. Er war eine der schillernsten Gestalten des Mittelalters. Wäre er früher in Besitz der Mark Brandenburg gelangt, hätte das wohl viele positive Konsequenzen nach sich gezogen. Er starb 1378, die Mark hatte er fünf Jahre zuvor für 500.000 Gulden gekauft.

Etliche Orte, auch im Havelland, verdanken ihre Ersterwähnung dem sogenannten Landbuch Karls IV. Es stellt sozusagen eine Bestandsaufnahme dessen dar, was er in Brandenburg erworben hatte. Auch Ribbeck wurde dadurch 1375 erstmals erwähnt. Mit Karl IV. hatte der nächste Monarch nach des Heiligen Deutschen Reiches Streusandbüchse gegriffen. Mögliche Gründe, die ihn dazu trieben, gibt es einige. Aus Historiker-Sicht stellte die Mark Brandenburg eine Trumpfkarte im feudalen Machtspiel dar. Aber es könnte auch noch etwas anderes gewesen sein.

Wie lange Karl IV. auf die Macht in Brandenburg hinarbeitete, wird wohl nie geklärt werden können. Manche meinen, dass er durch Parteinahme für den "falschen Waldemar" bereits seine Ambitionen offenbarte. Das ist eine sehr skurrile Geschichte. Denn der echte Waldemar, nach dem in Rathenow die Kleine und die Waldemarstraße benannt sind, hatte 1319 das Zeitliche gesegnet. Kurz nach ihm starb das einstmals so mächtige und zahlenmäßig große Geschlecht der Askanier, dem der Markgraf angehört hatte, in Brandenburg aus. Die Mark ging an die Wittelsbacher, die mit Ludwig dem Bayern ab 1314 den König und ab 1328 auch den Kaiser stellten. Die Beziehung zu Bayern störte nicht nur die Brandenburger.

Als 1348 ein Pilger auftauchte, der vorgab, er wäre Waldemar - Tod und Bestattung 1319 sollen inszeniert gewesen sein - frohlockte fast die ganze Mark, und auch Karl IV. aus dem Hause der Luxemburger anerkannte die Identität. Prompt belehnte er den mutmaßlichen Waldemar mit der Mark Brandenburg. Das durfte Karl IV., weil er seit 1346 deutscher König war - zunächst Gegenkönig zu Ludwig IV. Karls Motiv soll die Schwächung der Wittelsbacher gewesen sein, mit denen er seit Langem im Clinch lag.

Auf Ludwig IV., der 1347 starb, folgte Ludwig V., der nun die Sache mit Waldemar und dem märkischen Widerstand auszufechten hatte. Ludwig V. verlor die Mark an Waldemar. Nachdem sich aber der Bayer mit Karl IV. verständigt bzw. geeinigt hatte, waren die Tage des "falschen Waldemar" gezählt (1350).

Zwei Jahre hatte dieser von Karls Gnaden in der Mark Brandenburg herrschen dürfen, dann gab der König vor, betrogen worden zu sein. Der mutmaßlich "falsche Waldemar", vom askanischen Zweig der Familie in Anhalt-Dessau allerdings anerkannt, lebte dort noch ein paar Jahre, ehe er im Bunde der Familie starb.

Indes hatte Karl IV. den Wittelsbacher Ludwig V. wieder mit der Mark belehnt (1350). Wohl auch weil die Sache mit den widerspenstigen Brandenburgern längst nicht ausgestanden war, gab Ludwig seine brandenburgischen Besitzungen im Tausch gegen Teile Oberbayerns her. Neue Herren der Mark waren nun Ludwigs Brüder.

Das nächste Mal, dass Karl IV. auf die Geschichte Brandenburgs erheblichen Einfluss nahm, war 1356. Inzwischen war er nicht nur deutscher König, sondern auch König von Böhmen (seit 1347), König von Italien (1355) römisch-deutscher Kaiser (ebenfalls seit 1355).

Das Blut

der Premysliden

Karl hatte die Hradschin genannte Burg in Prag bezogen. Die Stadt kam dadurch zu ungeahnter Blüte. Nicht nur der Name der prächtigen Karlsbrücke über die Moldau, zwischen Altstadt und Hradschin, erinnert an Karl IV. Er gründete auch die Universität in Prag (1348), die seinen Namen trägt. Sie war die erste Universität in Mitteleuropa.

Der Luxemburger war durch Familienbande 1347 auf den böhmischen Thron gelangt. In ihm floss das Blut der Premysliden, jenem böhmischen Herrschergeschlecht, das seit dem 9. Jahrhundert an der Macht war. Es war zwar 1306 im Mannesstamm ausgestorben. Doch hatte der vorletzte Premyslide seine Tochter Elisabeth mit Johann von Luxemburg verheiratet. Aus dieser Ehe ging Karl IV. hervor. Ihm dürfte nicht entgangen sein, wie groß die Wertschätzung der Böhmen für ihren Nationalheiligen war. Noch heute verehren die Tschechen den Heiligen Wenzel, nach dem in Prag ein zentraler Platz benannt ist.

Wenzel, tschechisch: Vaclav, war noch zu Lebzeiten seiner Mutter vom eigenen Bruder ermordet worden. Und durch diese Mutter waren die Gene der slawischen Heveller bzw. Stodoranen in die Premysliden gelangt. Denkbar also auch, dass sich Karl IV. bewusst war, dass es knapp vier Jahrhunderte zuvor eine hevellerisch-böhmische Liaison gab. Mehr noch, es könnte dem König und Kaiser durchaus daran gelegen gewesen sein, wegen dieser dynastischen Verwandtschaft eine Länderehe zu schaffen. Bei der Mutter des Heiligen Wenzel, handelte es sich um eine Fürstentochter der Heveller. Ihr Name war Dragomira. Darin das Motiv für Karls emsiges Streben nach der Mark Brandenburg zu sehen, stellt aber pure Spekulation dar.

Fakt ist indes, dass der Kaiser den Wert der Markgrafschaft durch die sogenannte Goldene Bulle des Jahres 1356 immens aufgewertet hatte. In diesem Regelwerk wurden jene sieben weltlichen und geistlichen Herren benannt, die fortan per Gesetz, sprich durch die Bulle, eine elitäre Gruppe bildeten. Sie sollten den König wählen bzw. küren - sie wurden zu den sieben Kurfürsten.

Mächtige Herrschaften gingen dabei leer aus. Der Markgraf von Brandenburg sollte dazu gehören. Neben ihm hatten der König von Böhmen, der Herzog von Sachsen und der Pfalzgraf bei Rhein sowie die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier je eine Stimme. Wer also König werden wollte, musste sich auch das Wohlwollen der Brandenburger Herrscher sichern.

Karl IV., der ja bereits den Gipfel der Macht erklommen hatte, soll von einem Reich geträumt haben, das sich weit nach Norden hin erstreckte. Indem er die Mark hinzu gewann, verfügten seine Nachfahren über zwei Kurstimmen. Die von Karl gestiftete Länderehe sollte "auf ewig" bestehen. Daraus wurde bekanntlich nichts. Seine Nachfahren zerstritten sich. Sigismund, Sohn aus vierter Ehe sowie Kaiser und König, belehnte letztlich die Hohenzollern mit dem Kurfürstentum Brandenburg.

"1373, erst fünf Jahre vor seinem Tod, war es dem in Prag residierenden Kaiser Karl IV. gelungen, die Landesherrschaft über die Mark Brandenburg und die Niederlausitz zu erlangen. Diese Machterweiterung war Teil seiner politischen und wirtschaftlichen Ambitionen, sein Königreich Böhmen über Elbe und Oder bis zur Ostsee auszudehnen und mit der Markgrafschaft eine weitere Kurstimme im dynastischen Machtkampf zu gewinnen." So steht es auf www.hbpg.de, den Internetseiten des Hauses des Brandenburgisch-Preußischen Geschichte.

Mehr als 70

ausgewählte Kunstwerke

"Für einige Jahrzehnte erfuhr die Mark Brandenburg einen Modernisierungsschub. Das 1375 im Auftrag von Karl IV. angelegte Landbuch der Mark Brandenburg machte eine effiziente Verwaltung möglich, und Städte wie Brandenburg an der Havel, Frankfurt (Oder) und Berlin-Cölln erlebten einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. In Tangermünde errichtete Karl IV. eine prachtvolle und reich ausgestattete Residenz, die neben Prag und Nürnberg als dritte die Bedeutung eines zentralen kaiserlichen Sitzes erlangte."

Während Prag und Nürnberg mit einer gemeinsamen bayerisch-tschechischen Landesausstellung dem Wirken des großen Monarchen gedenken, kommt die im September in Potsdam eröffnete HBPG-Ausstellung (in Kooperation mit dem Domstift Brandenburg und der Brandenburgischen Historischen Kommission) über die Wirkung der kaiserlichen Herrschaft in der Mark etwas kleiner daher.

Sie zeige laut HBPG-Angaben mehr als 70 ausgewählte Kunstobjekte der Architektur, Plastik, Malerei und Goldschmiedekunst. Als das größte und prachtvollste Exponat im Zentrum der Ausstellung gilt ein kostbarer Chormantel (letztes Drittel des 14. Jahrhunderts) aus dem Dom zu Brandenburg, der wahrscheinlich auf eine Stiftung von Karl IV. zurückgehe, wie es heißt. Ebenfalls von dort werde der sogenannte Kleine Böhmische Altar gezeigt. Den Großen Böhmischen Altar könne man sich mittels Medienstation ansehen und erschließen. Er steht derweil weiterhin im Dom, auf der früheren Herrschaftsinsel der Heveller.

Die Ausstellung unter Schirmherrschaft des Botschafters der Tschechischen Republik in der Bundesrepublik Deutschland, Tomáš Jan Podivínský, und des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dietmar Woidke, will deutlich machen, welch enorme Ausstrahlung die kaiserliche Kunst und Kultur Karls IV. in die Mark Brandenburg hinein hatte. Böhmische Vorbilder prägten noch über Jahrzehnte die märkische Kunst.

Bis zur ersten Universität in Markgrafschaft und Kurfürstentum Brandenburg sollte es aber noch bis 1506 dauern.

Zur Ausstellung erschien die gleichnamige Begleitpublikation "Karl IV. - Ein Kaiser in Brandenburg", herausgegeben von Ausstellungskurator Jan Friedrich Richter sowie Peter Knüvener und Kurt Winkler für das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Verlag für Berlin-Brandenburg. Die Ausstellung ist in Potsdam am Kutschstall am Neuen Markt 9 zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis donnerstags von 10.00 bis 17.00 Uhr sowie freitags bis sonntags und an Feiertagen von 10.00 bis 18.00 Uhr. Telefonische Infos unter 0331/6208550.

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