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Beratungsstelle in Wriezen mahnt zu rechtzeitiger Information für die Medizinisch-Psychologische Untersuchung

Von wegen "Idiotentest"

Die Alkoholmessgeräte der Polizei, wie hier bei einer Testperson demonstriert, kommen an den Wochenenden besonders häufig zum Einsatz.
Die Alkoholmessgeräte der Polizei, wie hier bei einer Testperson demonstriert, kommen an den Wochenenden besonders häufig zum Einsatz. © Foto: Sören Tetzlaff
Christina Schmidt / 21.02.2013, 07:50 Uhr - Aktualisiert 21.02.2013, 11:59
Wriezen (MOZ) Mit Alkohol oder Drogen am Steuer erwischt - das kann schnell den Führerschein kosten. Die Folge: Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU), im Volksmund auch "Idiotentest" genannt. Um zu bestehen, braucht es eine gute Vorbereitung, mahnen die Fachleute der Diakonie in Wriezen.

An den Wochenenden werden sie besonders häufig gestellt: Fahrer, die zu tief ins Glas geschaut haben oder unter Drogeneinfluss ihren Wagen steuern. Die kürzlich veröffentlichte Verkehrsunfallentwicklungsbilanz der Polizeidirektion Ost, zu der die Polizeiinspektionen Uckermark, Barnim, Märkisch-Oderland und Oder-Spree/Frankfurt (Oder) zählen, weist eine steigende Zahl von alkoholbedingten Unfällen aus. So verzeichnet die Statistik 2012 insgesamt 362 derartige Unfälle, 29 mehr als im Vorjahr. Dabei wurden 178 Personen verletzt und sechs Menschen getötet. Mit 162 Verkehrsunfällen ereignete sich jeder zweite Unfall an einem Wochenende. Ebenfalls wenig erfreulich sieht die Bilanz bei Unfällen aus, bei denen die Fahrer unter dem Einfluss von Drogen standen. 27 von ihnen, mit 18 Verletzten und einer getöteten Person, wurden registriert. Insgesamt 258 Mal stellten Polizeibeamte Drogenfahrten fest.

Was aber tun, wenn der Führerschein weg ist? Und eine MPU angeordnet worden ist? "Den Weg zur Beratung suchen. Und zwar umgehend", rät Friederike Neugebauer von der Sucht- und Drogenberatungsstelle der Diakonie. "Häufig kommen Betroffene erst dann zu einer Beratung, wenn die Frist nahezu abgelaufen ist. Oder sie glauben, ohne Vorbereitung durch die MPU zu kommen", weiß die Fachfrau, die mit ihren Kollegen in Seelow, Bad Freienwalde und Wriezen Autofahrer berät. Dabei sei es fatal, die Untersuchung durch Verkehrspsychologen auf die leichte Schulter zu nehmen. "Es reicht nicht, einfach Reue zu zeigen oder zu beschwören, dass die Alkoholfahrt nur ein einmaliger Ausrutscher war", mahnt Friederike Neugebauer. Die Verkehrspsychologen lassen sich meist nicht von plakativen Sprüchen beeindrucken. Die Folge: Die Delinquenten, offizielle Stellen sprechen von rund einem Drittel, fallen schlichtweg durch. Und müssen das zeitaufwendige und kostspielige Verfahren erneut über sich ergehen lassen.

Von wegen "Idiotentest". Die Untersuchung dauert in der Regel zwischen drei und vier Stunden. Die Betroffenen müssen in einer medizinischen Untersuchung, mit leistungsdiagnostischen Verfahren, zum Beispiel Reaktionstests, und abschließend in einem Gespräch ihre Eignung zur Teilnahme am Straßenverkehr unter Beweis stellen.

Dabei wird ihnen mächtig auf den Zahl gefühlt. "Sie müssen nachweisen, dass sie sich bereits intensiv und längere Zeit mit ihrem Alkohol- oder Drogenproblem beschäftigt haben und dass sie reflektieren, welche individuellen Ursachen zum Entzug des Führerscheines geführt haben", erklärt Friederike Neugebauer. Ungenaue Angaben zum Konsum oder ausweichende Antworten reichen nicht aus und verstärken den Zweifel der Gutachter an der Eignung.

Nicht nur das Gespräch, auch reine Fakten sollen belegen, dass der Betroffene wieder ein Fahrzeug führen darf. "Sie müssen ihre Abstinenz durch medizinische Laborwerte vorgeschriebener Institute nachweisen", macht Friederike Neugebauer deutlich. Doch dabei steckt der Teufel im Detail: "Einige Ratsuchende haben die Auskunft erhalten, dass eine Bescheinigung des Hausarztes ausreicht, um den Beweis zu führen. Das ist aber nicht richtig. Nur ausgewiesene Labore sind bei den Gutachtern zugelassen, deshalb ist es umso wichtiger, sich vorab zu informieren", mahnt die Beraterin der Diakonie.

Im vergangenen Jahr haben sich knapp 30 Menschen bei der Diakonie in kostenlosen Informationsgesprächen beraten lassen. Etwas weniger als die Hälfte nahm anschließend an einem Vorbereitungskurs teil, der neben einem gezielten Training der Untersuchungssituation einen weiteren Vorteil hat. "Wir wissen, dass die Kursteilnahme ein Pluspunkt bei den Gutachtern ist, weil sie verdeutlicht, dass sich jemand mit sich auseinandergesetzt und das Gelernte verinnerlicht hat", sagt Friederike Neugebauer.

Das rechtfertige auch die Kursgebühr von 350 Euro für die Seminare, die entweder in zehn Gruppen- bzw. sieben Einzelsitzungen abgehalten werden. Ohne Vorbereitungskurs könne die MPU, die ohnehin mit rund 1500 bis 1700 Euro zu Buche schlägt, schnell doppelt so teuer werden. "Zur dritten MPU tritt kaum noch ein Betroffener an, weil das schlichtweg auch eine finanzielle Frage ist", weiß Friederike Neugebauer.

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