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Wohnungsbau
Ohne Infarkt durch den Knoten

Es ist noch Platz um den Wasserturm: Unten im Bild ist die Summter Straße zu sehen, rechts oben das Seniorenzentrum, das an der Bundesstraße 96 steht.
Es ist noch Platz um den Wasserturm: Unten im Bild ist die Summter Straße zu sehen, rechts oben das Seniorenzentrum, das an der Bundesstraße 96 steht. © Foto: Louis le Page
Heike Weißapfel / 17.05.2019, 19:51 Uhr
Hohen Neuendorf (MOZ) Es ist immer noch in der Phase der vorbereitenden Untersuchung, das Gebiet nördlich der Bahnlinie in Hohen Neuendorf, auf dem in den kommenden 20 Jahren über eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme Wohnungsbau entstehen könnte. Ein städtebaulicher Rahmenplan wird aber erarbeitet, und das Gebiet um Wasserturm und Pagode wird unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet.

Mit der Frage, wie viel Verkehr in der Umgebung des Areals an der B 96 (Oranienburger Straße) bei einer Verdichtung zu erwarten ist, hat sich der Stadtentwicklungsausschuss befasst. Winfried Müller-Brandes vom Büro Stadtraum, der auch den Verkehrsentwicklungsplan erarbeitet hat, gab einen Zwischenbericht, bezogen auf 838 oder 725 neue Wohneinheiten. Dazu wurden im Oktober 2018 auch Verkehrszählungen auf der Bundesstraße auf Höhe der Erdmann- und Zühlsdorfer Straße, an der Summter Straße sowie an der Karl-Marx-Straße, Ecke Birkenwerderstraße gemacht.

Ampel an der Summter Straße

Ein Aha-Erlebnis für die Ausschussmitglieder war, dass die Prognosezahlen des Verkehrsentwicklungsplans für die kommenden Jahre bereits überschritten sind, wobei das Plangebiet in dem Plan von 2015 noch gar nicht enthalten ist. 1667 Kfz-Fahrten pro Tag werden für alle drei Teilflächen prognostiziert. Ein Knotenpunkt entstehe an der Summter Straße. "Dort wird deshalb eine Ampel nötig sein", sagte Müller-Brandes. Es sollten Strukturen geschaffen werden, dass die Wege Richtung Zentrum und Bahnhof auch ohne Auto zurückgelegt werden können.

Wichtige Vorplatz-Treppe

Sichere Querungshilfen seien nötig. Auch die entstehende Rathaus-Vorplatz-Treppe sei ein wichtiger Bestandteil dieser Wegebeziehung, so Müller-Brandes. Die Teilwohngebiete sollten engmaschig miteinander verflochten sein. Eine Ampel am Knotenpunkt sei notwendig. Linksabbiegegespuren wären ebenso von Vorteil. Müller-Brandes schlug eine Quartiersgarage und eine Fläche mit 130 Stellplätzen für den ruhenden Verkehr vor. Zudem müsse das Bus-Konzept fortgeschrieben werden.

"Die Verkehrszahlen sind schon erheblich", erklärte Christian Wolff (CDU) und wollte wissen, ob die Gefahr eines "Verkehrsinfarktes" bestehe. Das verneinte Müller-Brandes: "Man muss nur wissen, dass die Abwicklung komplexer wird." Die Knotenpunkte müssten koordiniert werden. In der günstigen, zentrumsnahen Lage müssten zudem "autoarme" Strukturen geschaffen werden.

"Ich bin ziemlich erschrocken und baff über die klaren Worte, insbesondere, was die vorzeitige Erreichung der prognostizierten Ziele angeht. Dass wir da Jahre früher schon dran sind, das sollte uns doch zum Umdenken bringen", sagte Oliver Jirka (B 90/Grüne). "Das zeigt auch, wie kontraproduktiv manche Planungen sind, zum Beispiel eine Tiefgarage am Wildbergplatz zu machen, obwohl der viel näher am Bahnhof ist. Es zeigt, auf welchem Holzweg wir sind, was die Verkehrspolitik angeht." Jirka forderte, für autoarmes und autofreies Wohnen die Weichen zu stellen.

Es müsse ein "Multisystem" aus Angeboten sein, sagte dagegen Jutta Lindner (SPD) mit Blick auf alle, die nicht in der Lage sind, jede Strecke mit dem Rad oder zu Fuß zu bewältigen. Jeder Bürger solle selbst prüfen, wie häufig er ein Auto benötige. Er werbe gar nicht für Verbote, entgegnete Jirka. "Aber muss es ein Zweitwagen sein? Nein. Es gibt inzwischen andere Konzepte. Wir sind hier in einem hochverdichteten Raum."

"Wir hatten schon mal einen Rufbus, der hat nicht funktioniert", nannte Josef Andrle (SPD) einen weiteren Aspekt. Vielleicht würde der mit modernen Methoden wie einer App besser angenommen. Horst Tschaut (AfD) würde sich ein Taxiunternehmen am Bahnhof wünschen.

RegerVerkehr

Der Verkehrsentwicklungsplan wurde 2015 beschlossen und veröffentlicht. Er ist bis 2025 angelegt. Bis dahin könnte die Motorisierungsrate von 497 auf 545 Pkw pro 1000 Einwohner gestiegen sein. 2009 wurden Verkehrszählungen an den Hauptverkehrsachsen unternommen. Nach einer weiteren Zählung 2018 passieren bereits heute täglich mehr als 15 000 Fahrzeuge die Bundesstraße 96. ⇥hw

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