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Vor der Wahl hat die MOZ mit die drei Storkower Bürgemeister-Kandidaten zur Diskussionsrunde eingeladen.

Wahlforum
Bürgermeisterwahl in Storkow: Konträre Ideen bei Rufbus

Diskussion im Tschech-Zimmer auf der Burg: MOZ-Redakteur Bernhard Schwiete als Moderator sowie die Storkower Bürgermeister-Kandidaten Uwe Woweries (AfD), Christina Gericke (Freie Wählergemeinschaft) und Cornelia Schulze-Ludwig (SPD, von links)
Diskussion im Tschech-Zimmer auf der Burg: MOZ-Redakteur Bernhard Schwiete als Moderator sowie die Storkower Bürgermeister-Kandidaten Uwe Woweries (AfD), Christina Gericke (Freie Wählergemeinschaft) und Cornelia Schulze-Ludwig (SPD, von links) © Foto: Jörn Tornow
Bernhard Schwiete / 26.08.2019, 20:00 Uhr - Aktualisiert 26.08.2019, 22:16
Storkow (MOZ) Für die einstündige Runde, die live auf Facebook übertragen wurde und dort weiterhin verfügbar ist, hatte die MOZ einen symbolträchtigen Ort gewählt. Das Gespräch fand statt im Tschech-Zimmer auf der Storkower Burg. Der Raum erinnert an den früheren Bürgermeister Heinrich Ludwig Tschech, der im 19. Jahrhundert allerdings dadurch Berühmtheit erlangte, dass er ein – misslungenes – Attentat auf den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. verübte. Am Montagnachmittag blieb es im Tschech-Zimmer friedlich – allerdings wurden wenige Tage vor der Wahl am Sonntag oftmals die unterschiedlichen Sichtweisen der Bürgermeister-Kandidaten auf die anliegenden Themen in Storkow deutlich.

Schwierige Aufgabe am Markt

Bei einem Dauerbrenner in kommunalpolitischen Diskussionen in der Stadt, nämlich der Frage, wie der Marktplatz belebt werden könnte, hatte niemand aus dem Trio ein Patentrezept parat. Die aktuelle Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig (SPD) sprach von einem gesamtgesellschaftlichen Problem, von dem nicht nur Storkow betroffen sei. Es sei dadurch entstanden, dass die Menschen vermehrt im Internet einkaufen. Bei einer Belebung des Marktplatzes setze sie daher auf neuen Wohnraum, unter anderem auf dem ehemaligen Helios-Grundstück, das die Stadt gekauft hat. Zudem werde das Haus der Begegnung erhalten, und die Stadtbibliothek könne an den Markt umziehen.

Christina Gericke (Freie Wählergemeinschaft), Storkower Bürgermeisterin von 2003 bis 2011, sprach auch ein Gaststättensterben als Problem an. Festivitäten auf dem Markt seien gut, brächten aber keine Dauerbelebung. Eine Idee von ihr ist, gemeinsam mit dem Mittelstandsverein daran zu arbeiten, die bestehenden Geschäfte am Markt zu erhalten. Zudem stünden der Seniorentreff im Haus der Begegnung und der Eine-Welt-Laden als Treffpunkt für verschiedene Gruppen offen.

Uwe Woweries (AfD), der als einziger der Kandidaten nicht in Storkow wohnt, schlug eine Senkung der Gebühren für Stände auf dem Wochenmarkt vor, um mehr Betreiber anzulocken. Für die Tage, an denen kein Marktbetrieb stattfindet, habe er noch kein Konzept, räumte er ein.

Auf die 14 Ortsteile der Stadt angesprochen, antwortete Woweries, er habe ganz bewusst dort seinen Wahlkampf begonnen. "Damit die Menschen dort wissen, sie werden nicht vergessen", erläuterte er. Als Bürgermeister werde er das Gespräch mit den Ortsvorstehern suchen und deren Anliegen in die Stadtverordnetenversammlung bringen. Cornelia Schulze-Ludwig verwies auf die vor acht Jahren von ihr gestarteten jährlichen Ortsbegehungen und auf die 2012 eingeführten Ortsteil-Budgets. Über die Verwendung dieser Gelder könnten die Ortsbeiräte in Eigenregie entscheiden. Christina Gericke übte an diesem Konzept auch Kritik. "Es ist grundsätzlich gut, aber das Geld sollte nicht für Renovierungen in Gemeindehäusern verwendet werden müssen."

BER-Eröffnung als Chance

In der Eröffnung des Flughafen BER sehen alle Kandidaten neue Möglichkeiten für Storkow. "Wir wollen Menschen, die dann dort arbeiten, bei uns ansiedeln", sagte Cornelia Schulze-Ludwig. Allerdings setze der Landesentwicklungsplan der Ausweisung neuer Baugebiete Grenzen. Auch Christina Gericke sieht die Chance auf neue "lukrative" Wohngebiete in der Stadt.  Beide verwiesen aber auch darauf, dass die Infrastruktur dann mitwachsen müsse, zum Beispiel durch zusätzliche Kita-Plätze. Christina Gericke hält auch eine weitere Schule, möglicherweise über einen freien Träger, für möglich. Auch Uwe Woweries will nach der BER-Eröffnung "neue Übernachtungsmöglichkeiten" in Storkow schaffen.

Bei anderen Fragen wurden wieder Unterschiede deutlich. Während sich Cornelia Schulze-Ludwig und Christina Gericke als Bürgermeisterin für die Schaffung eines Rufbusses im gesamten Stadtgebiet einsetzen wollen, sieht Uwe Woweries hier nicht die Kommune, sondern soziale Träger in der Verantwortung. Cornelia Schulze-Ludwig und Christina Gericke wollen einen Bürgerhaushalt einführen, bei dem die Einwohner über die Verwendung eines bestimmten Geldbetrages entscheiden dürfen. Uwe Woweries äußerte sich dazu nicht. Er kündigte an, die Bürger bei Baumaßnahmen aktiv an der Entscheidungsfindung beteiligen zu wollen.

50 Prozent plus x sind nötig

Gewählt wird am Sonntag parallel zur Landtagswahl. Neuer Storkower Bürgermeister für die nächsten acht Jahre ist, wer mehr als 50 Prozent der Stimmen erreicht. Schafft dies keiner der drei Kandidaten, folgt am 22. September eine Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen.

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