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Ausbildungsbeginn
39 angehende Forstwirte starten in der Waldarbeitsschule in Kunsterspring

Ulrike Gawande / 02.09.2019, 17:47 Uhr
Kunsterspring (MOZ) Selten war der Speisesaal in der Waldarbeitsschule in Kunsterspring so voll wie am Montagmorgen, als die neuen Forstwirt-Lehrlinge begrüßt wurden. 39 sind es in diesem Jahr, von denen 31 einen Ausbildungsvertrag mit dem Landesbetrieb Forst Brandenburg (LFB) abgeschlossen haben. Vier weitere lernen beim Bundesforst, zwei bei der Stadt Bernau und zwei bei dem privaten Forstunternehmen Galle.

Begleitet wurden die jungen Auszubildenden zwischen 16 und 21 Jahren von Eltern, Großeltern und anderen Familienangehörigen. Aktuell sei die maximal mögliche Anzahl von Lehrlingen erreicht, so Michael Schade, der beim LFB für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Der letzte Quadratmeter werde genutzt, scherzte auch Schulleiter Dr. Ralf Gruner in seiner Begrüßung. Schon 2018 habe man einen neuen Rekord an Bewerbern, damals waren es 150 auf 30 Stellen, verzeichnen können, der jedoch in diesem Jahr mit 183 Interessenten eingestellt wurde, berichtete Gruner.

Derzeit liege wohl ein besonderer Fokus auf der Branche, mutmaßte er. "Hinter uns liegen zwei extreme Jahre mit Trockenheit." Doch auch die zunehmende Zahl der Waldbrände, der Schädlingsbefall der Bäume unter anderem mit dem Borkenkäfer sowie die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Wald seien weitere Beweggründe von jungen Menschen, sich für eine Ausbildung zum Forstwirt zu entscheiden. Es gebe weltweit "riesengroße Probleme", die jedoch lösbar seien, wenn die Forstwirtschaft ihre Arbeit überall richtig mache, ist der Schulleiter überzeugt. Den Auszubildenden werde man in den nächsten Jahren alles vermitteln, damit sie "ihren Beitrag dazu leisten können, die Welt ein Stück weit besser zu machen".

Den Lehrlingen und ihren Angehörigen erklärte Gruner die Abläufe der Ausbildung, die aus Pflicht- und Wahlmodulen besteht, die je nach Neigung, Interesse und Wünschen gewählt werden können. Zur Wahl stünden verschiedene Maschinenkurse, aber auch Kurse zum Thema Natur- und Landschaftsschutz. Ein Bereich, der weiter ausgebaut werden soll. Auch Seminare zur Waldpädagogik seien ein weiteres wichtiges Angebot für die künftigen Forstwirte, von denen einige ihre Ausbildung von drei auf zwei Jahre verkürzen können. "Über 90 Prozent der Azubis schaffen die Ausbildung im ersten Anlauf", machte Gruner den jungen Menschen Mut. Vier Lehrlinge wollen am Oberstufenzentrum in Neuruppin parallel zur Ausbildung ihre Fachhochschulreife erwerben.

Grundschliff in Kunsterspring

Im ersten Lehrjahr werden die Azubis des LFB  ihre praktische Ausbildung in Kunsterspring erhalten. Viele der Nachwuchsforstwirte, die sogar aus Niedersachsen kommen, werden für diese Zeit im Internat der in den Jahren 2005 bis 2007 sanierten Waldarbeitsschule leben und wohnen. "Hier bekommen sie den Grundschliff", so Ralf Gruner. Im zweiten und dritten Lehrjahr schwärmen die LFB-Azubis dann für den betrieblichen Teil in die sieben Brandenburger Ausbildungsstätten, die unter anderem in Zehdenick, Müllrose oder Potsdam sind, aus.

Probleme gebe es nur mit dem öffentlichen Nahverkehr, weiß LFB-Pressesprecher Michael Schade. Durch die Baustelle an der L16 sei die Waldarbeitsschule auch für Autofahrer nur auf Umwegen erreichbar. Die Bushaltestelle werde zudem aktuell gar nicht bedient. Doch viele der jungen Auszubildenden des neuen Jahrgangs sind noch gar nicht volljährig und somit auf den Bus zum Oberstufenzentrum nach Neuruppin angewiesen. Außerhalb der Ferien nutzen die Azubis den Schulbus, der von Flecken-Zechlin nach Neuruppin fährt. Doch in den Ferien und am Wochenende sehe die Lage schwieriger aus, so Schade. So müssen die Auszubildenden Fahrgemeinschaften bilden, um am Sonntagabend vom Bahnhof Neuruppin nach Kunsterspring zu kommen. Ein Rufbus wäre für die jungen Lehrlinge ein gutes Angebot, so Schade.

Azubi aus Neustrelitz

Ein Problem, dass Anna Schweinsberg aus Neustrelitz nicht hat. Die 20-Jährige, die in diesem Jahr eine von sieben weiblichen Azubis ist, kommt mit dem Auto nach Kunsterspring. Der Anteil an Frauen sei 2019 deutlich höher als in den Jahren zuvor, berichtet Michael Schade. Sonst seien nur ein bis vier Azubis weiblich gewesen. Schweinsberg möchte mit dem Klischee der typischen "Männerberufe" aufräumen. "Mir ist die Natur wichtig und ich packe gern mit an. Mir macht es nichts aus, bei Wind und Wetter draußen zu sein." Nach dem Abitur, einem Forst-Praktikum und durch ihr Engagement als Treiberin bei Gesellschaftsjagden sei für sie klar gewesen: "Ja, das möchte ich machen." Nach der Forstwirt-Ausbildung will Schweinsberg Forstwissenschaften studieren.

Das plant auch Anja Knospe aus Basdorf. Nur zehn Minuten braucht die 21-Jährige nach Kunsterspring. Sie weiß noch nicht ob sie froh oder traurig sein soll, dass sie jeden Tag zuhause und nicht mit den anderen Lehrlingen aus ganz Deutschland im Internat übernachten wird.  Über die Familie sei sie auf ihren Berufswunsch gekommen. "Alle meine Onkel arbeiten bei der Forst und wir wohnen mitten im Wald. Da bot sich das an." Nach dem Abi­tur arbeitete Knospe dann ein Jahr lang bei einem privaten Forstbetrieb und absolvierte zudem ihren Jagdschein. Nun will sie ihren Wunschberuf von der Pike auf lernen, genauso wie Hanne Perrier. Die 18-Jährige kommt zur Ausbildung aus Frankfurt/Oder nach Ostprignitz-Ruppin.

In der ersten Ausbildungswoche erhalten die Forstwirte ihre persönliche Schutzausstattung, die pro Lehrling rund 1 400 Euro kostet. Dann sei es Tradition mit einer Naturschutzarbeit zu beginnen, erklärt Schulleiter Gruner. Es gehe auf eine in Deutschland einmalige Orchideenwiese, die jährlich Pflege benötige. "Das ist ein sehr schöner Einstieg in die praktische Ausbildung." Ansonsten folge man mit den Arbeiten den saisonalen Bedingungen: von Pflanzungen über Zaunbau bis zur Landschaftspflege. "Sie werden von der Natur rund um Kunsterspring begeistert sein."

Motorsägenkursin fünf Tagen

Die Waldarbeitsschule bietet auch Kurse zur Fort- und Weiterbildung an. So gibt es aktuell freie Plätze in den Fünf-Tages-Motorsägenkursen, die vom 9. bis 13. September und vom 21. bis 25. Oktober stattfinden.

Auf dem Plan steht der Umgang mit der Motorsäge. Es werden Bäume gefällt und liegendes Holz bearbeitet. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz stehen im Vordergrund.

Anmeldungen unter: was.kunsterspring@lfb.brandenburg.de oder 033929  50810.⇥ug

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