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Beitragserhöhung
Ex-KSB-Chefin übt harte Kritik am Landrat

"Ich empfinde das als Erpressung": Ex-KSB-Chefin Heidi Sommer ging mit Landrat Ludger Weskamp hart ins Gericht. Hier ist sie mit KSB-Geschäftsführer Matthias Senger zu sehen. (Archivbild).
"Ich empfinde das als Erpressung": Ex-KSB-Chefin Heidi Sommer ging mit Landrat Ludger Weskamp hart ins Gericht. Hier ist sie mit KSB-Geschäftsführer Matthias Senger zu sehen. (Archivbild). © Foto: Arne Färber
Stefan Zwahr / 24.05.2019, 11:15 Uhr
Oberhavel (MOZ) Der Kreissportbund (KSB) kann ab dem Jahr 2020 mit Mehreinnahmen von knapp 25 000 Euro rechnen und so eine neue Vollzeitstelle schaffen. Bevor sich letztendlich eine recht deutliche Mehrheit der 86 anwesenden Delegierten für die Erhöhung der Beiträge des Kreissportbundes um einen auf dann 2,50 Euro pro Mitglied und Jahr aussprach (43 Ja- zu 27 Nein-Stimmen bei elf Enthaltungen), gab es am Mittwochabend eine lebhafte Diskussion. Die frühere KSB-Vorsitzende Heidi Sommer ging dabei vor allem Landrat Ludger Weskamp (SPD) hart an.

Nachdem im Vorfeld der Mitgliederversammlung bei vorbereitenden Veranstaltungen in Oranienburg und Gransee vor allem die Frage erörtert worden war, was die Vereine von ihrer Dachorganisation erwarten, ging es diesmal um den grundsätzlichen Stellenwert des Kreissportbundes. Tilman Godomski (TC Oranienburg) sprach von einer neuen Ausgangslage. Angeschoben wurde das Thema von Landrat Ludger Weskamp. Dieser bemerkte, dass der Kreis ein klares Bekenntnis der Vereine für den Kreissportbund brauche, bevor über zusätzliche Mittel nachgedacht werde.

Eine Aussage, die bei Heidi Sommer (Kremmener SV) für Unmut sorgte. "Wenn der Landkreis den Sport unterstützen will, soll er es tun – und nicht sagen, ,wir würden unterstützen, wenn ihr vorher den Beitrag erhöht’. Ich empfinde das als Erpressung."

Diesen Vorwurf wies Weskamp entschieden zurück. Der Kreis habe in der zu Ende gehenden Legislaturperiode die Sportförderung deutlich angehoben. Und es würde Überlegungen geben, die Zuwendungen noch mal zu erhöhen. Das Signal sei nicht, "wenn die Vereine mehr Geld bezahlen, gibt es mehr Geld vom Landkreis". Aber für den Landkreis sei eine Frage wichtig: Sind sich die Vereine einig darüber, dass sie den KSB als Spitzenorganisation brauchen, die ihre Interessen vertritt und Hauptansprechpartner für den Landkreis ist. Weskamp weiter: "Wenn die Mitglieder schon sagen, dass es von ihnen keine stärkere Beteiligung am KSB gibt, wie soll ich dann dem Kreistag deutlich machen, dass es wichtig ist, den KSB weiter zu stärken?"

Die Frage, "Will ich einen KSB, der sich mit dem Landkreis auf Augenhöhe bewegen kann?", warf auch Christian Braune vom Landessportbund auf. "Wir als LSB brauchen die Sportbünde vor Ort. Und für die Gesamtheit der Vereine wäre es schwieriger, ihre Interessen ohne einen funktionierenden KSB zu vertreten."

Frank Müller, Chef des Kreissportbundes, betonte, dass die Mitgliedsbeiträge grundsätzlich die zentrale und verlässliche Einnahmequelle seien. "Damit müssen wir zumindest die laufenden Kosten decken. Das erweist sich als schwierig. Alles wird teurer." Der Funktionär sprach zudem ein weiteres Thema an: "Bevor unser Leitbild beschlossen wurde, waren wir im Dialog mit den Vereinen, um zu erfragen, was von uns erwartet wird. Wir sind uns bewusst, dass die Erwartungen der Mitglieder steigen. Um dem gerecht zu werden, muss die Arbeitsfähigkeit der Geschäftsstelle sichergestellt werden." Bislang gibt es neben dem hauptamtlichen Geschäftsführer Matthias Senger eine 20-Stunden-Kraft. Die Stelle ist laut Müller seit 2017 mit der fünften Mitarbeiterin besetzt, da nur Mindestlohn gezahlt werden kann. "Durch die Anpassung der Beiträge beabsichtigen wir, diese Stelle in eine Vollzeitstelle umzuwandeln und mehr als Mindestlohn zu bezahlen. Davon versprechen wir uns einen Mehrwert." Sein Appell lautete: "Gebt uns und euch die Möglichkeit, die Arbeit des KSB weiter auszugestalten und auch qualitativ zu verbessern."

Dass Müller das Solidarprinzip heranzog und forderte, dass nicht immer nur nach dem persönlichen Vorteil gesucht werden dürfe, brachte ihm kritische Worte von Bernd Götze (Stahl Hennigsdorf) ein. Dieser machte keine Hehl daraus, dass ihm bei einer Erhöhung der Gegenwert fehlt. "Das hat nichts mit Solidarität zu tun. Wir müssen uns um die Arbeit im Verein kümmern und nicht andere durchfüttern."

Stimmen zur Diskussion um die Beitragserhöhung

Anke Rudolph, Eintracht Gransee: "Ich bin seit zwei Jahren Vorsitzende. Als Fachmedizinische Zahnangestellte hat man von Vorstandsarbeit nicht so viel Ahnung. Darum war ich froh, dass ich mit dem KSB einen Ansprechpartner hatte. Ich bin sehr dankbar dafür. Wir brauchen den KSB."

Marcus Gansewig, belafarm Beetz-Sommerfeld: "Wir brauchen als Sport im Landkreis eine Stimme, die stark ist. Es hilft keinem, wenn jeder nur auf seinen Verein guckt. Es ist wichtig, dass wir zusammenarbeiten und den Sport gemeinsam entwickeln. Da brauchen wir den KSB als Partner. Ich traue mir nicht zu, dass wir alle Probleme alleine lösen können."

Jens-Uwe Grande, Familiensportverein: "Es ging bei der Diskussionsrunde im Vorfeld gar nicht so sehr um das Geld, sondern um die inhaltliche Ausrichtung des KSB. Viele fordern, dass er sich auf seine Kernaufgaben besinnt und von eigenen Großveranstaltungen absieht. Der Dienstleistungsgedanke muss mehr vorangebracht werden."

Dennis Nitsche, TV Hennigsdorf: "Man sollte die sportliche Solidarität nicht vergessen. Wir haben den KSB immer als hilfsbereit wahrgenommen und werden ihm das Vertrauen entgegenbringen, dass er das Geld vernünftig anlegt."

Helge Linke, Team Oberhavel: "Ich bin erstaunt über die Diskussion wegen einem Euro. Der KSB unterstützt, wo er kann, und macht, was er kann. Er kann oft nicht so, wie er will. Ich finde es beschämend, so eine Welle zu machen."⇥sz

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24.05.2019 - 12:07:40

Heidi Sommer hat Recht

Ich hätte es gut gefunden, wenn der KSB eine zusätzliche Stelle vom Landkreis finanziert bekommen hätte und dafür die Vergabe der Kreissport-Fördermittel, die ja in den letzten Jahren erheblich angewachsen sind, übernommen hätte. Das hätte den Vorteil, dass erst gar kein Verdacht aufkommt, der Kreis würde diese Förderung nach Parteibuch verteilen. Ich weiß, dass es nicht so ist, im Postfaktischen Zeitalter wäre es aber klug gewesen.

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