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Kriminalität
Bootsdiebe kommen mit Bewährung davon

Attraktives Diebesgut: Die Täter hatten es auf Yachten und teure Boote abgesehen.
Attraktives Diebesgut: Die Täter hatten es auf Yachten und teure Boote abgesehen. © Foto: Archiv
Holger Rudolph / 18.06.2019, 07:00 Uhr
Rheinsberg Weil ihre Taten schon acht Jahre und länger zurückliegen und sich der 53-jährige J. und der 35-jährige B. nach Auffassung des Gerichts voll geständig zeigten, kommen sie mit einer Bewährungsstrafe davon. Sollten sich die beiden  Rheinsberger nochmals etwas zu Schulden kommen lassen, erwarten sie Haftstrafen von 23 Monaten (J.) und 22 Monaten (B.).

Das eigentliche Geschäft von J. sei damals alles andere als gut gelaufen, erläuterte sein Anwalt. So sei sein Mandant darauf gekommen, mit seinem Bekannten B. hochwertige Boote und Yachten zu stehlen, umlackieren zu lassen und mit gefälschten Papieren an Interessenten zu verkaufen. Einige verjährte Fälle aus den Jahren 2006 bis 2008 fielen aus der Verhandlung am Montag beim Amtsgericht Neuruppin heraus. Justiziabel sind hingegen die sechs Diebstähle aus den Jahren 2009 bis 2011. In Plau am See, Göhren-Lebbin, Malchow, Rechlin und im Hafendorf Rheinsberg stahlen die beiden Männer, manchmal nachts, aber auch am Tage, teure Boote, frisierten sie und verkauften sie – teils sehr günstig – weiter.  Außerdem hat sich J. als Hehler bei der Vermittlung eines gestohlenen Mercedes betätigt.

Unbehelligt unterwegs

Dass J. teilweise auch tagsüber auf den Gewässern nördlich von Rheinsberg unbehelligt in gestohlenen Booten unterwegs sein konnte, lag nach seinen Angaben und jenen seines Anwalts daran, dass er im Nebenjob für ein Unternehmen tätig war, das Dienstleistungen rund um Boote offerierte. Es sei also praktisch normal gewesen, dass er auch mal fremde Bootes steuerte. Weil er zudem aus Geldnot auch für ein Security-Unternehmen tätig war, sei er verstärkt mit der Rheinsberger Halbwelt in Kontakt gekommen.

Auf Diebeszug gingen J. und B. gemeinsam oder hatten im Rahmen der jeweiligen Taten unterschiedliche Aufgaben. Die Einnahmen hätten sie sich geteilt, versicherten beide Männer. Ein Ende nahm die Serie erst, nachdem der reuige J. die Taten seiner Ehefrau gebeichtet hatte.

Sachverständiger bot Einblicke

Ohne die Ermittlungen eines bundesweit für Versicherungen tätigen Bootssachverständigen hätten wohl nicht alle Taten den beiden Rheinsbergern zugeordnet werden können. Dieser Fachmann sagte am Montag als Zeuge aus. Durch Zufall habe er in Nordbrandenburg ein an der Müritz gestohlenes Boot "Bayliner" entdeckt. Im selben Hafen fehlte noch ein besonders auffälliges und teures Boot. Also suchte er auch nach diesem in Rheinsberg. Die hochwertige "Rinker 262" sei zwar optisch leicht verändert und mit neuen Seriennummern versehen worden. Doch diese Zahlenfolgen waren in sich unschlüssig. Die Täter wussten offenbar nicht, dass hinter jeder Ziffer eine Bedeutung steht. Nach diesen Funden schaute sich der Experte noch mehr in der Region um, sprach mit Kontaktleuten und wurde in weiteren Fällen fündig.

Wegen der vollen Geständigkeit der Angeklagten hatten sich alle Beteiligten schon vor dem Urteil im Rahmen einer Verständigung auf ein Strafmaß zwischen 18 und 24 Monaten zur Bewährung ausgesprochen. Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer die maximalen zwei Jahre, die Verteidiger jeweils das Minimum von 18 Monaten.

Die Taten im Überblick

Angelastet wurden den beiden Männern Bootsdiebstähle aus den Jahren 2006 bis 2011. Doch einige waren schon verjährt.

Tatorte waren unter anderem Plau am See, Göhren-Lebbin, Malchow, Rechlin und Rheinsberg.⇥red

Schlagwörter

Bootsdieb Rechlin Auffassung Göhren Lebbin Bewährung

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Dieter Sauer 18.06.2019 - 08:48:42

Recht und Gerechtigkeit

Ja, so ist unser Rechtssystem: Maximale Nachsicht für die Täter und keine Unterstützung der Opfer.

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