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Aufräumen nach dem Brand
Alles hängt an Stahlbetonträgern des OSZ

Roland Becker / 03.01.2020, 06:00 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) Es dürfte ein Wettlauf gegen die Zeit werden. Heute ab 11 Uhr, so die Wettervorhersage für Hennigsdorf, soll es regnen. Mit 90-prozentiger Sicherheit. Weniger sicher ist, dass zu diesem Zeitpunkt das vom Brand teilweise zerstörte Dach des 1970 erbauten und 2000 rekonstruierten Flügels B vom Hennigsdorfer Oberstufenzentrum bereits so gesichert ist, dass kein Wasser eindringen kann. Und deshalb wird Tischlermeister Patrick Thiede in diesen Morgenstunden wohl häufig auf die Uhr schauen, wenn er auf den Kran wartet. Der wird benötigt, um Dach und Fensterfront zu sichern. Der Bötzower Tischler war als Mitglieder der Bötzower Feuerwehr daran beteiligt, das am Silvesterabend gegen 17.30 Uhr ausgebrochene Feuer zu bekämpfen. Noch am Brandort hatte er Landrat Ludger Weskamp (SPD) spontan Material angeboten, mit dem der beschädigte Teil der Schule gesichert werden kann. "Können Sie dann nicht gleich die Arbeiten übernehmen?", habe der Landrat gefragt.

Auch als eingefleischter Feuerwehrmann ( "Man ist ja schon einiges gewohnt.") findet er es "unbegreiflich, wie schnell solch ein Feuer ausbrechen kann". Das spontane Hilfsangebot von Thiede hat einen ganz persönlichen Hintergrund. Der Tischlermeister weiß, wie man sich fühlt, "wenn von jetzt auf gleich ein Brandschaden entsteht und das Dach offen ist". Die Bilder stünden ihm noch vor Augen: Kein Jahr ist es her, dass seine Werkstatt dieses Schicksal traf. Damals habe er binnen Stunden ebenfalls wertvolle Hilfe erfahren. Landrat Weskamp dürfte in der Brandnacht froh gewesen sein, so fix die schnellstmöglich zu erledigenden Arbeiten vergeben zu haben. Rund um die Feiertage Handwerker zu ordern, gehört nicht zu den leichtesten Übungen.

Es wird nicht möglich sein, während eines Tages das Gebäude regenfest zu machen, schätzt Thiede ein. Allein die Größe des Daches, dessen Wannenbau, in dem sich das Wasser sammelt, gesichert werden muss, spricht dagegen. Darüber hinaus gilt es, "die Fensterfront zu sichern, indem sie mit Holz verplant wird", schaut der Tischler auf die anstehenden Arbeiten.

Keine Werkstätten betroffen

Rektor Peter Mohr ist dankbar für jeden Handgriff, der den in Euro noch nicht bezifferbaren Schaden ein wenig erträglicher werden lässt. Am Donnerstagvormittag steht er mit seinen Kollegen noch etwas ratlos in einem der Flure, während im Lichthof und auf den Gängen das letzte Löschwasser aufgewischt wird. In diesen Morgenstunden hat sich der Frost durch die kaputten Fenster in den großen Lichthof gefressen. Wenige Meter weiter ist bereits eine Tür notdürftig vernagelt worden. Davor liegen Glassplitter. Es ist einer der beiden Eingänge, über die sich die Feuerwehr Zutritt verschafft hat. Eiseskälte herrscht in diesem Areal, in dem sich Schüler zum Plaudern oder zur Mittagspause treffen.

Apropos Mittag: Wenn am Montag mit einem Sonderstundenplan der Unterricht in Vormittags- und Nachmittagsschicht aufgenommen wird, öffnet auch die Kantine. Wieder ein Problem gelöst, dürfte Mohr bei dieser Nachricht gedacht haben. Weil der Lichthof teilweise gesperrt bleibt, "erfolgt die Versorgung über eine Ausgabe am Seiteneingang", informiert Kreissprecherin Constanze Gatzke. Auch Tische und Stühle müssen umziehen.

Als Kripo und Statiker den Brandort gegen Mittag freigeben, kann sich Mohr mit seinem Kollegium daranmachen, einen Not-Unterrichtsplan zu stricken. Vor dem Hintergrund, dass im betroffenen Gebäude die zehn Unterrichtsräume im obersten Stockwerk verwüstet sind, entsteht spontan die Idee zum Lehrbetrieb im Schichtsystem. Glück im Unglück: Bei den betroffenen Klassenräumen handelt es sich nicht um Spezialkabinette oder Lehrwerkstätten. Dennoch bangt Mohr, wie hoch der Schaden ausfallen wird. Noch ist unklar, ob zum Beispiel die Smartboards vom Wasser beschädigt oder zerstört wurden.

Während Mohr daran gelegen ist, den Schulbetrieb für die nächsten Wochen zu organisieren, muss im Landratsamt schon weitergedacht werden. In der nächsten Woche, so Kreissprecherin Gatzke, werden Firmen damit beauftragt, "die Räume schnellstmöglich zu trocknen". Statiker müssen prüfen, wie stark die Stahlbetonträger in Mitleidenschaft gezogen wurden. Erst mit diesem Gutachten können die nötigen Sanierungsarbeiten geplant werden.

Während der Rektor Schritt für Schritt all die Probleme löst, damit die Schule nicht Zwangsferien ausrufen muss, denkt er an die Minuten, als er davon erfuhr, dass seine Schule brennt. "Ein ehemaliger Schüler, der bei Hennigsdorfs Feuerwehr ist, hat mich angerufen", erzählt er. Auf dem Weg zum OSZ habe sein Handy immer wieder geklingelt. Fast fünf Stunden bangte Peter Mohr. Gegen 23 Uhr konnte er mit der Sicherheit nach Hause gehen, dass das Feuer gelöscht ist. Silvester war damit für ihn gelaufen: "Ich hatte keine Lust mehr zu feiern."

Schon in diesen Stunden lag die Vermutung nahe, dass ein Feuerwerkskörper den Brand verursacht hat. An diesem Donnerstag ist nun für die Polizei klar, dass auf dem Dach gelandete Pyrotechnik der Auslöser war. Anwohner, so heißt es auf der Internetseite www.nonstopsnews.de, hätten beobachtet, wie kurz vor Ausbruch des Feuers Jugendliche in direkter Schulnähe Feuerwerk gezündet haben. Die Polizei sucht nun nach Zeugen, die zwischen 17.15 und 17.35 Uhr Beobachtungen machten, die mit dem Feuer in Zusammenhang stehen könnten.  Hinweise nimmt die Polizeiinspektion Oberhavel unter 03301 8510 entgegen. "Es wird schwierig werden, die Täter ausfindig zu machen", vermutet Polizeisprecherin Dörte Röhrs.

Am Donnerstag ist ein Mann am Parkplatz des OSZ damit beschäftigt, per Greifer Silvestermüll aufzusammeln. Seine Schubkarre ist bis obenhin gefüllt. Vielleicht liegen die Verpackungsreste der den Brand auslösenden Pyrotechnik darin. Vielleicht auch nicht. Den Beweis dafür zu finden, gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Aktuelle Informationenfür OSZ-Schüler

Rektor Peter Mohr und sein Kollegium bitten alle Schüler, sich aktuell auf der Stundenplan-App oder im Internet unter www.emosz.org darüber zu informieren, wie ab Montag, 6. Januar, der Unterricht organisiert wird. Nach jetzigem Stand soll es zu keinen, durch den Brand bedingten, Ausfällen kommen.

Auf dieser Internetpräsenz soll ab sofort eine kleine Chronologie der Ereignisse und der Fortschritte bei der Wiederinbetriebnahme entstehen.⇥rol

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