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Nachfolgeregelung
Angermünder Betrieb geht in vierte Generation über

Ergolgreicher Generationswechsel: Martin (l.) und Susanne Holtzmann übernehmen die Buchhaltung und die Leitung des Angermünder Pumpenbetriebs aus den Händen von Rosemarie und Eckhard Holtzmann.
Ergolgreicher Generationswechsel: Martin (l.) und Susanne Holtzmann übernehmen die Buchhaltung und die Leitung des Angermünder Pumpenbetriebs aus den Händen von Rosemarie und Eckhard Holtzmann. © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 16.01.2020, 06:30 Uhr
Angermünde Feiern mussten sie nicht. Gefeiert wurde Silvester ja überall. Also lief die Firmenübergabe relativ unspektakulär. Und doch war es eine Zäsur in der 113 Jahre währenden Betriebsgeschichte: Eckhard Holtzmann und seine Frau Rosemarie legten die Geschäfte des Unternehmens in die Hände von Sohn Martin und seiner Frau Susanne. Damit ist nun die vierte Generation angetreten, die weit über die Kreisgrenzen bekannte Pumpentechnik an gleichem Standort in der Berliner Straße fortzuführen. "Irgendwann muss man sich mal davon trennen", sagt Eckhard Holtzmann. Der heute 67-Jährige hat 1981 das Handwerk von seinem Vater übernommen. Und der wiederum von seinem.

Das Meisterbüro von Firmengründer Max befindet sich seit 1923 zwischen Vorderhaus und Werkstatt. Dort wird es auch bleiben. Vielleicht verschwinden mal die schon nostalgisch anmutenden Tapeten. Ein altes Foto an der Wand zeigt noch eine Gaststätte in dem rund 300 Jahre alten Fachwerkvorderhaus, betrieben von den Urgroßeltern Eckhard Holtzmanns. Dort befindet sich heute der Laden für die Kundschaft. Gewohnt hat die gesamte Familie immer in den oberen Etagen. Drei Generationen unter einem Dach. Gearbeitet wurde mit den Angestellten in der langgezogenen Werkstatt auf dem Hof oder dort, wo Pumpen stehen.

Jetzt ist alles übergeben: Firma, Gebäude, Grundstück. Doch eigentlich bleibt alles beim Alten, nur dass nun der Vater beim Sohn arbeitet. Der 42-Jährige wiederum hat – wie es bei Holtzmanns üblich ist – das Handwerk selbstverständlich von Grund auf im Familienbetrieb gelernt, seinen Meister abgeschlossen. Die Urkunde Nummer vier hängt neben der seiner Vorfahren. Ununterbrochene Tradition.

Zwei Türen weiter ist der gleiche Wechsel passiert. Rosemarie Holtzmann bleibt auch mit 71 noch im Geschäft. Die komplette Regie über die Buchhaltung hat seit der Neujahrsnacht nun aber Schwiegertochter Susanne (40). Den Termin der Firmenübergabe legte praktischerweise das Steuerbüro fest, aus rein rechtlichen Gründen.

Werk II befindet sich in Schwedt

Nach außen hin geht alles weiter seinen Gang. Die Auftragsbücher sind voll. Zehn Leute beschäftigen sich tagtäglich mit Pumpen aller Art, von der uralten Handpumpe der Gartenfreunde bis hin zum Drei-Tonnen-Exemplar der Industrie. Sechs Mitarbeiter sind ständig in ihrem Werk II auf dem Schwedter PCK-Gelände im Einsatz. Die Raffinerie muss jederzeit laufen. Seit 1977 kümmert sich der Familienbetrieb um Pumpentechnik der Erdölverarbeitung. Und nicht nur das. Chemie- Maschinen, Verdichter, Lüfter, Gebläse, Lkw- und Gleisverladeanlagen reparieren die Maschinenbauer.

Die Vorväter-Holtzmanns hatten sich einst auch mit der Landmaschinenfertigung einen Namen gemacht. Eggen, Pflüge, Kreissägen verließen die bekannte Angermünder Werkstatt in hohen Stückzahlen. Der berühmte Mais-­entkörner (Rebbler) – ein praktisches Handgerät für jeden Bauernhaushalt – ging sogar in den Export. Vor dem Zweiten Weltkrieg vermietete die Maschinenbauanstalt eine Lokomobile für die Landwirtschaft. Ein Handel mit importierten Bindern, Grasmähern und sogar Dreschmaschinen florierte.

Privat durch alle Epochen

Nach dem Krieg ging es immer privat weiter. Volkseigene Betriebe wie die Molkerei, der Kohlehandel, das Agrochemische Zentrum oder auch die Bäuerliche Handelsgenossenschaft und das Klärwerk gehörten zum Kundenstamm. Später kamen der Seehafen Rostock, der Kalibetrieb Zielitz und Stern-Radio Berlin hinzu. Die Maschinenbauer reparierten, warteten, installierten, tüftelten. Sie setzten Fahrzeuge instand, bauten hydraulische Pressen oder Düngerstreuer.

Wegen der schlechten Ersatzteillage wurde das Ladengeschäft an der Straße kurzerhand in ein Lager umgewandelt und erst mit der Wende wieder als Verkaufsraum geöffnet. Dann die Wende. Plötzlich gab es Maschinen und Werkzeug in Hülle und Fülle. Eckhard Holtzmann lud den Barkas gar nicht mehr aus, sondern verkaufte die Ware gleich von der Pritsche herunter.

Solange es Pumpen gibt, macht man sich im Familienbetrieb um die Zukunft keine Sorgen. Großvater Eckhard Holtzmann schaut voller Hoffnung auf seine 13- und 10-jährigen Enkel Thilo und Niels. Sie wachsen so wie er selbst in der Umgebung von Maschinen, Pumpen und Werkzeugen auf. Holtzmanns denken schon mal an die fünfte Handwerkergene-­ration.

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