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Klagen über Stallpflicht nehmen zu

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Christian Schönberg / 15.02.2017, 23:33 Uhr
Ostprignitz-Ruppin (MZV) Geflügelhalter werden noch auf lange Sicht ihre gefiederten Tiere im Stall behalten müssen. Derzeit gebe es keine Anzeichen, dass die Ausbreitung des Vogelgrippe-Erregers vom Virustyp H5N8 nachlasse, sagte Kreisveterinärin Simone Heiland im Agrarausschuss.

Gremienmitglied Gernot Elftmann(Kreisbauern) machte deutlich, dass es bei den Haltern wenig Verständnis für die "Aufstallung" genannte Anordnung gibt. Er betonte, dass es nicht im Sinne des Tierwohls ist, den Vögeln keinen Auslauf geben zu dürfen. "Wenn man hört, dass der Virus hier in abgeschotteten Groß-Geflügelanlagen aufgetreten ist, fragt man sich schon, ob die Aufstallung ein sinnvolles Mittel ist - zumal das bereits eine Weile geht und kein Ende abzusehen ist", so Elftmann.

Es erscheint äußerst rätselhaft, dass das Virus in zwei Mastanlagen, deren Tiere im Grunde nie Kontakt nach außen haben, aufgetreten ist. "Wie es in die Betriebe 'reingekommen ist, ist tatsächlich noch nicht geklärt", sagte Heiland. Die Übertragungswege seien selbst für die Forschung noch unergründlich. Auf die Aufstallungspflicht kann der Landkreis aber nicht verzichten: "Es ist das einzige Mittel, das wir haben", sagte die Kreisveterinärin.

Heiland betonte, dass sie selbst nicht wisse, "wo die Reise hingeht". Die Hoffnung bestehe, dass die Aufstallungspflicht bald ein Ende findet. Aber selbst wenn es mit wärmeren Sonnenstrahlen und dem Abebben der Virus-Ausbreitung aufgehoben wird: "Was ist dann im nächsten Winter?", fragte sich Heiland. Sie betonte, dass die Anordnung auch kontrolliert und Verstöße geahndet werden - als Ordnungswidrigkeit. Ob es gleich zu Geldbußen kommt, hänge aber vom Fall ab. Wer es zu weit treibe, werde zur Kasse gebeten.

Bislang ist im Landkreis viermal der H5N8-Virus bei Vögeln aufgetaucht - davon zweimal in Mastställen von Kartzfehn und einmal im Tierpark Kunsterspring. Dort wurden - anders als in den Ställen - nicht alle gefiederten Freunde gekeult (RA berichtete).

Laut der Bundestagsabgeordneten Kirsten Tackmann(Linke) aus Wusterhausen schätzt das Friedrich-Löffler-Institut die Seuche als "schwerste Vogelgrippe überhaupt" ein. Dennoch fordert auch sie einen Sinneswandel bei den Vorschriften: "Stallpflicht ist für Privathaushalte oft schwierig", sagte sie am Mittwoch. Wassergeflügel, Strauße oder Tauben nicht nach draußen zu lassen, sei zudem aus Tierschutzgründen fragwürdig. Nicht zuletzt gibt es ein Problem beim Eiervertrieb. Sind es welche aus Freilandhaltung, können sie als solche nicht mehr deklariert werden, wenn die Legehennen zwölf Wochen lang unentwegt im Stall gewesen sind.

Mehr zu dem Thema gibt es unter www.moz.de/vogelgrippe zu erfahren.

14.November: Der Landkreis verfügt die Aufstallung des Geflügels. 3.Januar: Ein toter Singschwan bei Herzsprung wird entdeckt. Zwei Tage später ist klar: Er hatte sich mit H5N8 infiziert. 9.Januar: In Ganz bei Kyritz werden Proben von verendeten Tieren entnommen. Ergebnis zwei Tage später: Sie waren mit dem Grippevirus infiziert.Der Landkreis verfügt einen Sperrbezirk drei Kilometer und ein Beobachtungsgebiet zehn Kilometer um den Stall herum. Alle Tiere werden getötet und verbrannt. 27.Januar: Der Tierpark Kun-sterspring meldet zwei verendete Hähne. Am selben Tag erfolgt die Bestätigung des H5N8-Verdachts. Einen Tag später werden ausgewählte Vögel im Tierpark getötet und verbrannt. Die Einrichtung bleibt geschlossen. 6.Februar: Sperrbezirksvorschriften um Ganz werden aufgehoben. Alle anderen Regelungen bleiben in Kraft. 9.Februar: Untersuchung verendeter Tiere in einer Putenmastanlage in Heiligengrabe: Einen Tag später die Bestätigung, dass sie mit dem H5N8-Virus infiziert waren. (crs)

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