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Hohen Neuendorf: Bürgersolaranlage läuft gut

135 Module auf dem Dach der Stadthalle: Diese Photovoltaikanlage ist bisher die einzige, die von einer Gruppe von Bürgern betrieben wird.
135 Module auf dem Dach der Stadthalle: Diese Photovoltaikanlage ist bisher die einzige, die von einer Gruppe von Bürgern betrieben wird. © Foto: MZV
Heike Weißapfel / 10.04.2015, 07:30 Uhr
Hohen Neuendorf (MZV) Seit fünfeinhalb Jahren fängt die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Hohen Neuendorfer Stadthalle das Sonnenlicht ein - mal mehr, mal weniger, aber grundsätzlich genau so, wie von den Betreibern angenommen und gewünscht.

Mittwoch war kein so guter Tag. Kurz nach 7 Uhr zeigt das Diagramm zwar einen Anstieg an, aber die Kurve bleibt flach, steigt über Mittag und Nachmittag ein wenig an, fällt bis 19.30 Uhr wieder auf null ab. "Dass es kalt war, ist egal. Aber es war diesig", interpretiert Christian Mentz diesen speziellen Wetterbericht. "Der Ertrag war 30,81 Kilowattstunden", erläutert Mentz und blättert in seinem Computer zurück. "Dienstag dagegen hatten wir schöne Sonne und 120 Kilowattstunden."

Mentz klickt die Tabellen bis zum 20. März zurück. Deutlich zeichnet sich die partielle Sonnenfinsternis als tiefer Einschnitt in den Vormittagsstunden ab. "Ansonsten war es ein normaler Tag, wie wir es auch erwartet haben. Probleme gab es keine."

Der Sollwert für die Anlage auf das Hohen Neuendorfer Hallendach, die 135 Solarmodule trägt, liege in dieser Jahreszeit bei 100 kWh am Tag, so Mentz. Hell müsse es dafür sein, Hitze sei gar nicht so förderlich. Durchschnittlich werden mit den Modulen 27 000 kWh im Jahr erwirtschaftet, insgesamt sind es bisher 147 310 kWh. Im Jahr 2011 gab es mehr Sonnenstunden - da waren es über 31 000 kWh.

Es war ein langer, planungs- und diskussionsreicher Weg, bis diese erste und bis heute einzige Bürgersolaranlage von Hohen Neuendorf am 23. Dezember 2009 in Betrieb gehen konnte. 22 Hohen Neuendorfer beteiligen sich an dieser Anlage, "alles Leute, die an die Energiewende glauben", sagt Mentz. Reich wird davon keiner. "Aber es geht uns auch nicht in erster Linie um die Rendite."

500 Euro betrug damals die Mindesteinlage. Einer hat 10 000 Euro beigesteuert, und so konnten von den nötigen 120 000 Euro gleich 72 500 Euro als Eigenanteil eingesetzt werden; der Rest wird über einen Kredit finanziert, der im nächsten Jahr abbezahlt ist. Die erste Einspeisevergütung von 43 Cent pro KWh ist längst Geschichte, aktuell sind es noch etwa 12 Cent. So begünstige das Erneuerbare Energiengesetz am Ende wieder die großen Anbieter, meint Mentz. "Aber wir in Hohen Neuendorf sind zufrieden", sagt er. "Wir können das Modell trotzdem empfehlen."

Schäden gab es an der Anlage, die regelmäßig gewartet und gereinigt wird, noch keine. Bei fünf bis sechs Prozent Rendite bekommt 50 bis 60 Euro im Jahr, wer 1 000 Euro eingezahlt hat.

Für Christian Mentz, der im Ortsverband der Bündnisgrünen unter anderem Sprecher ist, sind umfangreiche Anfragen, Pläne, auch das Verwerfen von Standorten beruflicher Alltag. Denn Geschäftsführer der Bürgersolar-Hohen-Neuendorf1-GbR (es sollte noch eine zweite geben) ist er nur, "weil es halt einer machen musste". Im Hauptberuf beschäftigt sich der 54-jährige Vermessungsingenieur und Energiekaufmann, der jetzt nebenbei noch Windenergie-Technik und -Management studiert, mit Windkraftanlagen. Die sind - so sie denn genehmigt werden - die weitaus effizienteren Stromerzeuger. Ein modernes Windrad erzeuge im Jahr etwa sechs Millionen Kilowattstunden. Windräder seien deshalb "das Rückgrat der Energiewende". Die Erfahrung "jeder will sie, aber nicht bei sich selbst in der Nähe" macht Mentz oft.

Aber auch Privathaushalte können nicht nur durch Stromsparen viel zur Nachhaltigkeit beitragen - und sie tun es auch, so Mentz, der selbst auf einer Dachschräge seines Reihenhäuschens auch eine Solarfläche angebracht hat. Dreiviertel aller Energieprojekte in den vergangenen zehn Jahren würden von Privatpersonen getragen, weiß er. Christian Mentz begrüßt die Energie-Initiativen der Stadt Hohen Neuendorf samt dem Einsatz des Klimaschutzmanagers. Auf vielen Hohen Neuendorfer Häusern ist jedenfalls noch Platz.

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