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Totale Mondfinsternis und Mars-Opposition am Freitag live in der Eberswalder Sternwarte „Sigmund Jähn“

Mondfinsternis
Astronomischer Sommernachtstraum

Viola Petersson / 25.07.2018, 10:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Der Mond tritt in den Kernschatten der Erde ein. Was Wissenschaftler ganz nüchtern erklären, lässt Sternengucker ins Schwärmen geraten. Von einem Spektakel am Himmel ist die Rede. Zur totalen Mondfinsternis am Freitag öffnen die „Sternenfreunde Eberswalde“ ihre Sternwarte.

Einen Ansturm wie bei der (partiellen) Sonnenfinsternis 2015 erwartet Michael Fietz, Vorsitzender des Vereins der Eberswalder Sternenfreunde, nicht. Eine SoFi sei für viele einfach noch spektakulärer – und auch lokal seltener. Aus astronomischer Sicht habe eine MoFi, eine Mondfinsternis, aber mindestens einen ebenso großen Reiz. Zumal es am Freitag noch viel mehr zu beobachten gibt und der Himmel abends voller Sterne „hänge“. Deshalb lädt der kleine Verein in die Sternwarte „Sigmund Jähn“ an der Karl-Sellheim-Schule in Westend ein, zum gemeinsamen Beobachten des faszinierenden Schauspiels, zum Staunen und zu fachkundigen Erläuterungen.

Vorausgesetzt Petrus spielt mit, sei die Mondfinsternis bzw. der „Blutmond“ bereits mit bloßem Auge gut zu erkennen, sagt Fietz. Am besten aber lasse sich das Spektakel mit dem Fernglas verfolgen. Per Fernrohr, also per Teleskop, seien dann sogar die kleineren Krater auf dem Mond, der in jener Nacht in einer Linie mit der Erde und der Sonne steht,  zu erkennen. Genau 104 Minuten haben Interessierte dafür Zeit. Denn: Die MoFi am Freitag ist die längste des 21. Jahrhunderts. Übertroffen werde dies erst am 9. Juni 2123 – um zwei Minuten. Um 21.30 Uhr beginne hierzulande die Totalität, nachdem der Mond, der in Berlin um 20.58 Uhr aufgeht, vollständig  in den Kernschatten der Erde eingetreten ist, und um 23.14 Uhr endet sie. Die Dauer der Finsternis hänge mit der Geometrie zusammen, so der Hobby-Astronom.  Diesmal „ziehe“ der Mond nahezu zentral, also mittig durch den Kernschattenkegel der Erde. Deshalb die fast maximale Dunkelheit. Insgesamt bewegt sich der Mond sogar mehr als sechs Stunden in der Nacht von Freitag auf Sonnabend im Schatten der Erde. Um 19.13 Uhr taucht er nämlich bereits in den Halbschatten ein.  „Davon bekommen wir aber nichts mit. Zumal der Mond ja auch erst knapp zwei Stunden später aufgeht.“

Aber warum sprechen Fachleute trotz Finsternis vom „Blutmond“? Warum ist der Vollmond eben nicht dunkel, sondern erscheint glutrot? Dies habe mit der Lichtbrechung in der Erdatmosphäre zu tun, erklärt Fietz das Phänomen. Ein Teil des Sonnenlichtes werde dabei in den Kernschatten der Erde gelenkt. Zudem werde blaues, kurzwelliges Licht stärker herausgefiltert als rotes, langwelliges. Weshalb der Mond eben glut- oder kupferrot leuchtet. Freilich nur, wenn nicht Wolken den Himmel verhängen.

Neben Frau Luna seien am Freitag aber auch Planeten gut am Himmel zu beobachten, Venus, Jupiter, Saturn und vor allem der Mars, so Fietz. Der Mars, auf dem es bekanntlich einen Krater „Eberswalde“ gibt, sei besonders deutlich zu sehen. Der Himmelskörper, auch als Roter Planet bekannt, stehe sehr niedrig und sei der Erde so nah wie selten. Er sei „nur“ 58 Millionen Kilometer entfernt. In anderen Konstellationen könnte es immerhin die fast siebenfache Distanz sein, so Fietz. Wenn nämlich Mars und Sonne – von der Erde aus betrachtet - nicht in Opposition stehen, also nicht genau gegenüber, sondern sich der Mars hinter der Sonne „versteckt“. Fachleute bezeichnen diese Konstellation als Konjunktion.  Diesmal jedoch „überholt“ die Erde innen den Mars zum genau richtigen Zeitpunkt für Astrofans, so dass der Rote Planet „für uns besonders groß erscheint“.  Um 22.22 Uhr, zum Höhepunkt der Mondfinsternis, strahlen also mit etwas Glück zwei Himmelskörper.

Für das Verfolgen des Schauspiels stehen den Besuchern in der Kuppel Teleskope sowie ein Fernrohr auf der Plattform zur Verfügung. Letzteres habe der Verein dank der Unterstützung durch die Stadt Eberswalde gerade erst anschaffen können, so der Vorsitzende. Die Technik lasse Vergrößerungen bis zum 200- oder sogar 250-Fachen zu. Wobei es nicht allein darauf ankomme. Ebenso wichtig sei etwa das Lichtsammelvermögen. Und um das Schauspiel festzuhalten, haben sich einige Mitglieder Astrokameratechnik zugelegt.

Wer den Sommernachtstraum indes allein oder ganz romantisch zu zweit erleben will, dem empfehlen Experten einen leicht erhöhten Standort mit freiem Blick in Richtung Südost. Je weniger künstliches Licht die Umgebung erhellt, desto besser.

MoFi erleben: in der Sternwarte Eberswalde Freitag ab 21 Uhr (bei schlechtem Wetter Vorträge) oder auf dem Wasserturm Finow ebenfalls ab 21 Uhr

Schlagwörter

Mondfinsternis Sigmund Jähn Sommernachtstraum Michael Fietz Kernschatten

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