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Aussprache
Wirtschaft fordert Digitalisierung

Diskussion mit Kandidaten: Thomas Kirsch (FDP), Christian Schroeder (CDU), Astrid Böger (Die Linke), Isabell Hiekel (B90/Grüne) und Steffen Kotré, AfD-Bundestagsabgeordneter (v.l.) stellten sich in Bad Saarow den Fragen von Unternehmern.
Diskussion mit Kandidaten: Thomas Kirsch (FDP), Christian Schroeder (CDU), Astrid Böger (Die Linke), Isabell Hiekel (B90/Grüne) und Steffen Kotré, AfD-Bundestagsabgeordneter (v.l.) stellten sich in Bad Saarow den Fragen von Unternehmern. © Foto: Ruth Buder
Ruth Buder / 08.08.2019, 09:30 Uhr - Aktualisiert 08.08.2019, 16:43
Bad Saarow Wenn Politik auf Wirtschaft trifft, dann hagelt es meistens Kritik von Seiten der Unternehmer. So auch am Dienstagabend in der "Bühne" in Bad Saarow. Die IVU, die Interessenvereinigung der Unternehmen aus Oder-Spree und Frankfurt (Oder), hatte Kandidaten für die Brandenburger Landtagswahl eingeladen. Die Moderatoren Klaus-Dieter Franz (Vorsitzender) und Beatrix Rundorf-Ring (Vorstand)  konfrontierten sie fast drei Stunden lang mit den Meinungen und Fragen von rund 35 Unternehmern. Im Podium hatten Astrid Böger (Die Linke), Isabell Hiekel (B90/Die Grünen), Christian Schroeder (CDU) und Thomas Kirsch (FDP) Platz genommen. Die SPD war trotz Einladung nicht vertreten. Die AfD hatte den Bundestagsabgeordneten Steffen Kotré entsandt, da offensichtlich kein Landtagskandidat Zeit hatte. Einig waren sich die Kandidaten darin, dass es mit der Digitalisierung in Brandenburg schneller voran gehen müsse. Jetzt könne nur noch mit "Flickschusterei" das gerichtet werden, was schon vor zehn Jahren verpennt worden sei, sagte Kotré. Christian Schroeder beklagte Nachholebedarf: "Das muss jetzt schneller gehen." Und Thomas Kirsch will den "Druck erhöhen". Astrid Böger betonte: "Es gibt ein Recht auf Digitalisierung. Das ist Daseinsvorsorge." Debattiert wurde über die mangelnde Schulbildung, fehlende Fachkräfte im Handwerk, übertriebene Bürokratie, die nicht nur ein Fördermittelabruf unmöglich mache, schlechte Straßen, ein nicht nach dem Bedarf ausgerichteter öffentlicher Personennahverkehr oder die Abwanderung der Jugend in die Großstädte. Zu letzterem sagte Isabell Hiekel, man könne nicht erwarten, dass die Jugendlichen zu Hause blieben, aber man könne das Land so attraktiv machen, dass sie wieder zurückkehren. Um schneller zu Fachkräften zu kommen, schlug Schroeder vor, den 10.-Klasse-Abschluss wieder attraktiver zu machen. "Was wir im Handwerk brauchen, haben die meisten nach der zehnten drauf." Man müsse sich trauen, auch weniger gute Schüler einzustellen "und sie an die Hand nehmen", riet der FDP-Mann. Für junge Leute würden Berufe in der Realwirtschaft attraktiver, wenn man sie mit der Digitalisierung verbinde, denkt die Linke-Kandidatin.

Kritik an Windkraftanlagen

Den teilweise schlechten Straßenzustand in Brandenburg führten die Kandidaten auf fehlende Planung und Personalmangel in der Verwaltung zurück, fehlendes Geld sei nicht der Hauptgrund. Aktuell auf den Nägeln brennt den Unternehmern die bevorstehende Erhöhung der Grund- und der Grunderwerbssteuer. "Mit 6,5 Prozent ist sie viel zu hoch", beklagte Steuerberaterin Sylvia Dittrich. "Das Geld ist weg, das kann man nicht mehr investieren." Bei dem Thema Erneuerbare Energien nahm der AfD-Vertreter eine deutlich andere Position als die Landtagskandidaten ein. Windanlagen verschandelten die Landschaft, kosteten den Stromkunden viel Geld, meinte er. "Mit uns wird es keinen weiteren Ausbau von Windkraft geben. Wir müssen in die Forschung anderer Technologien investieren, zum Beispiel Kerntechnik und Kohlendioxid-Abscheidung."

Dass Ausschreibungsverfahren vereinfacht, zugunsten regionaler Unternehmen und zur Entlastung des Verkehrs verändert werden müssen, der Forderung widersprach kein Politiker. Der Unternehmer Thomas Breitkopf könnte sich vorstellen, Flüchtlinge einzustellen, wenn sie besser deutsch sprechen würden. Sprachkurse allein reichten nicht, wusste Astrid Böger aus Erfahrung. Richtig Deutsch lernten sie nur im Arbeitsprozess. Der AfD-Vertreter sah vor allem eine "Bringepflicht der anerkannten Asylbewerber".

Insgesamt forderten die Besucher mehr unternehmerische Freiheit. Projektentwickler Dirk Nowak brachte es auf den Punkt: "Wir wollen gerne etwas leisten, Geld verdienen und Geld abgeben. Aber bei unseren Gesetzen stehen wir oft mit einem Bein im Gefängnis."

MOZ-Wahlforum auf der Burg Beeskow

Wie halten Sie es mit dem Wolf? So lautet die Überschrift des MOZ-Wahlforums am 21. August auf der Burg Beeskow. Mit Direktkandidaten, die in den vier LOS-Wahlkreisen kandidieren, werden wir über Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz und  ländliche Entwicklung diskutieren. Dabei sind: Isabel Hiekel (Grüne/B90), Kathleen Muxel (AfD), Marco Genschmar (SPD), Andreas Gliese (CDU), Kai Hamacher (BVB/Freie Wähler), Stephan Wende (Die Linke). Zudem sind FDP und Katharina Ennullat eingeladen. Das Forum wird ab 17 Uhr  auf der Facebookseite des Spree-Journals übertragen.⇥red

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