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Wahlkampf
Haustürwahlkampf: Kristy Augustin (CDU) auf Klingeltour

Gespräch am Gartenzaun: Kristy Augustin, CDU-Direktkandidatin in Märkisch-Oderland, setzt auf  Haustürwahlkampf, hier in Dolgelin mit Matthias und Werner Nagler (v. l.).
Gespräch am Gartenzaun: Kristy Augustin, CDU-Direktkandidatin in Märkisch-Oderland, setzt auf Haustürwahlkampf, hier in Dolgelin mit Matthias und Werner Nagler (v. l.). © Foto: MOZ/Mathias Hausding
Mathias Hausding / 26.08.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 26.08.2019, 09:25
Lebus (MOZ) In der Regel wollen Politiker ein Heimspiel haben, wenn die Presse da ist, also dorthin einladen, wo man sie kennt und die Chance auf Sympathiebekundungen hoch ist.

Kristy Augustin aber hat einen Vorschlag, sobald der Wunsch geäußert ist, sie mal beim Haustürwahlkampf zu begleiten: "Lassen Sie uns dahin gehen, wo die AfD am stärksten und es für mich am schwierigsten ist. Nach Lebus."

So viel vorweg: Kristy Augustin, CDU-Direktkandidatin im Wahlkreis 34, Märkisch-Oderland IV,  hat die Lage im beschaulichen Städtchen an der Oder realistisch eingeschätzt. Insbesondere in der Unterstadt, direkt am Fluss, wo die Leute am schönsten wohnen, wo es "eigentlich an nichts fehlt", wie es später auf Nachfrage heißt, aber viele Menschen doch "zutiefst unzufrieden" sind und bei den letzten Urnengängen AfD gewählt haben.

Die Tür ist schnell wieder zu

Dann mal los. Freitag 14.30 Uhr, 28 Grad und Sonne, Oderstraße Lebus. Kristy Augustin hat Flyer mit den Wahlbotschaften der CDU dabei und klingelt am nächstgelegenen Haus. "Guten Tag, ich möchte um Ihre Stimme werben und gern auch ein Gespräch mit Ihnen führen, wenn sie wollen", sagt die 40-Jährige, als sich die Haustür einen Spaltbreit öffnet. "Ich gehe nicht wählen", lautet die Antwort eines Mannes, und zu ist die Tür.

Kristy Augustin blickt die Straße hinauf. Kein Mensch weit und breit. "Wenn die Leute am Zaun stehen, im Garten was machen, ist es natürlich leichter, Kontakt aufzunehmen", sagt sie. "Hier muss ich wohl viel klingeln, um die Stimmung aufzufangen."

Beim vierten oder fünften Versuch kommt es zum Gespräch. "Haben Sie Kritik oder Aufträge für mich, Dinge, um die ich mich im Landtag kümmern soll?", fragt die Kandidatin eine Frau um die 50. "Ich bin mit der CDU nicht zufrieden, habe sie lange gewählt, aber gerade will ich das nicht. Ich fühle mich als Bürgerin bei der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel nicht mitgenommen, sondern alleingelassen", erklärt die Lebuserin.

Sie habe keine Vorurteile gegenüber Flüchtlingen. Aber es sei fatal, wenn der Eindruck entstehe, dass Straftäter unter ihnen ungeschoren davonkommen könnten, sagt sie mit Verweis auf den Überfall im Frankfurter "Frosch"-Club vor genau einem Jahr. Der Start des Strafprozesses gegen die zwischenzeitlich aus der U-Haft entlassenen Beschuldigten ist nach wie vor nicht in Sicht.

"Ich verstehe, was Sie meinen", antwortet die CDU-Politikerin. "Gleichzeitig steht für mich fest, dass wir auch künftig Menschen in Not helfen sollten." Die blonde Frau in der Hoftür sieht das ähnlich. "Es geht uns doch gut", sagt sie. Zur Landespolitik fällt ihr auf Nachfrage nur ein, dass sie froh ist über das Scheitern der Kreisreform. Das freut natürlich die Wahlkämpferin von der CDU. "Dafür haben wir gesorgt", betont sie. Und so hat das Gespräch ein versöhnliches Ende.

An den nächsten Grundstücken läuft dann wieder nichts. Mal ist nur der Hund zu Hause, mal wird die Tür wortlos wieder zugemacht, sobald sich Kristy Augustin vorgestellt hat, mal heißt es, dass man schon Briefwahl gemacht habe, und zwar zugunsten einer anderen Partei als der CDU.

Kristy Augustin wirkt davon kein bisschen frustriert. Sie ist überzeugt, dass Haustürwahlkampf etwas bringt, auch wenn er so läuft wie in Lebus. Man sollte als Politikerin zu den Menschen hingehen, sich zeigen, findet sie. "Auch manche Bürgerinnen und Bürger, mit denen ich nicht sprechen konnte, sehen von ihrem Fenster aus, dass ich hier unterwegs bin und verbinden jetzt das Gesicht auf dem Wahlplakat mit einem Menschen."

Bekanntheit bringt Stimmen

Außerdem weiß sie von der Landtagswahl vor fünf Jahren, als sie erstmals als Direktkandidatin antrat und ein achtbares Ergebnis holte, dass Sie dort viele Erststimmen bekommen hat, wo sie auch durch den Haustürwahlkampf bekannt war. Die Bundes-CDU schwöre ebenfalls auf diesen Ansatz. "Es gibt eine App, in der wir vermerken sollen, wo wir waren und wie es gelaufen ist. Aber die nutze ich nicht, weil dafür bei uns auf den Dörfern die Internetverbindung leider zu schlecht ist."

Da sich in Lebus nur wenige Türen öffnen, bleibt für die in Wriezen geborene und in Letschin lebende Politikerin viel Zeit zum Erzählen. Sie registriere in Gesprächen mit Bürgern, dass ihnen oft nicht klar sei, was Landespolitiker beeinflussen könnten und was nicht, sagt die Landtagsabgeordnete. Und was sie als Sozial- und Familienpolitikerin und ihre Fraktion insgesamt erreicht haben, sei auch nicht so vielen Leuten bekannt. Um so wichtiger sind die Gespräche, findet sie. Auch wenn den Leuten dann doch meist entweder die Bundespolitik oder lokale Themen wie der Wunsch nach mehr Geschwindigkeitskontrollen auf der Dorfstraße am Herzen liegen.

Eine Rhabarberschorle in einem Restaurant an der Oder, ein Gespräch über die aktuell nicht so guten Umfragewerte der CDU (Augustin: "Die Zahlen sind Ansporn. Wir kämpfen bis zum letzten Tag."), dann geht es von Lebus weiter in einen anderen Ort im Wahlkreis, 15 Kilometer nach Dolgelin. Im Dorf angekommen, zeigt die Wahlkämpferin auf einen großen Stein mit einer Tafel: Hier war einst der geografische Mittelpunkt Preußens.

Und man redet Tacheles in Dolgelin. Schon von weitem ruft ein älterer Herr: "Wenn Sie meine Stimme wollen, dann sorgen Sie dafür, dass die Sauerei mit den Windrädern aufhört." Das kann ihm Kristy Augustin schriftlich geben, zumindest als CDU-Forderung auf dem Flyer: Windräder sollten mindestens zehnmal so weit vom nächsten Gehöft entfernt sein wie sie hoch sind.

Nach diesem Gespräch wird es aber auch in Dolgelin schnell wieder sehr ruhig. Um 17 Uhr bricht die Kandidaten zum nächsten Termin am anderen Ende des Wahlkreises auf. "Am Wochenende sind einige Dorffeste", sagt sie. "Da ist es dann für mich viel einfacher, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen."

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