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Von Förderung freier Schulen bis Mobilität für Senioren spann sich der Themenbogen bei den Landtagskandidaten in Buckow.

Kandidatenforum zur Landtagswahl beim Straßentheaterfest
Kandidaten beim Straßentheater: Grüner erhält lautesten Beifall

Kandidatenpodium: Hier stellt für die Gruppe Jugend Emil Brandt (Mitte mit Mikro) seine Fragen an Franz Wiese (AfD), Kristy Augustin (CDU), Bertolt Stein (FDP), Bernd Schlieter (BVB/FW), Jan Sommer (Grüne), Bettina Fotunato (Linke), Simona Koß (SPD/v. r.).
Kandidatenpodium: Hier stellt für die Gruppe Jugend Emil Brandt (Mitte mit Mikro) seine Fragen an Franz Wiese (AfD), Kristy Augustin (CDU), Bertolt Stein (FDP), Bernd Schlieter (BVB/FW), Jan Sommer (Grüne), Bettina Fotunato (Linke), Simona Koß (SPD/v. r.). © Foto: Thomas Berger
Thomas Berger / 26.08.2019, 21:00 Uhr
Buckow Kulinarisch wurden unterem "Polit-Burger" geboten – einfallsreiche Kreationen, passend im Belag zu den einzelnen Parteien, die da abends noch in der Runde vertreten waren. Aber natürlich konnten sich die Besucher beim Tag der Deutschen Einsicht, dem inzwischen zur kleinen Tradition gewordenen Straßentheaterfest im Buckower Königskiez, ihren Bauch genauso gut mit Würstchen vom Grill zu besonderem Kartoffelsalat-Rezept füllen. Solche Offerten, getränkemäßig in großer Bandbreite ergänzt, waren wichtig. Schließlich waren viele Gäste schon zum Auftakt am Nachmittag da und hielten bis in die Abendstunden aus.

Zum Tagesausklang lieferten die Strausberger Band PC-Toys sowie Die Couchies eindrucksvoll ihre musikalische Visitenkarte ab. Und in Sachen Bühnenkunst war der Tag der Deutschen Einsicht das zumindest im Reigen geplanter Termine das letzte Mal, dass die Gruppe "Rechthaberisch" mit ihrem Stück zur Jugendbeteiligung noch einmal in Aktion trat. "Ich hatte das Gefühl, es war unsere beste Vorstellung der acht bisherigen Auftritte", sagte Emil Brandt aus Müncheberg. Das positive Gefühl bei den Jugendlichen rührte auch daher, dass diesmal im Nachgang nicht nur auf einer Liste Publikumswünsche für den Heimatort gesammelt, sondern ausgiebig mit den Zuschauern diskutiert wurde. Schließlich handelte es sich um einen der vier "Thementische", an denen die zentralen Fragestellungen aus verschiedenen Kernsektoren für die abendliche Wahlforums-Runde gemeinsam erarbeitet wurden.

Einzige komplette Runde

Acht Tage vor der Brandenburger Landtagswahl stand das Zusammentreffen der Kandidatinnen und Kandidaten aller aussichtsreichen Parteien und Gruppen auf der Buckower "Erste Wa(h)l Bühne" – die einzige wirklich komplett besetzte Runde in diesem Wahlkreis – natürlich im Mittelpunkt der Veranstaltung. Schon zur Begrüßung mussten sich alle durch Moderator Moritz Kirchner (Politikwissenschaftler und Deutscher Vizemeister im Debattieren) zwei einfallsreichen Kurzfragen stellen. Simona Koß (SPD) als Erste der, wie viele offiziell anerkannte Funklöcher es im Land gebe – 20 000 sind es, wie der Fakt gleich geliefert wurde. Wie viele öffentliche Gelder noch im BER versinken würden? Keine weiteren mehr, antwortete Bettina Fortunato (Linke), die damit konfrontiert wurde. Kristy Augustin (CDU) denkt nach dem Landesparteitag in der Tat noch mal intensiver zum Paritätsgesetz nach. Franz Wiese (AfD) war gerade nicht in Deutschland, als am 9. November 1989 die Mauer geöffnet wurde – auf den umstrittenen Wahlkampfslogan "Vollende die Wende" seiner Partei war diese Neugier gemünzt. Und der Grüne Jan Sommer musste in der Tat verneinen, dass sein Traktor eine grüne Plakette habe. Gelächter erntete derweil Bertolt Stein (FDP) für eine Antwort "eindeutig Model mit Politikertalent", ob Parteichef Christian Lindner denn eher Model oder Politiker sei. Was haben Sie in Ihrem Leben noch nicht gemacht? "Auf den Mount Everest geklettert", sagte Bernd Schlieter (BVB-Freie Wähler) auf seine Frage.

Für die Hauptrunde gab es vier rote Tafeln mit je zwei Minuten Redezeit, die nach Belieben für als besonders wichtig empfundene Fragen eingesetzt werden konnten. Um den gemeinsamen Landesentwicklungsplan (LEP) ging es der Themengruppe Zivilgesellschaftliches Engagement. Wiese lehnt diesen generell ab, die Vertreterinnen der Regierungsparteien SPD und Linke, Koß und Fortunato, zeigten sich im Kern mit der Oppositionellen Augustin in der Kritik einig, dass der ländliche Raum zu wenig berücksichtigt sei, Mitsprache der Bürger ebenso wie der Abgeordneten bei dem Papier gefehlt habe. Eine Ansicht, die auch Schlieter und Sommer teilen.

"Ich finde es katastrophal, dass die Forschungsstadt Müncheberg kein Gymnasium mehr hat", sagte Kristy Augustin zur Frage der Themengruppe Jugend, die sich um Bildung rankte. Was den Anstoß nach mehr Förderung für freie Schulen betrifft, liege auch ihr das am Herzen. Die Linke lege den Fokus klar auf Verbesserungen im staatlichen Schulsystem, entgegnete Bettina Fortunato. "Wir sind für Bildungsvielfalt", betonte Stein, und Simona Koß, selbst Lehrerin, will nicht verschiedene Schulformen gegenei-nander ausspielen. "Wir müssen vorrangig die staatlichen Schulen wieder herrichten", sagte Wiese. Sehr einig war sich die Runde im Rückhalt für die Jugend-Forderung nach dem kostenlosen Schülerticket.

Einig bei Rufbus-Verbesserung

Ebenfalls nur punktuelle Unterschiede waren beim Schwerpunkt Senioren und Mobilität auszumachen. das Rufbussystem müsse dringend reformiert und weiterentwickelt werden: "Wir brauchen kleine Busse mit besonderen Lösungen", sagte Simona Koß. Abseits der gängigen Linien, wie auch Augustin und Fortunato betonten. Sommer warnt, nicht nur immer auf die Berlin-Achsen zu schauen, will mehr Vernetzung zwischen den Orten der Region: "Mobilität ist ein Thema für alle Generationen."

"Bürgerbeteiligung, bei der der Bürger nichts zu entscheiden hat, halte ich für eine Farce", sagte Stein, als bei der Themengruppe Bildung für Nachhaltige Entwicklung die Sprache auf mehr Mitwirkung kam. "Entscheidungen, die man trifft, transparent machen", hält Forunato für alle politischen Ebenen für nötig.

In der Schlussrunde mit Fragen aus dem Publikum ging es u. a. um den Lehrermangel, den alle gleichermaßen sehen. "Wir haben die Ausbildung jetzt von 500 auf 800 Stellen aufgestockt, 2020 werden es 1000 sein", informierte Koß. Bei einem Bedarf von 1200 jährlich gibt es aber immer noch eine Lücke, so dass es ohne Quereinsteiger nicht geht, wie Augustin betonte.

Gegen ein starres Festhalten an der "schwarzen Null" sprach sich Sommer aus, als es um die Frage der Finanzierbarkeit so vieler potenzieller Versprechen ging. "Wir müssen sehen, was dann konkret in den Haushalt passt", gab sich Koß pragmatisch-realistisch. Wiese hingegen glaubt, bei einem Untersuchungsausschuss zum BER, den die AfD umgehend einrichten will, auf etliche Millionen zu stoßen, die man anderweitig zur Verfügung stellen könne. Sommer würde im Fall seines Einzugs schnellstens den Gesetzentwurf gegen Agrarflächenspekulation ("Landgrabbing") einbringen, den die Grünen schon vorbereitet hätten.

Geht es nach dem Lautstärkemesser des Abschlussapplauses in Buckow, wäre er auch der Sieger aus der Runde mit 100,4 Dezibel, gefolgt von Fortunato mit 96 auf Platz zwei. Die anderen Kandidaten rangierten recht dicht zwischen 78,9 (Schlieter) und Augustin (87,6).

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