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Grünen-Vorsitzender in Frankfurt
Robert Habeck: "Wir schicken die Falschen zurück"

Robert Habeck in der Magistrale: Der grüne Spitzenpolitiker zog am Mittwochabend mehr als 200 Zuhörer an.
Robert Habeck in der Magistrale: Der grüne Spitzenpolitiker zog am Mittwochabend mehr als 200 Zuhörer an. © Foto: René Matschkowiak
Thomas Gutke / 28.08.2019, 21:37 Uhr - Aktualisiert 30.08.2019, 17:54
Frankfurt (Oder) (MOZ) Zwischen dem Bauzaun an der Magistrale und dem Blok O passte am Mittwochabend kaum noch ein Kinderwagen hindurch. Dicht gedrängt verfolgten die Menschen auf Stühlen und an Stehtischen den Auftritt von Robert Habeck, der neben Annalena Baerbock Bundesvorsitzender bei Bündnis 90/Die Grünen ist. Das Duo hat die Partei seit Amtsantritt in den Umfragen regelrecht nach vorn katapultiert. Auch in Brandenburg könnten die Grünen bei der Landtagswahl am Sonntag statt knapp 6 Prozent wie 2014 diesmal bis zu 16 holen – wenngleich der Trend zuletzt wieder leicht nach unten zeigte. Die Erfolgswelle spiegelte sich auch beim grünen Sommerempfang wieder. Den verknüpfte der Kreisverband diesmal mit einer Bürgerversammlung ("Town Hall-Meeting"). Mehr als 200 Besucher kamen bei spätsommerlichen Temperaturen, darunter viele Nicht-Mitglieder und Vertreter anderer Parteien. Auch die AfD mischte sich mit einem Wahlkampfstand unter die Menge.

Mehr lesen: Habeck gegen Sonderwirtschaftszone für die Lausitz

In lockerem Plauderton antworteten Robert Habeck und die Frankfurter Grünen-Direktkandidatin Sahra Damus auf Fragen der Frankfurter. Vom bedingungslosen Grundeinkommen (dem die Grünen aufgeschlossen gegenüberstehen) über mehr Stadtgrün bis hin zur Verkehrswende. Letztere sei eigentlich nur ein "Zurück zu den Ursprüngen", befand der Schleswig-Holsteiner. Die Politik müsse das wieder ertüchtigen, "was die Menschen mal zusammengebracht hat", was heiße: die Schienennetze müssten  ausgebaut werden, und das deutlich schneller als bisher. Zum Umsteuern sehe er auch bei der deutschen Automobilindustrie keine Alternative: weg von Verbrennungsmotoren, hin zur Elektromobilität. Auf die kritische Nachfrage einer Bürgerin nach den Produktionsbedingungen, die bei der Gewinnung von Komponenten für Lithiumbatterien Mensch und Umwelt in anderen Ländern belasten, verwies Habeck auf die "deutsche und europäische Ingenieurskunst", die es sich zur Aufgabe machen müsse, ökologisch abbaubare Batterien herzustellen. Das könne auch eine Chance für Brandenburg sein.

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Standortfaktor Weltoffenheit

"Ich verstehe jeden Kumpel in der Lausitz, der sagt: ich habe Angst vor dem Wandel", sagte Habeck. Die Ängste seien aber auch "geschürt worden durch eine Politik, die sagt, wir geben keine Antwort", kritisierte er in Richtung Rot-Rot. Diese Politik müsse sich ändern. Um mehr Unternehmen im ländlichen Raum anzusiedeln, sei dabei neben politischer Stabilität und Strukturhilfe auch "ein weltoffenes Milieu, eine freundliche Stimmung in den Städten" nötig. Die einfache Rechnung des Grünen-Vorsitzenden: "Eine weltoffene Zivilgesellschaft ist nicht nur gut für demokratische sondern auch für ökonomische Prozesse." Eine Million offene Stellen gebe es in Deutschland, erklärte er. In fast allen Branchen fehle es an Menschen, die anpackten. "Deshalb brauchen wir Zuwanderung", forderte Habeck. Davon habe Deutschland immer profitiert. Notwendig sei daher auch "einen Spurwechsel für jene, die sich hier integrieren wollen. Wir schicken im Moment die Falschen wieder zurück."

Kurz vor seinem Auftritt beim Sommerfest hatte sich Robert Habeck unter anderem den Pablo-Neruda-Block und den dortigen Nachbarschaftstreff zeigen lassen. In den Blöcken balle sich vieles "worüber hier wir politisch diskutieren". Dass die vermeintlichen Probleme dort jedoch, so Habeck, "mit so viel Zuversicht beantwortet werden, hat mich schwer beeindruckt".

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Piefke Saga 30.08.2019 - 20:01:23

K.-U. G., schämen Sie sich nicht dafür, dass Sie es nötig haben, dermaßen ausgelutschte ... was soll das sein ...

ein Witz oder was, aus der Restmülltonne ziehen zu müssen? Ich habe einen besseren für Sie ... "Schon gehört ... auf dem Mond läuft ein Kalb herum und erzählt Witze!" (ne ne, nicht von Mondgesichtigen ...) Zusatz: Any resemblance to a living person is purely coincidental, likewise the resemblance to fish. Obwohl, Mondfische gibt es ja tatsächlich ...

Piefke Saga 30.08.2019 - 19:44:19

Nun, alias Isenhagen ist ja mittlerweile bekannt für seine schrägen und vor allem einseitigen Kommentare.

Er holt immer wieder Ereignisse aus der Vergangenheit, die nur dazu dienen sollen, um jegliche Schuld am Elend der Welt dem Westen und der NATO zuzuschreiben. Seine Freunde, bspw. das russische Militär, haben für ihn grenzenlose Narrenfreiheit. Warum die NATO sich gegen die Selbstzerfleischung des ehemaligen Jugoslawien einsetzte, davon will er nichts wissen. So war er schon immer. Ich kann mich bspw. noch gut an einen Kommentar von ihm erinnern, als er es begrüßte, dass russisches und syrisches Militär Bomben auf die mit Zivilisten besiedelten Stadtteile wie die von Damaskus u.a. regnen ließen, Fassbomben inklusive. Ja, er begrüßte das, für ihn waren die Bomben, die selbst Kinder und alte Menschen zerfetzten, Mittel, um sie dafür zu bestrafen, weil sie sich auf der falschen Seite aufhielten. "Sie haben es so verdient, sie sind alle Terroristen", so seine Aussage. Für ihn waren selbst Neugeborene, Babys Terroristen, die es tot zu bomben galt. Wer das nicht glaubt, der muss nur in den Tiefen des Archivs gucken. Genauer betrachtet war sein damaliger Kommentar ein Fall für den § 80a StGB Aufstacheln zum Verbrechen der Aggression

kay-uwe granz 30.08.2019 - 19:31:29

Immer wieder erfrischend:

Ein Grüner in einem Heißluftballon hat die Orientierung verloren. Er geht tiefer und sichtet eine Frau am Boden. Er sinkt noch weiter ab und ruft: „Entschuldigung, können Sie mir helfen? Ich habe einem Freund versprochen, ihn vor einer Stunde zu treffen; und ich weiß nicht wo ich bin.“ Die Frau am Boden antwortet: „Sie sind in einem Heißluftballon in ungefähr 10 m Höhe über Grund. Sie befinden sich auf dem 47. Grad, 36 Minuten und 16 Sekunden nördlicher Breite und 7. Grad, 39 Minuten und 17 Sekunden östlicher Länge.“ „Sie müssen Ingenieurin sein“ sagt der Grüne. „Bin ich“, antwortet die Frau, „woher wissen Sie das?“ „Nun“, sagt der Grüne, „alles was sie mir sagten ist technisch korrekt, aber ich habe keine Ahnung, was ich mit Ihren Informationen anfangen soll, und Fakt ist, dass ich immer noch nicht weiß, wo ich bin. Offen gesagt, waren Sie keine große Hilfe. Sie haben höchstens meine Reise noch weiter verzögert.“ Die Frau antwortet: „Sie müssen bei den Grünen sein.“ „Ja,“ antwortet der Grüne, „aber woher wissen Sie das?“ „Nun,“ sagt die Frau, „Sie wissen weder wo Sie sind, noch wohin Sie fahren. Sie sind aufgrund einer großen Menge heißer Luft in Ihre jetzige Position gekommen. Sie haben ein Versprechen gemacht, von dem Sie keine Ahnung haben, wie Sie es einhalten können und erwarten von den Leuten unter Ihnen, dass sie Ihre Probleme lösen. Tatsache ist, dass Sie nun in der gleichen Lage sind, wie vor unserem Treffen, aber merkwürdigerweise bin ich jetzt irgendwie schuld!“

Marcus Winter 30.08.2019 - 18:02:39

Erfreuliche Nachrichten von Herrn Janetschek

Das sind ja einmal erfreuliche Nachrichten: Diesmal fällt Herrn Janetschek so wenig Negatives über die Grünen ein, dass er ein 20 Jahre altes Thema aus der Westentasche kramen muss. Den 200 anderen Gästen wird der Abend wohl lange in Erinnerung bleiben, moderne pragmatische Lösungsvorschläge, positive Gedanken für Jung und Alt, jeder konnte hier etwas für sich mitnehmen. Amüsant auch, dass sich der AFD-Direkt-Kandidat W. Möller höchstpersönlich an einer Fangfrage versucht, und sich damit völlig blamiert hat, aber das hat Herr Janetschek wohl in der Hitze des Abends vergessen… Demnächst gibt es dann wohl 30 Jahre alte Kamellen… gerne auch persönlich an mich Herr Janetschek, ich widerlege das dann gleich nebenbei. Herzliche Grüße, Ihr Marcus Winter

Ralf H. Janetschek 29.08.2019 - 09:14:32

Kosovokrieg 1999

Die Partei Bündnis 90/Die Grünen sollte sich zunächst einmal kritisch mit ihrer eigenen Parteiengeschichte und den Leichen im eignen Keller auseinandersetzen. Hier sei insbesondere an die Haltung der Grünen bezüglich des Militäreinsatzes der NATO auf den Balkan im Jahre 1999 erinnert, vor der Bundestagswahl waren sie – als Oppositionspartei – dagegen, nach ihrer Beteiligung an der Bundesregierung haben sie den Militäreinsatz mitgetragen. Dem Kosovokrieg fehlte eine völkerrechtliche Legitimation, und stellte ein Bruch des Völkerrechts dar.

Ralf Cornelius 29.08.2019 - 09:13:48

Herzenssache, oder?

Wie nicht anders zu erwarten, Wahlkampfhilfe für die Grünen. Während die AFD vor einigen Tagen noch mit einem knappen und gehässigen Lokalbeitrag abgespeist wurde, gibts für Grüne reichlich Platz (Seite 1,4 und lokal), keine kritische Hinterfragung und geschönte Zahlen. Dass Grün schon lange nicht mehr bei 16 Prozent liegt, hätte der Autor auf Seite eins seiner Zeitung nachlesen können. Es gibt sie eben wieder, echte Parteijournalisten.

Paul Müller 29.08.2019 - 07:58:09

Nunja, ich glaube schon an ...

... biologisch abbaubare Koboldbatterien :) ...

Norbert Wesenberg 29.08.2019 - 06:39:16

Der Witz ist gut

Habeck verweist auf die "deutsche und europäische Ingenieurskunst" bei der Lösung ökologischer Probleme. Speziell die "deutsche Ingenieurskunst" lässt sich wunderbar am BER und beim Abgasbetrug der Autoindustrie nachweisen. Und was seine Forderung nach mehr Zuwanderung betrifft, so wird ernsthaft niemand etwas dagegen haben; aber bitte geordnet. Wenn Habeck, Baerbock und Damus der Meinung sind wir schicken die Falschen zurück, dann sollen sie mal Frankfurtern erklären warum Straftäter nicht verurteilt, oder auf freien Fuß gesetzt werden. Nach grüner Denkweise handelt es sich offenbar um "die Falschen" die unsere Gesellschaft bereichern.

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