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Landtagswahl
CDU-Hammer: Friedländer Andreas Gliese gibt Parteibuch ab

Andreas Gliese aus Groß Briesen, MdL und Direktkandidat WK 29
Andreas Gliese aus Groß Briesen, MdL und Direktkandidat WK 29 © Foto: privat
Janet Neiser / 02.09.2019, 17:02 Uhr - Aktualisiert 02.09.2019, 17:29
Eisenhüttenstadt (MOZ) Die CDU in Brandenburg hat seit Montag ein Mitglied weniger. Andreas Gliese aus Friedland, der in den vergangenen fünf Jahren für die Christdemokraten im Landtag gesessen hat, erklärte eine Nacht nach der Wahl seinen Parteiaustritt.

"Das Parteibuch habe ich am Vormittag abgegeben. Für mich ist das Kapitel abgeschlossen", sagte er und sprach von einem "politischen Sumpf". Stadtverordneter und Kreistagsabgeordneter in Oder-Spree wolle er aber vorerst bleiben – ob als Parteiloser in der CDU-Fraktion, müsse sich zeigen, das entscheide die Fraktion. Gliese bezeichnet die Landtagswahl als "politisches Erdbeben" und begründet seinen Parteiaustritt wie folgt: "Für mich wäre es selbstverständlich gewesen, dass Herr Senftleben die persönliche Verantwortung nach dem desaströsen Abschneiden der CDU noch am Wahlsonntag übernimmt und seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Er hat sich in offenbarer Selbstüberschätzung schon als Ministerpräsident gesehen." Für ihn grenze das an Größenwahn und es widerspreche seinem persönlichen Anspruch an preußische Bescheidenheit. Zudem zeigt er sich verbittert darüber, dass er ganz hinten auf der CDU-Landesliste gelandet ist. Gliese hatte im Wahlkreis 29 rund 23 Prozent der Erststimmen geholt. Das Direktmandat ging an die AfD. Während er mit 23 Prozent außen vor bleibe, würden andere mit weniger Prozent aufgrund der Listenplatzierung in den Landtag kommen.

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Felix Sondermann 04.09.2019 - 12:03:35

Desillusionierte Idealisten in der Politik

Herr Gliese hat in seinem Wahlkreis recht gute Arbeit für die Bürger geleistet. Das kann er in SVV und Kreistag weiter machen, allerdings ehrenamtlich. Theoretisch denkbar wäre es auch, die Wahl noch gegenüber dem Kreiswahlleiter anzufechten. Denn ob bei den gewählten Vertretern alles mit richtigen und nicht nur mit rechten Dingen zugegangen ist, kann derzeit keine wissen. Sind die denn alle richtig aufgestellt ? Oder ist da doch Schiebung dabei ? /// Der Rat von Francois Mitterand war : "Nie etwas zugeben. Nie zurücktreten." Hat sich Herr Senftleben dran gehalten, der das Desaster ja überhaupt nicht zu verantworten hat und nie zurücktreten wird. /// Die AfD hat Senftleben auch noch ein Riesengeschenk gemacht. In dessen Direktwahlkreis hat sie k e i n e n Direktkandidaten angemeldet und so Senftlebens Direktwahl überhaupt erst möglich gemacht. Auf solche Geschenke haben die anderen CDU-Kandidaten vergeblich gewartet. /// Der Landesvorsitzende der AfD hat nichts dageben getan, das Senftleben ohne Direktkandidaten von der AfD bleibt. Wollte er durch diesen "Verrat" an den eigenen Leuten die CDU zur Koalition mit der AfD bewegen ???

Werner Matzat 03.09.2019 - 17:02:36

Herr Gliese, nur politischer Sumpf? - Soziale und politische Ungleichheit in Deutschland trägt die Handschrift der CDU - Sind sie endlich aufgewacht?

Seit vielen Jahrzehnten ist das Problem wachsender Ungleichheit das Kardinalproblem unserer Gesellschaft, wenn nicht der gesamten Menschheit. Während daraus im globalen Maßstab ökonomische Krisen, Kriege und Bürgerkriege resultieren, die wiederum größere Migrationsbewegungen nach sich ziehen, sind in Deutschland der soziale Zusammenhalt und die repräsentative Demokratie bedroht. Daher wird nicht bloß thematisiert, wie soziale Ungleichheit entsteht und warum sie zugenommen hat, sondern auch, weshalb die politisch Verantwortlichen darauf kaum reagieren und was getan werden muss, um sie einzudämmen. Diese Probleme sind erst durch alle Regierungsparteien, (Volksparteien) zum Nachteil ihres gesamten Volkes, in dieser Bundesrepublik entstanden. Wie steht es eigentlich um die politische Gleichheit in dieser Gesellschaft, in denen Einkommen immer weiter auseinanderdriften und die Armen sich kaum noch politisch beteiligen? Wessen Stimme findet hier eigentlich Gehör? In der Folge wird nicht nur das Gleichheitsversprechen der Demokratie verletzt, sondern es wurden auch vermehrt Entscheidungen getroffen, die die ökonomische Ungleichheit tendenziell verschärften. Und das nicht erst in den letzten 30 Jahren. Dreißig Jahre nach dem Systemumbruch in der DDR und nach der "Wiedervereinigung" weisen die politischen Einstellungen speziell die Beweggründe und Formen politischer Partizipation - in Ost - und Westdeutschland neben wenigen Gemeinsamkeiten immer noch übergroße, gravierende, Unterschiede auf. Die Teilnahme an Wahlen, wie jetzt wieder einmal ganz krass aufgezeigt, wird im Osten stärker als im Westen zunehmend vom Willen geleitet, Protest kundzutun. Überdies ist in strukturschwachen Regionen politische Unzufriedenheit weiter verbreitet als in stabilen Lebensumfeldern. Diese neue Neigung, diese "Demokratie" zur Protestarena umzudeuten, die unser parlamentarisches System in einer ganz neuen Größenordnung, in Ost und West, herausfordert wird bis heute, von den etablierten Parteien, nicht gelöst. Denn, die AfD ist doch nicht über Nacht vom Himmel gefallen. Oder etwa doch? Die Frage muss in diesem Zusammenhang erlaubt sein. Was tat eigentlich ihre CDU dagegen? Der haushohe Stimmenzuwachs, der "Alternative für Deutschland" verunsichert nicht erst jetzt die etablierten Parteien. Sehr geehrter Herr Gliese, sie beklagen den politischer Sumpf in Deutschland? - Wirtschaftliche, soziale und politische Ungleichheit in Deutschland, ist regierte CDU Politik. Ihren Dank, für diese katastrophalen Lebensumstände für sehr viele Bürger dieser Bundesrepublik im allgemeinen, und im besonderen im Osten Deutschlands, richten sie bitte an Ihre derzeitige regierende CDU Bundeskanzlerin, Frau Dr. Merkel, da sie nicht nur im "Wir schaffen das" lebt, nein, sie lebt ganz aktuell im "Wir schaffen mehr"! Denn ein Staatsrechtler bemerkte, in einem Fernsehinterview, schon vor vielen, vielen, Jahren treffend: "Wir leben in einem Land wo es, von A bis Z, nicht mit rechten Dingen zugeht" Dieser Ausspruch ist leider die reine Wahrheit und aktueller denn je. Ihre Rückgabe des CDU Parteibuchs, nach der brandenburgischen Landtagswahl, wird mit absoluter Sicherheit daran auch nichts ändern. Schon mal darüber nachgedacht?

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