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In den Ämtern Neuzelle, Brieskow-Finkenheerd und Schlaubetal gibt es feine Unterschiede.

Wahlanalyse
Kleine, aber feine Unterschiede: Steinsdorf ist ziemlich blau

Janet Neiser, Dietmar Puttins / 02.09.2019, 18:31 Uhr
Eisenhüttenstadt Ruhig ist es am Tag danach geblieben. Entweder sind die, die sich mehr von der Landtagswahl versprochen haben, noch im Schockzustand oder aber sie sind intensiv mit der Analyse beschäftigt. So wie der Landkreis politisch gespalten ist, so sollte man auch den Wahlkreis 29 genauer unter die Lupe nehmen. Denn die Ergebnisse in den drei Ämtern um Eisenhüttenstadt variieren.

Die Wahlbeteiligung in Neuzelle, Brieskow-Finkenheerd und Schlaubetal war nach dem vorläufigen Endergebnis, das der Landeswahlleiter publiziert hat, um einiges höher als in Eisenhüttenstadt. Während dort gerade einmal 51,5 Prozent der Wahlberechtigten am demokratischen Willensbildungsprozess teilgenommen haben, waren es drumherum mehr als 63.Prozent. Mehr als im Landesdurchschnitt.

Was die Zweitstimme angeht, so sind es tatsächlich auch in diesen drei Ämtern die AfD und die SPD, die vorn liegen. Nur dass die Alternative für Deutschland eben klar an den Sozialdemokraten vorbeigezogen ist: Während landesweit 23,5 Prozent zu Buche stehen, sind es in Neuzelle 30,1 Prozent, in Brieskow-Finkenheerd 34,9 Prozent und im Schlaubetal 28,8 Prozent. Weit abgeschlagen überall die CDU, die aber zumindest Werte über dem Landesdurchschnitt erreicht. Und die Linken? Desaströs. In zwei Ämtern landen sie im einstelligen Bereich.

Gliese in einem Amt vorn

Schaut man sich die Ämter einzeln an, fällt auf, dass die Werte für die AfD vor allem in den südlichen Landstrichen enorm hoch sind. In Steinsdorf beispielsweise haben von 168 Wählern 45,5.Prozent die selbst ernannte Alternative für Deutschland gewählt. Das ist für diese Partei der zweitbeste Wert im gesamten Wahlkreis, in dem es 84 Wahlbezirke gab. Lediglich im Gemeindezentrum in Friedland wählten noch mehr AfD (47,2.Prozent). Auf Platz drei folgt sodann Göhlen (42,4.Prozent). Dort holte Kathleen Muxel dementsprechend auch mehr als 40 Prozent der Erststimmen. Erstaunlich hingegen ist ein Blick nach Ossendorf. In dem Ort, aus dem zwei AfD-Gemeindevertreter kommen, landet die Alternative gerade einmal auf Platz drei, hinter der SPD (29,4.Prozent) und der CDU (26,5.Prozent). Wäre es nach den Ossendorfern gegangen, hätte Christiane Barcikowski (SPD) mit 32,3.Prozent gewonnen, und zwar vor Andreas Gliese (CDU) 29,4.Prozent. Aus der Neuzeller Gemeindevertretung ist zu hören, dass die AfD-Leute aus Ossendorf im eigenen Ort nicht wirklich beliebt seien, deshalb hätten sie es auch nicht in den dortigen Ortsbeirat geschafft.

Christiane Barcikowski aus Neuzelle ist auch am Tag danach noch immer sprachlos. "Das alles trifft mich schon hart", gibt sie zu und meint damit vor allem den Sieg von Kathleen Muxel, den sie so gar nicht gutheißen kann für die Region.

"Der Nichtgewinn des Direktmandats schmerzt", räumt auch Jörg Skibba ein, seit 1995 Geschäftsführer des Ortsvereins Amt Brieskow-Finkenheerd und SPD-Fraktionsvorsitzender in der Gemeindevertretung Brieskow-Finkenheerd. Der nur elf Mitglieder starke SPD-Ortsverein im Amt erreichte mit 21,5 Prozent immerhin noch Rang 2 nach der AFD, lag aber mit nur 16,5 der Erststimmen für seine Direktkandidatin Christiane Barcikowski weit abgeschlagen hinter der CDU (Platz 2) und der AfD (Platz 1) auf Rang 3. Quasi jeder dritte Wähler hatte im Amtsbereich die AfD gewählt. Auf die Frage, was das überlegene Wahlergebnis der AfD in ihm ausgelöst hat, erwidert Skibba: "Ich empfinde Wut." Das Ergebnis sei für ihn noch schwer zu interpretieren: "Da feiern die Menschen am Sonnabend in Aurith und Urad ein Sommerfest zur deutsch-polnischen Verständigung und wählen am nächsten Tag eine Partei, die die Grenze zu Polen schließen will." Seine Enttäuschung findet ihre Entsprechung in Wahltabellen. In allen Gemeinden des Amtes dominiert die AfD. So erreicht deren Direktkandidatin überall mehr als 30 Prozent. Bei den Zweitstimmen positioniert sich Ziltendorf vor allen Nachbargemeinden: AfD – 37,9.Prozent.

Im Schlaubetal gibt es zumindest bei den Erststimmen eine kleine Sensation: Nach Angaben des Landeswahlleiters hätte Andreas Gliese im gesamten Amtsbereich mit 27,1 Prozent das Direktmandat geholt. Dort ließ er die AfD-Konkurrenz hinter sich. Und noch etwas ist im Schlaubetal anders: Dort hat die Linke ein zweistelliges Ergebnis, wenn auch nur haarscharf mit 10 Prozent. Die Grünen sind mit 6 Prozent stärker als in den anderen Ämtern.

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