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Lars Günther aus Bad Freienwalde ist der Direktkandidat im Wahlkreis 33 für den Landtag. Marco Büchel (Linke) verliert dagegen sein Mandat.

Urnengang
AfD-Vertreter jetzt im Landtag

Direktkandidat: Lars Günther (51, AfD) zieht jetzt in den Landtag ein. Er bekam 7000 Stimmen in den Wahllokalen. Die Briefwahl wurde zentral in Seelow ausgezählt.
Direktkandidat: Lars Günther (51, AfD) zieht jetzt in den Landtag ein. Er bekam 7000 Stimmen in den Wahllokalen. Die Briefwahl wurde zentral in Seelow ausgezählt. © Foto: Heike Jänicke
Steffen Göttmann / 02.09.2019, 19:52 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Ich bin positiv überrascht und wirklich voller Demut für den Vertrauensvorsprung, den ich zu schätzen weiß", sagte Lars Günther am Montag. Er vereinte in fast allen Städten und Gemeinden im Altkreis Bad Freienwalde die meisten Stimmen auf sich. In Beiersdorf-Freudenberg bekam er eine Stimme weniger als Ravindra Gujjula von der SPD. In Reichenow-Möglin bekam Gujjula die meisten Stimmen und in Bad Freienwalde hat Marco Büchel (Linke) die Nase vorn, was aber insgesamt nicht ausreicht. Er wird nicht mehr in den Landtag einziehen.

Bis 2017 war Lars Günther in der politischen Szene ein Unbekannter. Dann kandidierte der Hüne für den Stuhl des Bürgermeisters in Bad Freienwalde. Nach den Kommunalwahlen im Mai zog Günther in die Stadtverordnetenversammlung ein, wo er als Vorsitzender der dreiköpfigen Fraktion wirkt. Er sehe diesen Erfolg als Zwischenschritt, es gelte, weiter zu arbeiten, um noch mehr Vertrauen zu erwerben. "Ich bin froh, dass sich die Wähler von der bundesweit geballten Medienlandschaft gegen die AfD nicht haben verunsichern lassen", sagte Günther. Den Sonntagabend habe er auf der Bismarckhöhe in Werder verbracht, wo die AfD ihren Wahlsieg feierte.

"Das ist ein bitteres Ergebnis, ich bin enttäuscht, auch wenn ich gegenüber der Wahl vor fünf Jahren zugelegt habe", sagte Marco Büchel (Linke). Da die Linke nur noch mit zehn Volksvertretern in den Landtag einzieht, ist es unwahrscheinlich, dass Büchel mit Platz 16 über die Liste nachrückt. "Ich werde mich aber weder verstecken noch abducken, sondern in der Kommunalpolitik weiter arbeiten", fügte der Bad Freienwalder hinzu. Wo seine berufliche Zukunft liegt, werde sich in den nächsten Tagen abzeichnen.

Eigenes Ergebnis verdoppelt

"Es tut weh, denn wir haben einen leidenschaftlichen Wahlkampf gemacht", kommentierte SPD-Kandidat Ravindra Gujjula das Ergebnis. In den Prognosen vor einer Woche seien die Unterschiede noch größer gewesen. Schließlich habe er nur 214 Stimmen weniger als sein Kontrahent von der AfD. Er sei quer durch den Wahlkreis gefahren und habe viele Kontakte geknüpft, sagte Gujjula. "Den Kandidaten von der AfD hat man nicht gesehen", so Gujjula. Warum er trotzdem so hoch gewonnen habe, darüber müsse er sich in den kommenden Tagen eine Meinung bilden. Die Politik müsse mehr mit den Menschen im Oderbruch reden, von ihnen hätten viele die AfD gewählt. Er habe viele Kontakte geknüpft, die er weiter pflegen werde, versprach Gujjula.

"Wir sind mit voller Fraktionsstärke im Landtag und ich habe mein Ergebnis verdoppelt", erklärte der Falkenberger Knut Koall (BVB/Freie Wähler). Er habe nicht damit gerechnet, in den Landtag zu kommen, wollte aber so viel wie möglich Stimmen für seine Wählergruppe einholen. "Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis", sagte Tatjana Rosenthal (Bündnis 90/Die Grüne) aus Bliesdorf. Immerhin hätte die Grünen ihr Ergebnis leicht steigern können. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, könnten sich die Grünen auch in dieser Region etablieren. "Politik hat ein Glaubwürdigkeitsproblem", lautet das Fazit von Laura Lazarus (CDU). Das Ergebnis sei aufgrund der Prognosen nicht unerwartet gekommen. "Die anderen habe ein attraktiveres Angebot als wir, daran müssen wir arbeiten", so Klaus Glaetzner (FDP). Er finde aber gut, dass dank der Demokratie bei der Wahl jeder seine Meinung vertreten könne.

Kommentar: Die Erkenntnis kommt zu spät

Die Landtagswahl hat das bisherige Kräfteverhältnis im Osten des Landkreises Märkisch-Oderland gründlich auf den Kopf gestellt. AfD-Kandidat Lars Günther holt auf Anhieb das Direktmandat. Und die Partei hat außer in Reichenow-Möglin und in Prötzel in allen Städten und Gemeinden die meisten Zweitstimmen eingefahren. Dies trifft auch auf Bad Freienwalde zu, obwohl Marco Büchel, der Kandidat der Linken, in der Kurstadt die meisten Erststimmen bekam. Das ist mehr als nur ein Denkzettel, den die Wähler SPD, CDU, Linken und Co. verpasst haben. Sie haben mit den etablierten Parteien abgerechnet. Die Erkenntnis der CDU-Kandidatin Laura Lazarus nach der Wahl, wonach Politik ein "Glaubwürdigkeitsproblem" habe, ist richtig, aber sie kommt zu spät. Die neue Landesregierung sollte sich nicht allzu lange mit sich selbst beschäftigen, sondern die Politik machen, die der Wähler versteht und die er nachvollziehen kann. Einfach weiter zu machen wie bisher, wäre unverantwortlich. Dem Image des Oderbruchs, der Kurstadt und der Höhe schadet der Rechtsruck bereits jetzt.⇥Steffen Göttmann

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kay-uwe granz 03.09.2019 - 19:15:39

Mancher scheidende Politiker hinterlässt eine Lücke, die ihn voll ersetzt. Henri Tisot

Ich werde Herrn Büchel "vermissen", er war einer meiner Beweggründe, dieser Stadt den Rücken zu kehren.

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