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Landtagswahl
Speckgürtel bevorzugt SPD

Schöneicher Plakatkunst: Wie nach den Kommunalwahlen im Mai sind große Wahlplakate in der Waldgartenkulturgemeinde für Graffiti freigegeben, bis sie abmontiert werden. Die Initiative geht vom Jugenbeirat aus.
Schöneicher Plakatkunst: Wie nach den Kommunalwahlen im Mai sind große Wahlplakate in der Waldgartenkulturgemeinde für Graffiti freigegeben, bis sie abmontiert werden. Die Initiative geht vom Jugenbeirat aus. © Foto: Annette Herold/MOZ
Joachim Eggers, Annette Herold, Manja Wilde / 03.09.2019, 07:00 Uhr
Erkner (MOZ) Für Philip Zeschmann waren der Wahlabend und die darauffolgende Nacht besonders spannend. Denn für den Schöneicher hing vom Abschneiden der Brandenburger Vereinigten Bürgerbewegungen/Freie Wähler ab, ob er in den Landtag kommt.

Zeschmann zieht mit Listenplatz fünf als fünftes Mitglied der neuen Fraktion, der fünf Abgeordnete angehören werden, ins Potsdamer Stadtschloss ein. Nicht ohne Stolz verwies der Schöneicher darauf, dass er im Vergleich zur Landtagswahl 2014 sein persönliches Erststimmen-Ergebnis mehr als verdoppelt hat.

Das Direktmandat im Wahlkreis 31 verteidigte Jörg Vogelsänger von der SPD – und sorgte damit für eins der eher seltenen roten Einsprengsel auf der sonst AfD-blau gefärbten Karte der Direktmandate im Osten Brandenburgs. Dieser Ost-West-Splitt wiederholt sich im Altkreis Fürstenwalde: In den Randberliner Gemeinden Erkner, Woltersdorf, Schöneiche und Grünheide hatten die Direktkandidaten Vogelsänger und Marco Genschmar die Nase vorn, in Fürstenwalde und weiter östlich meist die AfD-Vertreter. In seinem Heimatort Erkner holte Vogelsänger 26,5 Prozent der Erststimmen, in Woltersdorf 23,1 und in Schöneiche 21,4. Dort war Zeschmann mit 18,5 Prozent besonders stark und zweiter hinter Vogelsänger.

Diesen Rang nahm in Erkner mit 21,0 und Woltersdorf mit 19,7 Prozent Ute Bienia-Habrich von der AfD ein, die am Montag nicht erreichbar war. In Erkner hatte die Woltersdorfer Unternehmerin damit sechs Stimmen mehr als die genau 1200 Kreuze, die Franziska Schneider von der Linken auf sich vereinen konnte. Die zeigte sich am Montag enttäuscht vom Resultat ihrer Partei und sprach von einem traurigen Gesamtergebnis der Wahlen. Franziska Schneider holte in Erkner 20,9 Prozent der Erststimmen, in Schöneiche 15,7 und in Woltersdorf 16,1 Prozent.

Auch wenn ihr der Einzug in den Landtag nicht gelang (auf der Landesliste steht die Kandidatin auf Platz 13, die Linken-Fraktion des neuen Landtages wird aber nur zehn Mitglieder haben), wolle sie weiter politisch arbeiten, kündigte Franziska Schneider an und verwies auf ihre Mitarbeit in der Erkneraner Stadtverordnetenversammlung. Sie sei nach wie vor voller Elan und Veränderungswillen. Ändern müsse sich offensichtlich etwas. "Der SPD wird offenbar mehr soziale Kompetenz zugetraut als uns", sagte sie über das Abschneiden der Linken. "Das sollte uns zu denken geben."

Zufrieden mit ihrem Ergebnis war dagegen Erdmute Scheufele von den Grünen, die keinen Platz auf der Landesliste hatte. Sie verwies darauf, dass ihr Erststimmen-Anteil um einige Prozentpunkte höher ausgefallen sei als der ihrer Parteifreunde in anderen Wahlkreisen. Für ihren eigenen Wahlkreis hätte sich einen Wechsel gewünscht, sagte sie.

In Grünheide verteidigte der dort berufstätige Revierpolizist Marco Genschmar aus Rauen den ersten Rang für die SPD mit 25,6 Prozent den ersten Rang vor Rolf-Peter Hooge von der AfD, der in dem von der Stadt Fürstenwalde geprägten Wahlkreis 30 das Direktmandat holte.

CDU in Bad Saarow vorn

In einer Gemeinde am Berliner Rand, in Gosen-Neu Zittau, hatte der AfD-Vertreter, der Landesvorsitzende Andreas Kalbitz, mit 28,8 Prozent der Erststimmen einen klaren Vorsprung vor SPD-Mann Ludwig Scheetz (24,6). Im sonstigen Amt Spreenhagen war das Bild ähnlich, in Bad Saarow hatte der dort heimische CDU-Kandidat Christian Schroeder mit 23,1 Prozent der Stimmen die Nase vorn. In den weiter östlich liegenden Regionen lag die AfD durchweg vorn.

Für die Neulinge im Landtag, wie Zeschmann, heißt es jetzt, ein Bürgerbüro einzurichten und andere Vorbereitungen in die Wege zu leiten. Zeschmann will nach eigener Aussage auch seine ehrenamtlichen Mandate in der Schöneicher Gemeindevertretung und im Beeskower Kreistag wahrnehmen. Er kündigte außerdem an, mit allen Bürgermeistern im Wahlkreis einen Termin zu machen und versuchen, die Region besser in Potsdam zu vertreten.

Ergebnisse

Für die Region im Landtag: Außer den Direktkandidaten - Rolf-Peter Hooge und Kathleen Muxel (beide AfD), Jörg Vogelsänger, Elske Hildebrandt (in Strausberg) und Ludwig Scheetz (alle SPD) – ziehen Philip Zeschmann (BVB/Freie Wähler), André Schaller (CDU) und Isabell Hiekel (Grüne) über die Landesliste in den Landtag.

Die Erststimmen-Ergebnisse der Wahlkreise in Prozent:WK 27 (mit Amt Scharmützelsee, Amt Spreenhagen): Ludwig Scheetz (SPD): 27,3; Christian Schroeder (CDU): 13,7; Astrid Böger (Linke) 12,3; Andreas Kalbitz (AfD) 22,9; Anja Grabs (Grüne) 8,3; Heiko Eisen (BVB/FW) 6,6; Jasmin Stüwe (FDP) 2,9; Katharina Ennullat (Einzelbewerberin) 6,0WK 30 (Fürstenwalde, Grünheide): Marco Genschmar (SPD) 23,5; Karin Lehmann (CDU) 14,1; Stephan Wende (Linke) 13,9; Rolf-Peter Hooge (AfD) 25,9; Isabell Hiekel (Grüne) 8,3; Kai Hamacher (BVB/FW) 10,3; Thomas Kirsch (FDP) 4,1WK 31 (Erkner bis Hoppegarten): Jörg Vogelsänger (SPD) 22,5; Jan-Peter Bündig (CDU) 14,2; Franziska Schneider (Linke) 17,2; Ute Bienia-Habrich (AfD) 18,8; Erdmute Scheufele (Grüne) 12,3; Philip Zeschmann (BVB/FW) 11,8; Claudia Schubert (FDP) 3,2 ⇥red

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