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100 Jahre Frauenwahlrecht – Was bleibt zu tun? Über diese Frage wurde bei der 13. Auflage der Veranstaltung in Bad Freienwalde diskutiert.

Walther-Rathenau-Tag
Leben ohne Rollenerwartung

Im Teehäuschen: Moderator Martin Hoeck, Claudia Schubert, Janett Ohm und Wolther von Kieseritzky (v. l.) diskutieren über "100 Jahre Frauenwahlrecht – Was bleibt zu tun?".
Im Teehäuschen: Moderator Martin Hoeck, Claudia Schubert, Janett Ohm und Wolther von Kieseritzky (v. l.) diskutieren über "100 Jahre Frauenwahlrecht – Was bleibt zu tun?". © Foto: Wolfgang Rakitin
Anett Zimmermann / 04.11.2019, 07:30 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Brauchen wir Gleichstellungsbeauftragte? Janett Ohm, als solche für den Landkreis Märkisch-Oderland tätig, antwortet darauf mit einem klaren Ja. Zweifel im Publikum an ihren Einflussmöglichkeiten kann sie beim Walther-Rathenau-Tag am Sonnabendvormittag im Teehäuschen des Schlosses Freienwalde allerdings nicht ausräumen. Auch wenn Friedemann Hanke (CDU), Erster Beigeordneter und Fachbereichsleiter Soziales des Landkreises, sie zwischendurch unterstützt und auf die Sonderposition des öffentlichen Dienstes verweist. Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit werde dort ebenso umgesetzt wie andere Dinge. "Wir können uns Vorbehalte nicht leisten", erklärte er und fügte hinzu, dass die Praxis oft schon weiter sei. Er nannte Teilzeit-Angebote als Beispiel und erinnerte damit an das für Mütter wie Väter wichtige Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Nur wenige Frauen kandidieren

Eine Lebensführung ohne Rollenerwartung müsse heute das Ziel sein, erklärte Janett Ohm. Es dürfe nicht sein, dass Arbeitgeber bei einer Frau mit zwei kleinen Kindern davon ausgehen, dass diese häufiger ausfalle als ein Mann in derselben Situation. Auffallend sei auch, dass Männer wie Frauen zwar gleichermaßen zur Wahl gehen, aber nur wenige Frauen kandidieren. Hier gelte es, bessere Bedingungen zu schaffen. So sei etwa der Sitzungsbeginn 17 Uhr für Familien ungünstig.

"Wo sind die Frauen, die sich engagieren wollen?", fragte Claudia Schubert aus dem FDP-Landesvorstand und bezog das auf Beruf wie Politik. Sie forderte zudem strukturelle Veränderungen sowohl auf der Frauen- als auch der Männerseite. Während sie das Parité-Gesetz in Brandenburg und auch dauerhafte Frauenquoten generell kritisch sieht, hatte Janett Ohm auf die Ergebnisse der Landtagswahl im September geschaut. Demnach hätte mit Parité-Gesetz der Anteil der Frauen von 31,8 auf 39 Prozent steigen können. Es soll allerdings erst 2020 in Kraft treten.

Claudia Schubert sprach sich für eine sinnvolle gleiche Teilhabe aus. So werde zum Beispiel oft über fehlende Frauen in Aufsichtsräten diskutiert, dabei gebe es längst ausreichend qualifizierte Frauen und auch eine Liste mit mehr als 100 Namen, die sie gern weiterreiche. Frauen müssten aber auch sagen: "Ich möchte das machen!"

Historiker Wolther von Kieseritzky, der zuvor über das Frauenwahlrecht, liberale Politik und Gleichberechtigung gesprochen hatte, forderte, zeitgemäße Beteiligungsformen zu entwickeln. Rollenbilder und Mentalitäten würden sich nicht per Dekret ändern lassen. "Sie ändern sich aber trotzdem." Es gebe einen stetigen Veränderungsprozess mit vielen kleinen Schritten. So gesehen sei ein langer Atem, Standhaftigkeit und Stetigkeit wichtig.

Wert bewusst machen

Claudia Schubert mahnte bei der gemeinsamen Veranstaltung von Friedrich-Naumann-Stiftung, Karl-Hamann-Stiftung und Walther-Rathenau-Gesellschaft nicht zu vergessen, welche Möglichkeiten des Mitgestaltens Frauen in Deutschland und Europa haben. Bei beruflichen Aufenthalten im Ausland, darunter in Arabien und China, erhalte sie von Menschen mit freiheitlichen Gedanken und Frauen oft Rückmeldungen wie "Macht etwas daraus, setzt die Dinge um, geht aktiv los, formt die Gesellschaft weiter." Es sei auch Aufgabe der Politik, solche Dinge sichtbar und diesen Wert bewusst zu machen.

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