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Bauplanung der B 198 bei Ziethen verärgert Wirtschaft und Autofahrer

Gesperrtes Nadelöhr

Zu Spitzenzeiten ziehen die Brummis auf der B 198 bei Ziethen lange Pkw-Schlangen hinter sich her. Überholen ist wegen des Gegenverkehrs kaum möglich.
Zu Spitzenzeiten ziehen die Brummis auf der B 198 bei Ziethen lange Pkw-Schlangen hinter sich her. Überholen ist wegen des Gegenverkehrs kaum möglich. © Foto: MOZ/Oliver Schwers
Oliver Schwers / 14.07.2017, 08:00 Uhr
Ziethen (MOZ) Rund 15 Monate Vollsperrung auf der Haupttrasse in die Ostuckermark - das können Autofahrer nicht verstehen. Der Druck auf den Landesbetrieb und das Bauministerium wächst. Die Wirtschaft befürchtet hohe Kosten. Autofahrer schimpfen. Die B 198 wird zum Streitobjekt.

Normalerweise freuen sich alle Seiten, wenn ein lang erwartetes Bauprojekt endlich startet. Doch beim geplanten Ausbau der B 198 zwischen dem Ziethener Kreuz und der Ortschaft Klein und Groß Ziethen herrscht größte Skepsis in der Region. Und das nicht nur wegen des Rotstifts, der den kompletten ersten Bauabschnitt zwischen dem Autobahnanschluss Joachimsthal und Groß Ziethen hinwegfegte. Vor allem die angekündigte Vollsperrung der wichtigsten Einfahrtstraße in die gesamte Ostuckermark für sage und schreibe 15 Monate aus Arbeitsschutzgründen erzürnt Unternehmer und Autofahrer.

Nach dem kürzlichen ersten Spatenstisch mit Brandenburgs Bauministerin Schneider haben viele MOZ-Leser verärgert reagiert. "Ich sehe keinen Vorteil mehr bei der gegenwärtigen Ausbauvariante", schreibt Christiane Benick aus Schwedt. "Das Geld wird in den märkischen Sand gesetzt." Für Lkw sei der Vorteil vernachlässigbar, meint Unternehmer Andreas Hungeling aus Schwedt. Und für Pkw auch. Den nun übrig gebliebenen Ausbau betrachtet er aus ökonomischer und ökologischer Sicht als "unsinnig".

Wirtschaft und Politik in der Region sind ebenso enttäuscht, hatten sie doch mindestens zehn Jahre lang um einen kompletten dreistreifigen Ausbau (also mit wechselnden Überholspuren) zwischen Angermünde und der Autobahnauffahrt gerechnet. Doch auch der Spatz in der Hand sei besser als die Taube auf dem Dach, so der Schwedter Bürgermeister Jürgen Polzehl.

"Es geht nicht um weniger Zeit, sondern um die Sicherheit", verteidigt Jürgen Klitzing von der Eberswalder IHK den Kompromiss. "Hier wird für die Autofahrer eine bessere Möglichkeit geschaffen, die vielen Gefahrguttransporte zu überholen. Das darf man nicht vergessen." Ihn stört die 15-monatige Sperrzeit, die ab September wirken soll.

"Nach jetzigem Planungsstand heißt das für einige Verkehrsteilnehmer, dass sich ihr Anfahrtsweg um eine halbe Stunde verlängert. Die Vollsperrung bedeutet für viele Unternehmen in Schwedt und in der Uckermark höheren Aufwand und Kosten", so Wulf Spitzley, Sprecher der Geschäftsführung der PCK-Raffinerie. Dennoch verteidigt er den Bau. "Für den Industriestandort Schwedt ist eine schnelle Anbindung an die Autobahn von existenzieller Bedeutung. Immer wieder müssen wir beobachten, dass Investoren wegen der nicht optimalen Verkehrsanbindungen nach Schwedt vor Firmengründungen abgeschreckt werden. Die PCK setzt sich deshalb seit vielen Jahren für den Ausbau der B198 zwischen Joachimsthal und Angermünde ein. Die Überholspuren auf der B 198 werden den Weg von und zur Autobahn schneller und vor allem sicherer machen. Ich erwarte allerdings, dass die aktuellen Pläne überarbeitet werden und die Zeit der Vollsperrung deutlich gekürzt wird."

Genauso sieht das auch Ronald Garkisch, Chef der Angermünder Euba-Logistik. "Normalerweise müsste die ganze Strecke durchgängig vierspurig sein, um die Gefahren zu beseitigen." Dennoch sei er froh, dass überhaupt gebaut wird nach so langer Planung. "Aber die Umleitung verursacht enorme wirtschaftliche Verluste." Pro Fahrt zwischen 15 Minuten und einer Stunde. Außerdem müssen die Lastwagen dann gleich zweimal über stark befahrene Bahnübergänge, bevor sie auf die Autobahn kommen. "Das gibt Stau."

Echt sauer ist Dietrich Klein, Chef der Schwedter Stadtsparkasse. Er empfiehlt einen Besuch in anderen Landkreisen (Teltow-Fläming), wo sich zum Beispiel der Kreis am Bau einer zusätzlichen Spur beteilige. Seiner Meinung nach sei die Uckermark-Posse dagegen nicht zu überbieten. "So wie jetzt gebaut wird, hat das niemand gefordert." Die Planung sei ins Absurde gewendet worden. Und so dürfe auch nicht der noch ausstehende erste Bauabschnitt gebaut werden. Die Schwedter Verkehrsanbindung würde bis zum Pinnower Kreisel stark anfangen, dann aber ebenso stark nachlassen. Was fehlt, ist der Abschnitt dazwischen.

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