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Wirtschaftsaufschwung in den Kreisen Uckermark und Barnim schlägt sich in wachsender Beschäftigtenzahl nieder

Straßenbau
Von Baustellen eingekreist

Sperrung angekündigt: Auf der Straße von Schwedt Richtung Angermünde steht vor dem Abzweig Meyenburg der Hinweis auf die Vollsperrung ab 8. Oktober. Die alte B 2 wird drei Wochen lang saniert.
Sperrung angekündigt: Auf der Straße von Schwedt Richtung Angermünde steht vor dem Abzweig Meyenburg der Hinweis auf die Vollsperrung ab 8. Oktober. Die alte B 2 wird drei Wochen lang saniert. © Foto: Oliver Voigt
Michael Dietrich / 29.09.2018, 06:30 Uhr
Schwedt (MOZ) Die baldige Vollsperrung der alten B 2 zwischen Schwedt und Felchow erhitzt die Gemüter. Keiner kann verstehen, warum diese Straßensanierung nicht warten kann, bis die B 198 und die vielen anderen Baustellen fertig sind. Auch in der Politik regt sich Protest.

Bisher konnte das Landesamt für Straßenwesen nicht plausibel erklären, warum es die fünf Kilometer der alten B 2 ausgerechnet jetzt voll sperren muss. Die Kritik aus Schwedt wischte das Amt als „Klage auf hohem Niveau“ vom Tisch. Schwedt soll sich freuen, dass etwas passiere, sonst müsse man eben das Geld woanders verbauen.

Vom 8. bis 30. Oktober ist geplant, die Decke der alten B 2 abzufräsen und zu erneuern. Die Umleitung bis zum Pinnower Kreisel über Meyenburg, Berkholz und die neue B 2 ist 13 Kilometer länger als die direkte Durchfahrt über Flemsdorf und Felchow. Das allein wäre sicher zu verkraften. Doch angesichts der vielen anderen Sperrungen und Baustellen wird die alte B 2 nun als zusätzliches Übel angesehen, was das Fass zum Überlaufen bringt.

Zur Erinnerung: Die B 198 zur Autobahn ist mindestens bis Dezember voll gesperrt – gut 20 Kilometer Umleitung. Die A 11 hat zwei Baustellen mit einspurigem Verkehr Richtung Berlin – eine Stunde längere Fahrtzeit, wenn es gut läuft. Das Autobahnkreuz Uckermark wurde saniert, jetzt die Strecke bis zum Abzweig Gramzow – damit war auch die lange, aber schnelle Umleitung vielen Autofahrern verleidet. Dem Bundestagsabgeordneten Jens Koeppen ist da gar nicht mehr zum Lachen. „Ich glaube beinahe, die haben im Landesbetrieb und im Landesverkehrsministerium nicht mehr alle Nadeln an der Tanne! Entweder sie sind unfähig, agieren fahrlässig oder sie machen es vorsätzlich. Es ist in jedem Fall inakzeptabel. Das kann man mit den Pendlern nicht machen“, schrieb er in Facebook und kündigte harte Nachfragen bei Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider an.

Simone Schadow vom PCK-Betriebsrat findet die neuerliche Sperrung: „Schrecklich! Man hat das Gefühl, Schwedt wird abgeschnitten. Der Weg zur Arbeit dauert für viele immer länger.“

Unternehmer Steffen Knauthe vermutet in der neuerlichen Vollsperrung gar eine „Straf-­expedition gegen diese ewig maulende Uckermark“. Musikschullehrer Dirk Eisenacher stellt fest: „Wenn das Landesverkehrsministerium so weiter macht, brauchen wir in der Ostuckermark bald Hubschrauber, um überhaupt noch hier ’rauszukommen.“

Von einer Geduldsprobe für die betroffenen Verkehrsteilnehmer sprach Landrätin Karina Dörk vor dem Kreistag. Sie freue sich zwar, dass jetzt in Größenordnungen Mittel für den Straßenausbau bereitgestellt werden. Aber auch sie findet, dass zu viel gleichzeitig passiert. Beim Vorstandsvorsitzenden des Landesbetriebes Straßenwesen habe sie eine bessere Abstimmung und Koordinierung von Maßnahmen gefordert, um eine Entlastung für die Verkehrsteilnehmer zu erreichen.

Der Landtagsabgeordnete und SPD-Fraktionschef Mike Bischoff, eher für versöhnliche Töne bekannt, musste eingestehen, dass es für ihn „beinahe unerklärlich“ sei, wenn alle wichtigen Zu- und Abwege für den Wirtschaftsstandort eingeschränkt werden. Und er kritisierte, dass das „schlecht oder gar nicht koordiniert wird“.

Jens Koeppen befürchtet obendrein, dass die Firma Matthai während des Baus der alten B 2 die Baustelle B 198 noch mehr schleifen lässt. Dass die 2018 fertig wird, glaubt niemand mehr.

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Hans Otto Gerlach 29.09.2018 - 08:40:18

Listig.

Immer wieder erregen kurzfristige Straßensperrungen die Gemüter. Schlecht Abstimmung? Hat da wer geschlafen? Keineswegs. Solche Baumaßnahmen haben einen langen Vorlauf. Würden sie aber frühzeitig bekannt gegeben, würden man noch Einfluss nehmen können, und gerade das ist nicht gewollt. Also Fakten schaffen. Und so kann man darauf "vertrauen", daß das so weiter geht.

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