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Rund 250 Jugendliche aus mehreren Ländern haben  auf einer Wiese bei Biegen Aufgaben absolviert, in der Nacht Mut bewiesen und sich am Morgen ordentlich durchpusten lassen.

Waldcamp
Mit Luftdruck durchs Labyrinth

Nicht aus der Puste kommen: Marika (10) treibt einen Plastikbecher mit der Luft aus einer Ballpumpe durch einen Parcours.
Nicht aus der Puste kommen: Marika (10) treibt einen Plastikbecher mit der Luft aus einer Ballpumpe durch einen Parcours. © Foto: Manja Wilde
Manja Wilde / 11.06.2019, 06:30 Uhr
Biegen (MOZ) Die Plastikhand liegt in einer dunklen Kiste. Filips Finger gleiten knapp daran vorbei, berühren Muscheln, Federn, einen Zapfen. Der 13-Jährige sieht nicht, wonach er greift. Denn er sitzt an der Tast-Station, seine Hände stecken in zwei Löchern der Kiste. "Die Kinder haben eine Minute Zeit, um 15 Dinge, die sie erkennen, zu benennen", erklärt Stefanie Ludwig. Sie gehört zu den vielen Helfern des Waldcamps.

Zum 27. Mal hat es der gleichnamige Verein organisiert. "Zeitsprünge" heißt das Motto, unter dem sich von Freitag bis Sonntag rund 250 Kinder auf einer Waldwiese im Ortsteil Biegen (Odervorland) vergnügen. Ein langer Feldweg trennt das Camp von Straßen und Hektik. An seinem Ende stehen Zelte. "Die Lokalität ist diesmal schöner, hinten der Ruhe-, vorn der Party-Bereich", findet Dr. Detlef Gasche. Der Vereinsvorsitzende sitzt auf einer der Holzbänke. Um ihn herum wuseln die Kinder an den Stationen.

Filip hat neun Dinge in der Tast-Box identifiziert. Die Minute ist um. "Gefällt mir gut hier", sagt der Junge, der aus Gorzów kommt. Sein Kumpel, der auch Filip heißt, übersetzt das Polnische ins Deutsche. "Ich habe zwei Jahre lang in Deutschland gewohnt", erklärt der Zwölfjährige. Ein Stück weiter treibt Marika (10) einen Plastikbecher mit Luftdruck durch ein Labyrinth. Auch sie wohnt in Polen. Aus Tschechien, Syrien, Polen und Deutschland sind Kinder dabei.

Sven (10), Leo (10) und Marvin (8) sind aus Berlin gekommen. Gerade haben sie sich in ihr Zelt verkrümelt. "Hier ist es schön, hier gibt es leckeres Essen, die Stationen waren gut", fasst Marvin zusammen. In der Nacht zu Sonnabend haben sich die Jungen allerdings gegruselt. "Bei der Nachtwanderung hab’ ich fast angefangen zu heulen, wegen der Horrorpuppen", gesteht Leo. "Die hatten Masken auf, Alter, war das gruselig", fällt es auch Sven sofort wieder ein. Überstanden haben die drei aber auch das. Und ein bisschen Stolz sind sie auch. "Mal raus aus dem Alltag, mal neue Kinder kennenlernen, andere Regeln und Strukturen", sagt David Elsner, das sei gut. Der Erzieher begleitet die Jungen, die von der AHB Kinder- und Jugendhilfe Berlin Weißensee betreut werden.

Sturmböe wehte drei Zelte weg

Ein Stück weiter sitzen Isabel Papenfuß, die Co-Trainerin der Tanzmädels des Jacobsdorfer Carnevalsvereins, und einige Eltern vor Zelten. Mit 19 Kindern sind sie vor Ort. Vor dem Mittag gibt es Entspannung. Und Marie (4) darf schon das rosafarbene Dino-Kostüm zeigen, das die Kinder am Abend tragen werden. Alle Gruppen zeigen dann etwas zum Thema "Zeitsprünge". "Pyramidenbau", "Erfindung des Schießpulvers" und "Besuch der Marsmännchen" heißen Stücke.

Langweilig wird es also nicht. Nach der Nachtwanderung am Freitagabend, sorgte Sonnabendmorgen eine Sturmböe für Aufregung. "Um 5 Uhr sind drei Tunnelzelte weggeflogen", sagt Detlef Gasche. Das Küchenzelt ging ebenfalls zu Bruch. Bis zum nächsten Jahr muss alles wieder flott sein. "Vielleicht gibt es ja Sponsoren, die uns helfen wollen", nennt er eine Hoffnung.

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