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ZABH-Außenstelle
Ruhe im Flüchtlingsheim in Markendorf

Ines Weber-Rath / 06.07.2020, 18:30 Uhr - Aktualisiert 06.07.2020, 20:14
Frankfurt (Oder) (MOZ) In der Außenstelle der Zentralen Ausländerbehörde (ZABH) des Landes am Markendorfer Ortsrand ist es ruhig geworden. Mitte Juni habe man begonnen, einen "großen Schwung" Asylbewerber auf die Städte und Landkreise zu verteilen, sagt ZABH-Leiter Olaf Jansen. In der Eisenhüttenstädter Zentrale kommen seit der Öffnung der EU-Binnen-Grenzen wieder mehr Asylsuchende an. "Etwa zehn pro Tag", sagt Jansen. Die Zahl  steige langsam wieder.

In der Hoch-Zeit der Corona-Pandemie kamen kaum noch Asylsuchende ins Land. Weil die EU-Außengrenzen noch immer weitgehend dicht sind, ist man von den im Schnitt 20 bis 30 Asylsuchenden, die normalerweise pro Tag in der ZABH ankommen, noch weit entfernt.

"Als Corona hier anfing, haben wir im März die Zuweisungen von Asylbewerbern an die Kommunen ausgesetzt und auch die Verlegungen zwischen den fünf Standorten unserer ZABH eingestellt", blickt Olaf Jansen zurück.

Die Folge war ein Belegungs-Stau, von dem die Frankfurter Außenstelle besonders betroffen war. Diese spielt für die ZABH eine wichtige Rolle, daran lässt der Behördenleiter keinen Zweifel. Denn hierher kommt, wer "eine hohe Anerkennungs-Wahrscheinlichkeit und damit Bleibeperspektive" habe, erklärt Jansen.

Er verweist auf einen logistischen Vorteil der 2017 eröffneten Unterkunft, die das Land nach umfangreichen Um- und Ausbauarbeiten im einstigen Verwaltungsgebäude des Halbleiterwerkes geschaffen hat: Quasi um die Ecke befindet sich auf dem TeGeCe-Gelände die Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die die Asylanträge der Bewohner bearbeitet. Sie ist zu Fuß erreichbar, das verkürzt die Verfahren.

Statt der 130 Bewohner von Anfang März befinden sich aktuell nur 44 – aus Syrien, dem Iran, der Türkei, Afghanistan, Somalia, dem Sudan und Tschad – in dem in den 70-er Jahren erbauten Komplex mit einer Kapazität von 280 Plätzen. Möglich wäre unter Einhaltung der Hygienevorschriften eine Belegung mit bis zu 145 Asylsuchenden, sagt Objektleiter Stefan Bley vom DRK Brandenburg-Ost. Selbiges wurde mit der Betriebsführung aller fünf ZABH-Außenstellen betraut.

"Familien ausgenommen, belegen wir die Zwei- bis Sechs-Bett-Zimmer in der Regel nur zur Hälfte, erklärt Bley. Wer offiziell zur Corona-Risikogruppe gehört, bekomme ein Einzelzimmer. Apropos Corona: Zwei Fälle habe es in seiner Behörde gegeben, sagt ZABH-Chef Jansen. Entdeckt durch den Test aller Neuankömmlinge. Sie müssen in Eisenhüttenstadt für 48 Stunden in Quarantäne, bis das Ergebnis vorliegt. In der Frankfurter Außenstelle gab es keinen Infizierten, mussten die Quarantäne-Container nicht genutzt werden.

Flüchtlinge aus Lagern kommen

Ruhige Zeiten also für die fünf ZABH- und rund 20 DRK-Mitarbeiter, sechs bis acht Wachschützer pro Schicht, die Küchen- und Reinigungskräfte sowie Lehrkräfte im Markendorfer Haus? Standortleiter Sven Kempe verneint. "Unsere Aufgaben haben sich verschoben", sagt er. Statt Sportangeboten und Kinderbetreuung – aktuell wohnen vier Kinder im Haus, von denen zwei im eigenen Kindergarten betreut werden – gebe es Informationen über Seuchenschutzvorschriften. Umzüge seien zu managen, die Deutsch- und Erstorientierungskurse sind wieder angelaufen.

In der Haus-Ambulanz wachen die syrische Ärztin Rania Kadib Alban und zwei Krankenschwestern des DRK über die Gesundheit der Bewohner, denen ein Sportraum, ein Sport- und Spielplatz sowie eine Nähstube zur Verfügung stehen. Olaf Jansen rechnet damit, dass es auch im Markendorfer Haus bald wieder voller wird – wenn das Kontingent an Flüchtlingen aus griechischen Lagern eintrifft, die Brandenburg aufnehmen will.

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