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Corona-Infektion
Machtkampf zwischen Klinikleitung "Ernst von Bergmann" und OB Mike Schubert

Keine Angst vor Öffentlichkeit: Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert geht in der Corona-Krise gern seinen eigenen Weg. Der 47-Jährige gilt als eloquent und ehrgeizig. Löst er die Probleme im Potsdamer Klinikum oder wird er selbst zum Problemfall?
Keine Angst vor Öffentlichkeit: Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert geht in der Corona-Krise gern seinen eigenen Weg. Der 47-Jährige gilt als eloquent und ehrgeizig. Löst er die Probleme im Potsdamer Klinikum oder wird er selbst zum Problemfall? © Foto: Fabian Sommer
Ulrich Thiessen / 22.04.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 22.04.2020, 07:03
Potsdam (MOZ) Löst Oberbürgermeister Mike Schubert die Probleme im Potsdamer Klinikum oder wird er selbst zum Problemfall?

Das Potsdamer Klinikum "Ernst von Bergmann" war einst der Stolz der kommunalen Gesundheitspolitik. Es ging um Wachstum, um Ansehen und Einnahmen. Vorbei! In den vergangenen Wochen avancierte eines der größten Krankenhäuser des Landes zum bundesweit beachteten Beispiel für den hochriskanten Umgang mit dem Coronavirus – einschließlich unkontrollierter Infektionen, Intransparenz und später Schuldeingeständnisse.

In diesen Tagen beraten die Gremien, ob die Geschäftsführung entlassen oder beurlaubt werden soll. Am Dienstagabend wurde bekannt, dass Schubert vorgeschlagen habe, die zweiköpfige Klinikspitze für ein halbes Jahr zu beurlauben. Disziplinarrechtliche Verfahren laufen bereits, die Staatsanwaltschaft prüft die Aufnahme von Ermittlungen. Heute berät der Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung über das weitere Vorgehen.

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Offener nMachtkampf

Aus der Gesundheitskrise in Potsdam ist inzwischen eine politische Krise erwachsen, die bis in die Landespolitik hineinschwappt. Der Fraktionschef der CDU im Landtag, Jan Redmann, sprach am Dienstag von einem offen ausgetragenen Machtkampf zwischen Stadtverwaltung und Klinikleitung, in Zeiten, in denen die Bürger ein funktionierendes Gesundheitssystem erwarten. Tagelang ging es öffentlich hin und her, ob das Krankenhaus die Bewegung der Patienten, vor allem der Infizierten, und den Einsatz des Personals dokumentiert hat und diese Unterlagen dem Gesundheitsamt der Stadt zur Verfügung stellt.

In vorderster Linie immer dabei Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD). Er erklärte öffentlich, dass das Vertrauen in die Geschäftsführung geschwunden sei und trat eine Personaldebatte los, die Potsdam in Atem hält.

Seit Schubert im Herbst 2018 ins Amt kam, wirbelt der gebürtige Schwedter die Politik der mitunter behäbigen Havelstadt auf. Regelmäßig überraschte er die eigene Partei, die Verwaltung, die Stadtverordneten und die Öffentlichkeit. Es ging um den Weiterbau des Stadtkanals oder eine Nutzung für das Schiff der Garnisonkirche. Über die Stadtgrenzen hinaus wurde sein Engagement für die Aufnahme von Kindern aus griechischen Flüchtlingslagern wahrgenommen. Absprachen mit dem Land gab es dazu nicht.

Der 47-Jährige gilt als eloquent und ehrgeizig. Das machte er schon im vergangenen Jahrzehnt deutlich, als er noch ohne nennenswerte Funktion in der eigenen Partei mit wenigen Mitstreitern den damaligen Parteichef Matthias Platzeck herausforderte und mehr Mitsprache für die Basis verlangte. Freunde hat er sich dabei nicht unbedingt gemacht.

Noch im Rennen um die Kandidatur als Oberbürgermeister von Potsdam gab es namhafte Parteifreunde, die ihn damals gern verhindert hätten. Nach dem Wahlsieg war schnell klar, dass hier jemand in der brandenburgischen Sozialdemokratie heranwächst, der nicht in den Zirkel der Staatskanzlei eingebunden ist und eigenständige Ziele verfolgt. So wurde Schubert als möglicher Parteichef genannt, wenn es wieder einmal um eine Nachfolgereglung für Dietmar Woidke ging.

Schuberts Empfehlung: sein Image als Macher. Daran arbeitete er auch zu Beginn der Corona-Krise, als er, quasi nach dem Vorbild von Markus Söder (CSU), schnellere und härtere Eindämmungsregelungen verlangte. Kurzzeitig war davon die Rede, dass Potsdam, ohne auf das Land zu warten, die Schulen schließt.

Schuberts Manko: Er nimmt kaum jemanden mit. Gerade jetzt, heißt es in seiner Partei, bräuchte man jemanden, der die Menschen angesichts der Probleme des Klinikums beruhigt und sich um die Stimmung unter den Mitarbeitern kümmert. Die Schuldfrage hätte man zu einem späteren Zeitpunkt klären sollen, war aus der Stadtverordnetenversammlung zu hören. Es gehe gerade nicht darum, Aufmerksamkeit zu erzielen, sondern unaufgeregt Probleme zu lösen. Ob Schubert die Krise in der Krise meistert, wird in der SPD gerade sehr aufmerksam verfolgt.

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Zur Person

Geboren ist Mike Schubert 1973 in Schwedt, zwei Jahre später zog die Familie nach Potsdam.

Nach dem Schulabschluss 1989 absolvierte er eine Lehre als Industrieelektroniker. Nach dem Wehrdienst als Presseoffizier bei der Bundeswehr im Kosovo studierte Schubert als Quereinsteiger Wirtschafts- und Politikwissenschaften in Potsdam.

Im Bürgerbüro von Matthias Platzeck wurde Schubert politisch aktiv, war jahrelang Stadtverordneter.

Schubert ist verheiratet und hat zwei Kinder.⇥cd

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Norbert Wesenberg 22.04.2020 - 07:36:46

"Löst er die Probleme im Potsdamer Klinikum oder wird er selbst zum Problemfall?"

Gut ist erstmal, das er als SPD-ler nicht in den Strickkreis von Woidkes Staatskanzlei passt. Schlecht ist sein Vorpreschen um im Potsdamer Klinikum Schuldige zu suchen . Sicher ist es richtig Versäumnisse im Zusammenhang mit den aufgetretenen Infektionen auch im Klinikum auf zu decken. Andererseits darf dabei aber nicht vergessen werden, das es einen Mangel an jedweder Schutzausrüstung nicht nur am Potsdamer Klinikum gab und so sollte er den Ball in der gegenwärtigen Situation eben flach halten.

Norbert Wesenberg 22.04.2020 - 07:36:45

"Löst er die Probleme im Potsdamer Klinikum oder wird er selbst zum Problemfall?"

Gut ist erstmal, das er als SPD-ler nicht in den Strickkreis von Woidkes Staatskanzlei passt. Schlecht ist sein Vorpreschen um im Potsdamer Klinikum Schuldige zu suchen . Sicher ist es richtig Versäumnisse im Zusammenhang mit den aufgetretenen Infektionen auch im Klinikum auf zu decken. Andererseits darf dabei aber nicht vergessen werden, das es einen Mangel an jedweder Schutzausrüstung nicht nur am Potsdamer Klinikum gab und so sollte er den Ball in der gegenwärtigen Situation eben flach halten.

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