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Corona-Maßnahme
Deutsch-russische "Potsdamer Begegnungen" per YouTube

Ordensverleihung im Internet: Moskaus Botschafter Sergej Netschajew (r.) verlieh dem Geschäftsführer des Deutsch-Russischen-Forums, Martin Hoffmann (l. u.) eine Auszeichnung. Matthias Platzeck (l. M.) und Alexander Rahr (o.) freuten sich mit.
Ordensverleihung im Internet: Moskaus Botschafter Sergej Netschajew (r.) verlieh dem Geschäftsführer des Deutsch-Russischen-Forums, Martin Hoffmann (l. u.) eine Auszeichnung. Matthias Platzeck (l. M.) und Alexander Rahr (o.) freuten sich mit. © Foto: Dietrich Schröder/MOZ
Dietrich Schröder / 26.05.2020, 03:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Wer hätte gedacht, dass Deutsche und Russen für ihre Verständigung einmal amerikanische Technologien nutzen würden?

Wegen der Corona-Pandemie mussten die "Potsdamer Begegnungen" am Montag erstmals auf einer Konferenzplattform im Internet stattfinden, waren aber auch  live bei YouTube zu erleben. Und vielleicht war diese notgedrungene Neuerung ja schon die deutlichste Antwort auf die diskutierte Frage, wie sich Europa, die Welt und die deutsch-russischen Beziehungen durch die Krise verändern werden. Der Tenor der Debatte lässt sich in zwei Sätzen zusammenfassen: Die Konflikte und Herausforderungen, die es schon vor dem Virus gab, werden grundsätzlich wohl die gleichen bleiben. Aber das Tempo, in dem sie sich zuspitzen, wird noch schneller werden.

Zuspruch für Putin sinkt

Für Russland sei die Krise sogar "eine noch größere Herausforderung als für Deutschland", sagte der Kreml-Kenner und Professor für Weltwirtschaft, Fjodor Lukjanow. Dass eine Volksabstimmung verschoben werden musste, mit der sich Wladimir Putin eigentlich das Präsidentenamt auf Lebenszeit sichern wollte, sei schon ein Signal. "Russland wurde von der Krise in einer sehr ungünstigen Situation getroffen", fügte Lukjanow hinzu. Die Sympathiewerte des Präsidenten befinden sich aktuell im Sturzflug. Auch die Frage, wie das Land auf den Preisverfall für Öl und Gas reagieren werde, sei spannend, meinte der frühere deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Der aktuelle Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erneuerte in einer Videobotschaft das Angebot, "jenseits aller politischen Sanktionen die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Zusammenarbeit voll auszuschöpfen". Gerade im Gesundheitsbereich und bei der Digitalisierung gäbe es durch die Krise neue Ansätze. Matthias Platzeck (SPD) lobte die Partnerschaften zwischen den Städten aus beiden Ländern.

Der sich verschärfende Kurs zwischen China und den USA wurde von den meisten Teilnehmern angesprochen. Und als Reaktion darauf ein vertrauensvollerer Zusammenhang zwischen der EU und Russland beschrieben. Freilich gibt es dafür viele Hürden, "Angriffe russischer Hacker auf den Bundestag und die Kanzlerin tragen jedenfalls nicht dazu bei", bemerkte der Friedensforscher Alexander Gräf von der Universität Hamburg.

Von Roman Herzog und Manfred Stolpe initiiert

Die "Potsdamer Begegnungen" sind ein deutsch-russisches Diskussionsforum, das die Verständigung beider Länder zum Ziel hat. Sie wurden 1999 – in einer Phase, da die Entfremdung beider Länder schon begonnen hatte – vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog und dem Brandenburger Regierungschef Manfred Stolpe ins Leben gerufen. Zumeist fanden die Treffen in Potsdam statt, einige Male aber auch in Moskau oder Berlin. Das von Matthias Platzeck mit geleitete Deutsch-Russische Forum organisiert die Treffen. Das Auswärtige Amt, das Land Brandenburg, die Konrad-Adenauer-Stiftung sowie einige Unternehmen unterstützen dabei. ⇥ds

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