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WWW
Vor 30 Jahren begann das Internetzeitalter

Hans-Jürgen Wodtke / 19.04.2019, 03:00 Uhr
Havelland/Böhne Zurückblickend möchte man es kaum glauben, dass es das Internet, genauer gesagt das WWW (World Wide Web) erst 30 Jahre geben soll. Die Einführung einer der größten technischen Innovationen der letzten Jahrzehnte fiel so mit dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruch in unserem Lande zusammen. Jedoch benötigte die neue Informations- und Kommunikationstechnologie noch einige Jahre, bis man endgültig vom weltweiten Durchbruch sprechen konnte. Eine Zeitspanne, die es uns damals auch im Osten trotz mannigfaltiger Herausforderungen, von Anbeginn an erlaubte, mit dabei zu sein.

Doch vorerst waren wir im Osten glücklich, wenn wir überhaupt telefonieren konnten. So kann ich mich noch sehr gut an das so sehnsüchtig herbeigesehnte Geräusch einer Telefonklingel erinnern. Damals, Anfang 1992, war das ein riesiger Meilenstein, nicht nur zum Telefonieren, sondern auch um schon kurze Zeit später Faxe zu versenden. Da fühlte man sich zu jener Zeit schon fast wie im Wunderland der Kommunikation.Kurze Zeit später erfuhr ich von einem befreundeten Computerhändler aus der Lüneburger Heide von Datex-J, einer technischen Weiterentwicklung des bereits in Westdeutschland bewährten Btx.  Heute würde man sagen, dass es sich bei dieser Entwicklung um eine abgespeckte deutsche Variante des zu der Zeit noch in den Kinderschuhen steckenden Internets handelte. Die Anschaffungs- und Betriebskosten der Datex-J-Technologie standen in Anbetracht der bescheidenen Nutzungsmöglichkeiten rückblickend in keinem sinnvollen Verhältnis.

In Deutschland brach das eigentliche Internetzeitalter im September 1995 an. Denn ab da stellte die Deutsche Telekom das Portal "t-online.de" als erste Einstiegsmöglichkeit in das weltweite Web und zur E-Mail-Kommunikation zur Verfügung. Doch noch handelte es sich um ein geschlossenes Portal. Quasi einem Netz im Netz, mit dem die Telekom ordentlich "Kasse machen" wollte.Ab 1996 ließ der Telekommunikationsriese auch Fremde auf die eigene Telekom-Plattform. Ein interessantes Angebot, das wir damals gern für unsere erste eigene Firmenpräsentation nutzten. Mit den heute üblichen Webseiten hatte unser Erstlingswerk allerdings nicht allzu viel gemein. Dazu waren die technischen Möglichkeiten noch zu begrenzt. Doch schon ein Jahr später boten sich vollkommen andere Möglichkeiten. Denn inzwischen hatte Microsoft mit dem Internet Explorer 3 den ersten kostenlosen Browser auf den Markt gebracht. Mit weiteren ebenfalls neu angebotenen Softwareprodukten war es jetzt problemlos möglich, T-Online unabhängige Webseiten ins offene Netz zu stellen.

Mit Unterstützung internetaffiner junger Leute entstand unsere nächste, all die neuen Möglichkeiten nutzende Unternehmenswebseite. Damit konnten nun Interessierte aus der ganzen Welt sich über das kleine Unternehmen in Ostdeutschland informieren. Das war für sich zu jener Zeit schon eine unglaubliche Sache. Doch wir setzten damals noch einen drauf und präsentierten uns nicht nur in deutscher Sprache, sondern auch in Englisch und Russisch. Das hatte schon etwas von Weltniveau, wenn auch nur für kurze Zeit. Denn mit der Cebit 1997 war plötzlich das Internet in aller Munde und die Wirtschaft begann sich intensiv dem WWW, oder kurz Web genannt, zuzuwenden. Nun schwanden auch allmählich die noch weit verbreiteten Vorbehalte der Menschen gegenüber der neuen Informations- und Kommunikationstechnologie. 1998 nahm Google, die heute mächtigste Suchmaschine im Netz, ihren Dienst auf. Neben anderen heute zum Teil schon wieder in Vergessenheit geratenen Angeboten, entstand 2001 mit Wikipedia die Online-Enzyklopädie, ohne die heute die Welt kaum mehr vorstellbar ist. Zu der Zeit begann sich das Internet durch die Einführung der ersten sozialen Netzwerke in seiner Funktionalität maßgeblich zu verändern. Denn bisher war es so, dass der Nutzer im Internet nur Informationen abrufen konnten. Doch mit den Social-Media-Netzwerken konnte der Internetbenutzer nun selbst seine Inhalte im Netz veröffentlichen. Damit konnte nun jeder, der Spaß daran hatte, vom Konsumenten zum Produzenten im Internet werden. Im Jahr 2003 folgte der kostenlos nutzbare Online-Kommunikationsdienst Skype. Hierüber waren weltweite Videokonferenzen, die sogenannte IP-Telefonie und weitere nützliche Dienste über das weltumspannende Internet möglich. Das soziale Netzwerk Facebook steht der Internetgemeinde seit dem Frühjahr 2004 zur Verfügung. 2005 folgte das heute nicht mehr wegzudenkende Videoportal Youtube, und 2006 folgte Twitter. Dieses als Mikroblogging-Dienst bezeichnete Angebot gestattete es erstmals, Kurzinformationen mit bis zu maximal 280 Zeichen zu veröffentlichen. In der heutigen Zeit ist Twitter zu einem wichtigen Informationsinstrument geworden, besonders in Politik und Wirtschaft.

Mit den immer besseren Angeboten an Internetdiensten und -angeboten wurde aber auch vielerorts das Dilemma beim Zustand des Telefonnetzes immer deutlicher. Und dieses Problem ist bei weitem heute, 30 Jahre nach Einführung des WWW, noch lange nicht überall behoben. Die Folge sind vielfach verpasste Möglichkeiten, besonders in der Wirtschaft.

Als Alternative rückte besonders für Wirtschaftsleute bereits 1996 das Mobilfunknetz in den Focus. Im gleichen Jahr erschien das erste internetfähige All-in-one-Handy, der "Nokia 9000 Communicator" am Markt. Für heutige Verhältnisse ein gewaltiger Brocken, mit dem man E-Mails sowie Faxe von unterwegs empfangen und senden sowie die wichtigsten persönlichen Daten verwalten konnte. Zu Recht gilt dieses Gerät heute als Vorläufer der ab 2005 angebotenen Smartphones. Der Siegeszug dieser "Alleskönner" begann in Deutschland im Jahre 2004 mit der Bereitstellung der leistungsfähigen UMTS-Mobilfunktechnologie. Doch sollte es noch bis 2007 dauern, bis bei der mobilen Internetnutzung der Durchbruch kam. Maßgeblichen Anteil hatte das vom Technologie-Riesen  Apple entwickelte erste "iPhone" mit seiner revolutionierenden Multitouch-Bedienoberfläche.

Heute wissen wir, dass das Internet Fluch wie auch Segen, aber auf keinen Fall mehr aus unserem Leben wegzudenken ist. Denn unsere Welt ist scheinbar kleiner geworden. So sind Echtzeitkommunikation in Ton und Bild bis an das andere Ende Welt schon lange keine Fiktion mehr. Doch unser Dasein ist auch unsteter und vor allem oberflächlicher geworden. So ist für viele Menschen heute hier zu sein und von anderenorts zu erfahren, was dort geschieht, eine Normalität, die die wichtigen und schönen Dinge des Lebens schnell verpassen lässt. Doch die größte Gefahr droht uns heute durch Zeitgenossen, die als Kraftfahrer während der Fahrt ihre Mobilgeräte unbedingt ohne Freisprecheinrichtung nutzen. Obwohl schon lange und aus gutem Grunde vom Gesetzgeber untersagt, scheint diese Botschaft bei vielen Unbelehrbaren noch nicht angekommen zu sein. Offensichtlich helfen hier nur strengere Kontrollen und radikalerer Strafen. Ich würde mir das sehnlichst wünschen.

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Internetzeitalter Ostdeutschland Brocken Deutschland

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