Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Jan G. beklagt sich, dass die Polizei seiner Flucht nicht gewaltsam ein Ende setzte

Jan G.
"Warum schießt ihr nicht?"

Widersprüchliche Aussagen: der Angeklagte Jan G. (l.) mit seinem Verteidiger Stefan Böhme
Widersprüchliche Aussagen: der Angeklagte Jan G. (l.) mit seinem Verteidiger Stefan Böhme © Foto: dpa/Bernd Settnik
Mathias Hausding / 21.11.2017, 06:30 Uhr - Aktualisiert 06.12.2017, 16:11
Frankfurt (Oder) (MOZ) Der wegen dreifachen Mordes angeklagte Jan G. wollte sich während seiner Flucht von der Polizei erschießen lassen. Das sagte er zumindest in einer Vernehmung nach den Taten. Die Verteidigung widerspricht indes der Verwendung vieler dieser Verhörprotokolle.

Der Angeklagte hat sich seit dem Drama mit drei Toten am 28. Februar etliche Male zu den Ereignissen geäußert. Das Problem: Sowohl in fünf Vernehmungen bei der Kripo unmittelbar nach den Taten wie auch jetzt vor der 2. Strafkammer des Landgericht Frankfurt (Oder) widerspricht sich Jan G. in wichtigen Punkten immer wieder. Mal gesteht er etwas, mal relativiert er frühere Aussagen, mal bestreitet er gar, sich je so geäußert zu haben, wie es in den Akten steht.

Um die Frage zu klären, ob er bei der Tötung seiner Oma und der zwei Polizisten im juristischen Sinne als Mörder handelte, muss das Gericht dieses Durcheinander entwirren. Zu diesem Zweck wurde am Montag zweieinhalb Stunden lang einer jener Beamten gehört, der am Abend des Tattages im Krankenhaus mit dem am Arm verletzten Jan G. längere Zeit geredet hatte.

In diesem Gespräch belastete sich der junge Mann selbst: Er habe sein Auto als Waffe eingesetzt und sei mit Tempo 160 unterwegs gewesen, als er in Oegeln die beiden Polizisten überfuhr. So erinnert sich der 50 Jahre alte Kriminaloberkommissar an die Vernehmung. "Ich habe heute Papas getötet", soll Jan G. noch gesagt haben. Auf die Frage, warum er nicht gebremst habe, als er die Polizisten vor sich sah, sei die Antwort gewesen: "Ich war auf Speed." Wobei hier die hohe Geschwindigkeit gemeint war, nicht etwaiger Drogenkonsum.

Schließlich habe Jan G. in jener ersten Vernehmung am 28. Februar noch lamentiert, dass er auf der Flucht gerne erschossen worden wäre. Als er einem Beamten zu Fuß davonlief, sei dafür eine gute Gelegenheit gewesen: "Aber ich hatte wohl den einzigen Polizisten Brandenburgs hinter mir, der nicht schießt", bedauerte er im Verhör.

Sein Verteidiger hat nun am Montag beantragt, diese und zwei weitere Vernehmungen nicht als Beweise zuzulassen. Jan G. sei an jenem Abend gerade von einer Operation aufgewacht und nicht vernehmungsfähig gewesen, argumentierte Stefan Böhme. Die Befragungen vom 15. und 27. März wiederum beanstandete er, weil sein Mandant vorab nicht ordnungsgemäß über seine Rechte aufgeklärt worden sei. Wie das Gericht die Sache sieht und wann es über die Anträge der Verteidigung entscheidet, ist noch offen.

In jenen Gesprächen mit der Polizei hatte Jan G. fehlende Reue erkennen lassen. Über seine erstochene Oma habe er gesagt: "Mit fast 80 war es für sie Zeit, abzutreten." Zudem habe er "völlig emotionslos" geschildert, dass er gut schlafen könne, die Taten ihm keine Albträume bescherten und ihm die seelischen Nöte der Angehörigen der getöteten Polizisten egal seien, erinnerte sich der Zeuge.

Dies musste am Montag eine der beiden Witwen mitanhören, die als Nebenklägerin auftritt und seit dem Prozessauftakt Mitte Oktober nun zum zweiten Mal den schweren Gang ins Gericht gemacht hatte. Zu einem besonders emotionalen Moment kam es, als eine Rettungsassistentin im Zeugenstuhl ob der Erinnerungen an die schrecklichen Ereignisse von Oegeln in Tränen ausbrach und die Witwe aufstand und zu ihr ging, um sie zu trösten.

Kaum hatte sich die Zeugin wieder gefasst, warf ihr Jan G. die Frage an den Kopf, warum sie ihn versorgt und nicht sterben gelassen habe. "Das ist mein Job", sagte die Frau, bevor das Gericht die Frage des Angeklagten als unzulässig zurückwies. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG