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Prozess um Dreifachmord
Keine Schizophrenie - Psychiater erklärt Jan G. für „körperlich gesund“

Jan G. wartet im Landgerichts in Frankfurt (Oder) mit seinem Anwalt Stefan Böhme auf den Prozessbeginn.
Jan G. wartet im Landgerichts in Frankfurt (Oder) mit seinem Anwalt Stefan Böhme auf den Prozessbeginn. © Foto: dpa
Mathias Hausding / 05.12.2017, 13:45 Uhr - Aktualisiert 06.12.2017, 16:15
Frankfurt (Oder) (MOZ) Der des dreifachen Mordes angeklagte Jan G. leidet weder an einer Schizophrenie, noch an einer anderen schweren Erkrankung. Das erklärte überraschenderweise ein psychiatrischer Sachverständiger am Dienstag als Zeuge vor dem Landgericht Frankfurt (Oder).

Der 56 Jahre Forensiker ist Chefarzt im Maßregelvollzug Brandenburg/Havel, wo Jan G. seit den Taten vom 28. Februar dieses Jahres untergebracht ist. Der Zeuge schilderte, dass er von Anfang an Zweifel an jener Diagnose gehabt habe, die Jahre zuvor gestellt worden war. „Das hat uns nicht überzeugt“, sagte er.

Es folgten Tests, zwei Medikamente wurden abgesetzt. Letzteres sei folgenlos geblieben. Fazit des Psychiaters: „Jan G. ist ein körperlich gesunder Mensch.“ Er bekomme im Maßregelvollzug nach wie vor keine Medikamente. Die dortige Diagnostik habe lediglich ergeben, dass der Angeklagte ein Psychopath sei, eine dementsprechende Persönlichkeitsstörung habe. Bei einem Psychopathie-Standardtest habe Jan G. 40 von 40 möglichen Punkten erreicht, berichtete der Zeuge. „Wir haben bei ihm ein völliges Fehlen von Mitgefühl festgestellt. Er ist eiskalt.“ Wenn er für sich etwas erreichen will, könne er allerdings auch höflich und charmant auftreten. Darüber hinaus sei er intelligent und gut strukturiert.

Wie es unter anderem im Klinikum Frankfurt-Markendorf vor zirka zwei Jahren zu der offensichtlichen Fehldiagnose samt Fehlbehandlung kommen konnte, vermochte der Zeuge nicht zu sagen. Aber Jan G. selbst lieferte einen möglichen Erklärungsansatz: „Sie haben zu mir gesagt, ich soll eine Schizophrenie eingestehen, dann werde ich mit einer Depotspritze im Gepäck aus dem Krankenhaus entlassen“, sagte der 25-Jährige. 

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Ralf H. Janetschek 06.12.2017 - 11:27:47

Der Psychopath

Ein Psychopath ist eine Person mit gestörtem Gefühls- und Gemütsleben und/oder einem Verhalten, das dem Bild einer selbstverantwortlichen Persönlichkeit nicht entspricht. Sie existieren in sehr unterschiedlichen Formen und Schattierungen, jedoch haben alle folgende drei Charaktereigenschaften gemeinsam: sind sehr egozentrische Individuen ohne Mitgefühl für Andere, und sie sind unfähig, Reue oder Schuld zu fühlen. Viele zeichnet ein Mangel an Angst und Furcht aus, was sie besonders gefährlich macht. Der Psychopath ist nicht in der Lage, in unglücklichen Situationen Mitgefühl für Andere zu haben, und kann sich nicht in die Position Anderer hineinversetzen, egal ob sie von ihm verletzt wurden oder nicht. Mit dem Mangel an Mitgefühl ist auch ein Mangel an Liebe verbunden, jedoch sind sie oft klug und sind in der Lage ihre Intelligenz zu ihren Vorteil einzusetzen. Ihr Vergnügen am Unglück Anderer ist unstillbar. Menschen werden als Mittel zum Zweck verwendet; diese haben sich unterzuordnen und müssen erniedrigt werden. Er, der Psychopath, hat Spaß daran andere Menschen zu quälen. Ein Psychopath schöpft die Möglichkeiten, welche die Gesellschaft ihm bietet, stets vollständig zu seinem Vorteil aus und wird sich immer so schändlich benehmen, wie die Umwelt es ihm gestattet. Darum ist es die Aufgabe der menschlichen Gemeinschaft, die nötigen Konsequenzen zu ziehen.

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