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Sachverständiger schließt aus, dass der Angeklagte einem auf der Straße liegenden Nagelgurt ausweichen wollte

Prozess
Unfallgutachten belastet Jan G.

© Foto: dpa
Mathias Hausding / 12.12.2017, 15:17 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Als Jan G. am 28. Februar dieses Jahres in Oegeln die beiden Polizisten überfuhr und tötete, war er mit mindestens 130 Stundenkilometern unterwegs.

Außerdem lag kein Nagelgurt auf der Straße, als der Angeklagte seinen Wagen nach rechts zog, angeblich um dem Hindernis auszuweichen. Das sind die Kernaussagen eines Unfallgutachtens der Dekra, das ein Sachverständiger am Dienstag im Prozess vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) vorstellte.

Die Expertise belastet den 25-Jährigen schwer, und zwar mit Blick auf die Frage, ob die Attacke auf die Polizisten als Totschlag oder Mord zu bewerten ist. Jan G. hatte, wohl als Schutzbehauptung, stets angegeben, dass er nur nach rechts in Richtung der Beamten habe ausweichen können, um das Überfahren eines auf der Straße liegenden Nagelgurts zu verhindern. Er habe seine Flucht fortsetzen wollen. An weitere Details zum Unfallhergang mochte er sich vor Gericht nicht erinnern.

Schon die Bilder aus dem Cockpit eines Lastwagens, der den Unfallort wenige Augenblicke vor dem Zusammenstoß passierte, ließen die Angaben des Angeklagten unglaubwürdig erscheinen. Dort war zu sehen, wie einer der Beamten den Nagelgurt in den Händen hält, während Jan G. heranrast. Dann verschwanden die Beamten aus dem Bild, vier Sekunden später kam es zum Zusammenstoß. Zeit genug, dass die Polizisten den Nagelgurt noch auf der Straße positionieren, Jan G. diesen wahrnimmt und daraufhin nach rechts zieht? In den Augen von Prozessbeobachtern sehr unwahrscheinlich.

Und der 33 Jahre alte Dekra-Gutachter kam am Dienstag zu einem klaren Nein. In diversen Testreihen unter anderem auf dem Flugplatz Finow habe er die Situation mit Polizisten nachgestellt. Fazit: "Es war unmöglich, den Stopstick rechtzeitig auf die Straße zu werfen." Zur Erläuterung verwies der Gutachter darauf, dass von den vier Sekunden zwischen Videoende und Zusammenstoß den Beamten nur zwei Sekunden geblieben seien, um den Gurt zu werfen. Denn folge man den Angaben von Jan G., wolle dieser das Hindernis ja wahrgenommen und darauf reagiert haben.

Der Gutachter führte schließlich das Auswerfen eines Stopsticks mehrfach im Gerichtssaal vor. Erkenntnis: Es sind mehrere Handgriffe notwendig, die allesamt Zeit kosten. Frühestens wenige Sekundenbruchteile vor dem Zusammenstoß hätte ein Wurf gelingen können. Zu spät für Jan G., der laut Gutachter schon in 90 Metern Entfernung von den Polizisten seinen Wagen aktiv und ungebremst in ihre Richtung lenkte.

Mittels diverser Berechnungsmodelle, in die Beschädigungen am Fahrzeug sowie die Art der Verletzungen der Polizisten und die Auffindeorte der Leichenteile mit einflossen, kam der Gutachter am Dienstag zudem zum Schluss, dass Jan G. mit mindestens Tempo 130 unterwegs war, als er die Beamten erfasste.

Schlagwörter

Patrick Pleul Unfallgutachten Jan G . Nagelgurt Kernaussage

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