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Prozess
Jan G. bittet seine Nervenärzte auf den Zeugenstuhl

Prompt reichte die Verteidigung am Dienstag weitere Anträge ein, über die nun entschieden werden muss.
Prompt reichte die Verteidigung am Dienstag weitere Anträge ein, über die nun entschieden werden muss. © Foto: dpa
Mathias Hausding / 17.01.2018, 09:35 Uhr - Aktualisiert 17.01.2018, 09:35
Frankfurt (Oder) (MOZ) Der Angeklagte konnte sich am Dienstag mal wieder nicht zurückhalten. Mehrmals fiel er der Vorsitzenden Richterin Claudia Cottäus lautstark und gestenreich ins Wort, als sie die Ablehnung eines von vielen Anträgen der Verteidigung begründete.

Der Anwalt von Jan G. hatte zuvor die Einholung eines Gutachtens verlangt. Es  sollte belegen, dass der Luftzug eines vorbeifahrenden Lastwagens den Wagen von Jan G. an jenem 28. Februar 2017 in Oegeln nach rechts von der Fahrbahn  gedrückt haben könnte. Der 25-Jährige hatte in der Folge zwei Polizisten überfahren und getötet, nachdem er zuvor seine Oma erstochen hatte. So weit hergeholt der Antrag erscheinen mag, das Gericht muss ihn ernsthaft prüfen, um sich nicht angreifbar zu machen.

Ausführlich legte Claudia Cottäus also dar, warum das gewünschte Gutachten für die Urteilsfindung unbedeutend sei. So habe Jan G. etwa zu einem früheren Zeitpunkt im Prozess ausgesagt, dass er bewusst nach rechts gelenkt habe, um einem angeblich auf der Straße liegenden Nagelgurt auszuweichen. Im Anschluss an ihre Ausführungen bedankte sich Jan G. „für die sehr intelligenten Überlegungen“. Die Vorsitzende quittierte es mit einem Lächeln: „Ach, jetzt werden Sie zynisch, Herr G.“ Um ähnliche Beweisanträge bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag zu verhindern, setzte sie den Verfahrensbeteiligten eine Frist bis zum nächsten Verhandlungstag am 26. Januar für letzte Wünsche in dem seit Mitte Oktober andauerndem Prozess. Ein Urteil könnte dann voraussichtlich am 2. Februar gesprochen werden.

Prompt reichte die Verteidigung am Dienstag weitere Anträge ein, über die nun entschieden werden muss. So möchte Jan G. fünf seiner früheren Nervenärzte als Zeugen hören. Sie mögen ihm bescheinigen, dass er doch eine Schizophrenie habe. Zwei Sachverständige hatten dies zuvor im Prozess ausdrücklich verneint und den Angeklagten überraschend als schuldfähig eingestuft. Auch wenn es in den Augen von Prozessbeobachtern durchaus interessant wäre zu erfahren, wie in der Vergangenheit unter anderem Ärzte des Klinikums Frankfurt-Markendorf zu ihrer offensichtlich falschen Schizophrenie-Diagnose gekommen sind, dürfte die Kammer demwenig Bedeutung beimessen.

Die Expertisen jener Mediziner, die Jan G. als gesund einstufen, sind deutlich aktueller als die Einschätzungen früherer Ärzte, die ihn um das Jahr 2015 herumals Patienten zu begutachten hatten und damals Hinweise auf eine psychotische Störung gesehen haben wollen. In einem früheren Raubprozess wurde erdaraufhin für schuldunfähig erklärt. Er blieb auf freiem Fuß, bis er drei Menschen umbrachte.

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