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Vor allem der Fall in Oder-Spree wirft Fragen zum Verhalten der Strafverfolger auf

Ein Jahr nach Jan G.
Angst und Schrecken in Oder-Spree - Landräte rufen um Hilfe

Blick auf die Wohnung eines Gewalttäters in Tauche (Oder-Spree), der unter anderem dieses Auto zerstört hat.
Blick auf die Wohnung eines Gewalttäters in Tauche (Oder-Spree), der unter anderem dieses Auto zerstört hat. © Foto: Mathias Hausding
Mathias Hausding / 28.03.2018, 07:00 Uhr
Tauche (MOZ) Zwei offenbar psychisch kranke Gewalttäter haben erneut über längere Zeit viele Bürger in Ostbrandenburg tyrannisiert. Die betroffenen Landräte fordern mehr Hilfe im Umgang mit den Tätern. Vor allem der Fall in Oder-Spree wirft Fragen zum Verhalten der Strafverfolger auf.

Rund ein Jahr nach der Serie von Gewalttaten des Jan G., die in drei Morden gipfelten, hat erneut im Kreis Oder-Spree ein als psychisch krank geltender Mann über Monate Angst und Schrecken verbreitet. Der 33 Jahre alte Deutsche, den Behörden seit 2007 als Intensivtäter bekannt, soll seit dem vergangenen Sommer in Tauche bei Beeskow Nachbarn bedroht, beleidigt und tätlich angegriffen haben. Außerdem wird er für schwere Sachbeschädigungen verantwortlich gemacht, verursacht etwa durch selbstgebastelte Bomben.

Eines seiner Opfer wurde am 1. Januar dieses Jahres nach einem Angriff mit einem sogenannten Totschläger mit mehreren Brüchen am Kopf ins Krankenhaus eingeliefert. Trotz dieser und anderer Taten blieb der Mann bis Anfang März auf freiem Fuß. Bis dahin soll er auch noch die Katze seiner Nachbarin mit einem Schraubenzieher erstochen und der Frau daraufhin zugerufen haben, dass sie die nächste sei.

Der Unmut im Ort war und ist groß. „Die Polizei ist immer nur gekommen, hat alles aufgenommen und ist wieder abgefahren“, sagt Jörg Hönecke, einer der Nachbarn. „Wir fühlen uns vom Rechtsstaat im Stich gelassen.“ Erst als sich der örtliche Pfarrer und der Landrat in die Sache einschalteten, gelang es am 2. März, den Mann in eine geschlossene Einrichtung einzuweisen. Inzwischen sitzt er laut Staatsanwaltschaft in einer psychiatrischen Haftanstalt in Brandenburg/Havel. „Uns wurde zunächst gesagt, dass die Beweislage nicht ausreiche, ihn zwangsweise unterzubringen“, erklärt Landrat Rolf Lindemann (SPD). „Wir mussten hier einen sehr schwerfälligen Rechtsstaat erleben. Offenbar wurde unter den beteiligten Behörden zu wenig kommuniziert.“

Das müsse künftig besser werden. Im Kreis Oder-Spree gebe es weitere ähnlich gelagerte Fälle. „Das sind tickende Zeitbomben. Wir müssen in der Lage sein, im Interesse schutzbedürftiger Bürger unverzüglich zu handeln.“

So sieht es auch Gernot Schmidt, Landrat von Märkisch-Oderland. „Wir brauchen straffere Verfahren im Umgang mit diesen Personen, müssen schnell zugreifen können, wenn jemand die Bevölkerung tyrannisiert“, betont der SPD-Politiker. In seinem Kreis gebe es derzeit rund zehn psychisch Kranke mit gefährlichem Hang zu Straftaten.

In einem Fall ist am Montag vor dem Frankfurter Landgericht ein Urteil ergangen. Ein 34-jähriger Deutscher, der bis zum Sommer 2017 anderthalb Jahre lang in Wriezen zum Beispiel mit Hammerattacken auf die Sparkasse auffiel, bevor man ihn einweisen konnte, wurde wegen insgesamt 32 Tatvorwürfen zu zweieinhalb Jahren Maßregelvollzug verurteilt.

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Gernot Schmidt Landrat Jan G . Strafverfolger Gewalttäter

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