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Kreis-Jagdverband Ost-Uckermark will Engagement und Verantwortung der Jäger verstärkt öffentlich machen

Jagd
Naturschutz mit Waidmannsheil

Daniela Windolff / 24.03.2019, 19:38 Uhr
Schönow (MOZ) Die Verantwortung der Jäger für gesunde, stabile Wildbestände in den Wäldern und Schutz vor Wildschäden und Seuchen will der Kreis-Jagdverband Ost-Uckermark stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken und Jäger als Partner des Naturschutzes verstehen.

Afrikanische Schweinepest, Waschbärplagen, Gefahren durch den Fuchsbandwurm, von Schwarzwild verwüstete Äcker und Gärten, Wildverbiss durch Rehe an jungen Bäumen oder überfahrene Tiere auf Landstraßen.... wo und wann auch immer solche Probleme auftreten, wird der Jäger auf den Plan gerufen, um zu richten, was die Natur allein nicht mehr schafft oder der Mensch aus dem Lot gebracht hat.

Die Jagd ist so alt wie die Menschheit. Sie machte einst satt. Sie wurde als Prestige- und Machtsymbol missbraucht. Und sie ist noch immer unverzichtbar. Doch wohl noch nie zuvor war das Image der Jagd im Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Tierschutz und Politik so angekratzt wie heute, beklagen die uckermärkischen Jäger. Auf ihrer Jahresmitgliederversammlung des Jagdverbandes Ostuckermark stand deshalb auch die Öffentlichkeitsarbeit im Fokus der Diskussion.

Das Image des Jägers, der mit Hut und Schießgewehr durch den Wald streift und auf alles zielt, was sich bewegt, gehöre endlich gerade gerückt und seine Leistung für Hege und gesunde und ausgeglichene Wildpopulationen stärker gewürdigt, betont Verbandsvorsitzender Stefan Dähn aus Schwedt. "Deshalb sind wir auch mit unserem Lern- und Naturmobil in Kitas, Schulen und bei Festen oder im Mai auf der Inkontakt unterwegs, um über unsere Arbeit aufzuklären", so Dähn.

305 Mitglieder aus Jägerschaften zwischen Angermünder, Schwedt und Gartz zählt der Verband. Anders als die Hegegemeinschaft Angermünde-Schwedt, die insgesamt rund 20 000 Hektar bewirtschaftet, ist der Jagdverband ausschließlich ein Gremium zur Interessenvertretung und Koordination der Aufgaben der Jäger. In den vergangenen Jahren stand vor allem die Bestandsreduzierung bei Schwarzwild im Mittelpunkt der Arbeit, um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest und Wildschäden in der Landwirtschaft zu verhindern. Für letzteres werden Jäger übrigens haftbar gemacht. Der Druck auch seitens der Politik war immens. "Wir haben große Anstrengungen unternommen und unsere Abschusszahlen erfüllt", konstatiert Stefan Dähn. Das bestätigt auch Jörg Kabelitz, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Angermünde-Schwedt. Der Schwarzwildbestand sei auf rund 60 Prozent zurückgegangen. Allein im vergangenen Jahr wurden 1200 Schwarzkittel erlegt. Entwarnung bedeute dies jedoch noch nicht, denn die Bestände können sich ganz schnell wieder aufbauen, so Kabelitz.

Unverhoffter Helfer war dabei  der Wolf, für den Frischlinge eine leichte Beute sind. Andererseits bringe der Wolf als neuer Waldbewohner auch ungewohnte Unruhe in die Wildbestände, vor allem bei Rotwild, das dadurch oft weitab von seinen gewohnten Plätzen getrieben wird, beobachten die Jäger besorgt. Doch mit dem Wolf müssen sie leben. Er darf nicht bejagt werden. Anders als Fuchs, Waschbär und Marderhund, die zur regelrechten Plage werden und Krankheiten wie Tollwut übertragen können. Deshalb werden regelmäßig Proben zur Untersuchung eingeschickt. Durch Impfköder und konsequente Bejagung konnte die Tollwut beim Fuchs erfolgreich bekämpft werden. Ein Verdienst auch der Jäger.

Waschbären, die als von Menschen eingeschleppte fremde Art hierzulande keine natürlichen Feinde haben, werden gerade in der Uckermark mit ihren zahlreichen Schutzzonen zur Gefahr für seltene heimische Arten, weil sie als gute Schwimmer und excellente Kletterer auch Kranich- oder Schwarzstorchgelege oder Adlerhorste ausräubern. Hier wird der Jäger zum Artenschützer. "Und wir tun noch mehr für die Umwelt. Wir pflanzen Hecken oder sähen Wildäcker als Äsungs- und Ruhezonen an, um Nahrung für Wildtiere auch in trockenen Sommern zu sichern. Hier herrscht absolutes Abschussverbot. Dafür gibt es übrigens keine Förderung, das machen wir privat", berichtet Stefan Dähn.

Der Kreis-Jagdverband würdigte auf seiner Mitgliederversammlung dafür verdiente Mitglieder mit Ehrennadeln und Urkunden. So wurden Rudolf Guder aus Angermünde und Wolfgang Heller aus Schwedt für 60 Jahre engagierte Mitgliedschaft ausgezeichnet.

Ehrengast der Versammlung war der Vizepräsident des Jagdverbandes Stettin, Karol Utrata, mit dem der uckermärkische Jagdverband künftig zusammenarbeiten möchte. Der Auftakt war die gemeinsame Teilnahme an einer großen Jagdmesse in Stettin.

Beim Brandenburger Landesjägertag im Mai, für den der Verband seine Delegierten wählte, wollen die Uckermärker Jäger unter anderem das aktuelle Motto Wald vor Wild kritisch diskutieren und den Landesverband als Dienstleister und Interessenverteter stärker in die Pflicht nehmen.

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