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Erntekönigin unter knackigen Äpfeln

Erntekönigin Anna-Lena Bublitz unter einem havelländischen Apfelbaum. Für sie wird eine Nachfolgerin gesucht.
Erntekönigin Anna-Lena Bublitz unter einem havelländischen Apfelbaum. Für sie wird eine Nachfolgerin gesucht. © Foto: Tourismusverband HVL
Rene Wernitz / 06.04.2016, 16:25 Uhr
Havelland (MOZ) Wenn man mal einen Birnenbaum benötigt, ist keiner in der Nähe. Anna-Lena Bublitz posiert wohl deshalb unter einem Apfelbaum. Sie ist aktuelle Havelländer Erntekönigin. Ihre Nachfolgerin soll am 4. September auf dem Erntefest gekürt werden.

Seit es sich der vormalige Landrat Burkhard Schröder (SPD) in den Kopf gesetzt hatte, Schloss Ribbeck als touristische Schaltzentrale und als Tor in die Reiseregion Havelland zu etablieren, ist die Birne Trumpf im Marketing. Das hängt mit Fontanes deutschlandweit bekanntem Gedicht über "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" und seiner Birne zusammen.

Doch so richtig will sich die Birne als Symbol in den Köpfen der Havelländer nicht festsetzen, was wohl hauptursächlich daran liegt, dass das Gedicht zwar in anderen Bundesländern zum Unterrichtsstoff gehört, aber eben nicht in seinem Heimatland Brandenburg. Ferner sind Birnenbäume zu Erwerbs- und Ernährungszwecken ebenso rar im Havelland wie inzwischen die Apfelbäume. Zumal das Kernstück des Obstanbaus, das zu DDR-Zeiten gebildete Havelländische Obstanbaugebiet (HOG) um Werder/Havel und Potsdam entstanden war. Dort wurden, laut Angaben auf http://gsg-netzwerk.de, auf rund 10.000 Hektar Obst, Gemüse und Zierpflanzen produziert. "Die Koordinierung der Obsternte erforderte logistische Meisterleistungen. So mussten annähernd 30.000 Erntehelfer versorgt und untergebracht werden", wie es wörtlich heißt. In Fahrland bei Potsdam habe sich ein Kühllager befunden, in dem allein rund 40.000.000 Kilogramm Äpfel eingelagert wurden. Kein Wunder also, dass an den braunen Autobahnschildern, die auf das geografische Havelland hinweisen, noch Äpfel statt Birnen die Region symbolisieren. Doch grenzt die Fortsetzung der havelländischen Apfelgeschichte an landwirtschaftlichen Nachwende-Wahnsinn. "Die Obstbauern des Havelländischen Anbaugebietes waren zwar fachlich gut qualifiziert, jedoch auf die Gepflogenheiten der freien Marktwirtschaft nicht vorbereitet", wie auf der Internetseite erklärt wird. "Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation und der starken Konkurrenz entschlossen sich viele Produzenten, die Rodeprämie von 8.300 DM pro Hektar in Anspruch zu nehmen, welche mit der Verpflichtung verbunden war, 15 Jahre keine Neuanlagen zu pflanzen. Zahlreiche LPGen gingen nach Beschlüssen der Mitglieder in Liquidation. Von den einst über 10.000 Hektar Obstanbaufläche wurden ca. 7.000 Hektar gerodet."

Von einer Havelländer Erntekönigin wird vermutlich nicht erwartet, dass sie solche Fakten kennt. Sie wird aber auch die mittelmärkische Gegend um Werder/Havel repräsentieren müssen, da diese ebenso wie Brandenburg/Havel und die Orte zwischen dem noch kreisfreien Oberzentrum und dem Landkreis Havelland zu ihrem Reich, also zur hiesigen Reiseregion gehört. Der zuständige Tourismusverband, mit Sitz im Birnendorf Ribbeck, sucht nun Kandidatinnen, die das Amt ab 4. September 2016 mit Leben füllen wollen. An diesem Tag ist Havelländer Erntefest im MAFZ-Erlebnispark in Paaren, wo die Nachfolgerin der Lietzowerin Anna-Lena Bublitz gekürt werden soll. Im Mittelpunkt der Party steht diesmal: "Wustermark - Natur und Kultur pur, die Vielfalt vor Berlin". Die Kandidatin muss nicht aus Wustermark stammen, wohl aber aus dem Havelland, ob aus der Reiseregion oder aus dem gleichnamigen Landkreis ließ der Tourismusverband offen. "Für die Wahl der Erntekönigin werden ausschließlich weibliche Personen aus dem Havelland gesucht, die das 18. Lebensjahr vollendet haben", wie es aus Ribbeck heißt. "Die Titelanwärterinnen stellen sich im Mai 2016 einer Jury vor. Ein Wissenstest mit landwirtschaftlichen Fragen und eine Eigendarstellung gehören an diesem Tag zu den Kriterien."

Der Gewinnerin würden ein kleines Preisgeld und diverse Sachpreise winken. Bewerberinnen sollen sich schnellstmöglich, spätestens bis 6. Mai, mit kurzer schriftlicher Bewerbung beim Tourismusverband Havelland e.V., Theodor-Fontane-Straße 10, 14641 Nauen Ortsteil Ribbeck, melden.

Zu den Aufgaben einer Erntekönigin gehöre es, das Havelland auf regionalen und überregionalen Präsentationen und Veranstaltungen zu vertreten. Dies schließe ländliche Feste, die Internationale Grüne Woche, die Internationale Tourismusbörse (beide in Berlin) sowie die Brandenburgische Landwirtschaftsausstellung (Brala) mit ein.

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