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Viadrina veranstaltet ein herzliches Treffen für ehemalige Studierende zum Abschluss des Jubiläumsjahres

Viadrina
Küsschen geben und Kontakte knüpfen

Frauke Adesiyan / 16.10.2017, 06:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Rund 100 Absolventen der Viadrina haben am Wochenende ihre frühere Studienstadt besucht. Am Freitag und Sonnabend haben sie gefeiert, die Stadt wiederentdeckt, neue Kontakte geknüpft und die Uni-Zeit wieder aufleben lassen.

Im Büro von Uni-Präsident Alexander Wöll wird es am Sonnabendvormittag schnell so interessant, dass der eigentlich anschließend geplante Campus-Rundgang kurzerhand gestrichen wird. Mit einer Gruppe von ehemaligen Studierenden sitzt Wöll zusammen und bespricht, wie die Viadrina und ihre Alumni besser voneinander profitieren können. "Die brennen vor Energie und wollen was aufbauen", schwärmt Wöll im Anschluss. "Das hätte ich mir schöner gar nicht vorstellen können."

Das Gespräch mit dem Präsidenten ist nur einer von vielen Programmpunkten am Sonnabend. Andere Teilnehmer des Alumnitreffens entscheiden sich für eine Fahrt mit der historischen Straßenbahn oder ein Katerfrühstück auf dem Floß von Onkel Helmut. Die Party am Freitag im Gräfin-Dönhoff-Gebäude hat bis morgens um zwei Uhr gedauert.

Das lag unter anderem daran, dass die Teilnehmer sich offensichtlich viel zu erzählen haben. Auch die drei früheren Jura-Studentinnen Agnieszka Sczcodra-Hajduk, Anna Kaim und Elzbieta Dragun freuen sich sichtlich über das Wiedertreffen. 1993 hatten sie im zweiten Jahrgang begonnen Jura zu studieren und zogen dafür aus verschiedenen polnischen Städten nach Slubice. "Deutsch lernen, an der Grenze studieren", das sei damals eine einmalige Chance gewesen, erinnert sich Agnieszka Sczcodra-Hajduk, die heute als Anwältin in Warschau arbeitet. "So kurz nach der Wende haben wir wirklich an etwas Neuem teilgehabt. Es war die beste Entscheidung", denkt auch ihre Freundin Anna Kaim zurück. Für das Alumnitreffen sind sie gemeinsam in ein Zimmer ihres alten Studentenwohnheims in Slubice gezogen. Äußerst emotional erleben sie diese Rückkehr.

Emotional und warmherzig erscheint überhaupt der Umgang unter den Viadrina-Absolventen bei dem Treffen am Wochenende - auch am Sonnabend, als sich alle nach den verschiedenen Aktivitäten im Logenhaus wiedertreffen. Viele Küsschen werden ausgetauscht, intensive Gespräche geführt. Auch wenn weniger gekommen sind, als sich die Veranstalter erhofft hatten, zeigt sich Agnieszka Lindner vom Alumnibüro zufrieden mit der Veranstaltung.

Für Minka Katharina Gaber ist die Rückkehr eine Herzenssache. Zwischen 2001 und 2008 hat die Dresdenerin Kulturwissenschaften studiert und viele studentischen Aktivitäten mitgenommen. An Mensa-Mahlzeiten am Zehnertisch erinnert sie sich, Kinoabende der Grünen Hochschulgruppe und gemeinsame Stunden in der Bibliothek. "Work hard, play hard, das trifft die Zeit gut", findet sie im Rückblick. Heute arbeitet sie sowohl in einer Praxis für Ergotherapie als auch als selbstständige Diversity-Trainerin in Berlin. "Wir Kuwis können alles", sagt sie augenzwinkernd. Das trifft wohl für alle Studiengänge der Viadrina zu. Horterzieherinnen sind genauso unter den Ehemaligen, die sich an diesem Wochenende treffen, wie Professoren und ein DJ.

Auch die Bandbreite beim anschließenden Alumni-Slam im Logensaal ist groß. Unter anderem berichtet Robert Finger, außerordentlicher Professor für Agrarökonomie in Zürich, über Möglichkeiten seine Ernte vor Wetterschäden zu versichern - oder seinen Hochzeitstag vor Regen. Arkadiusz Wojnarowski zeichnet seinen Weg vom Jurastudium in die Film-Industrie nach und Sophia Grunert erklärt, wie sie mit ihrem Master of European Studies die Welt retten möchte - nämlich indem sie für den Zentralverband des deutschen Handwerks die deutsche Berufsbildung exportiert.

Die meisten Lacher kann Dagmara Jajesniak- Quast verbuchen. Als polnische Studentin der ersten Stunde und heutige Professorin für interdisziplinäre Polenstudien erzählt sie von ihrem Zusammenleben mit Menschenhändlern und Schmugglern in Slubice und davon, dass sie sich wie das Pandaweibchen im Berliner Zoo gefühlt habe: fehlplatziert und schützenswert. Dass daraus ein Erfolg wurde, verdankt sie ihren Professoren von damals. "Die haben an uns geglaubt, auch wenn wir sie nicht verstehen konnten"; sagt sie und gewinnt den Alumni-Slam.

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