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Anteil der Schwarzfahrer in Bussen und Straßenbahnen steigt / SVF erhöht Druck / Kontrollen auch abends

Schwarzfahren
Dreimal in einer Woche erwischt

So ist es richtig: Eine Frankfurterin kauft sich nach dem Einsteigen am Automaten im Bus einen Fahrschein.
So ist es richtig: Eine Frankfurterin kauft sich nach dem Einsteigen am Automaten im Bus einen Fahrschein. © Foto: MOZ/Frank Groneberg
Frank Groneberg / 20.10.2017, 07:30 Uhr - Aktualisiert 20.10.2017, 10:58
Frankfurt (Oder) (MOZ) In den Bussen und Straßenbahnen der Stadtverkehrsgesellschaft (SVF) fahren immer öfter Menschen mit, die keinen gültigen Fahrschein haben. Die Schwarzfahrerquote hat sich seit 2014 verdoppelt. Der SVF entstehen jährlich Einnahmeverluste von bis zu 250 000 Euro.

Die Tendenz zum Schwarzfahren sei ganz klar steigend, sagt Christian Kuke. "Und wir stellen leider auch ein abnehmendes Unrechtsbewusstsein fest." Beim Thema Schwarzfahren kann der Geschäftsführer der SVF schon mal ärgerlich werden. "Bis 2014 hatten wir eine Quote von etwa 2 Prozent", erklärt er. In den vergangenen Jahren sei diese allerdings permanent gestiegen und habe sich letztlich verdoppelt. "Nach unseren Hochrechnungen liegt die Quote inzwischen bei 4 Prozent, auch wenn die reinen Aufgriffszahlen der Kontrolleure das so nicht abbilden."

Das Problem sei, sagt Christian Kuke, dass das Schwarzfahren oft als Kavaliersdelikt abgetan werde. "Das ist es aber nicht", betont er. "Bei uns arbeiten Menschen, die eine Leistung erbringen, für die sie bezahlt werden möchten - so wie jeder andere arbeitende Mensch auch!" Dem Verkehrsunternehmen gingen durch Schwarzfahrer jedes Jahr Einnahmen in Höhe von 200 000 bis 250 000 Euro verloren. Die Fahrscheinkontrollen würden diese Verluste nicht ausgleichen, da ja immer nur ein kleiner Teil derjenigen, die für das Mitfahren nicht bezahlen wollen, erwischt werde. "Grundsätzlich ist der Aufwand für die Kontrollen höher als der Ertrag. Uns wäre deutlich mehr geholfen, wenn jeder einen Fahrausweis kauft."

Ziel der Kontrollen sei es auch gar nicht, die Einnahmeverluste auszugleichen. Mitarbeiter der Siba Security Service GmbH, die als Dienstleister agiert, seien an 21 bis 22 Tagen im Monat in Bussen und Bahnen als Kontrolleure unterwegs. "Würden wir nicht mehr kontrollieren, würde die Zahl derjenigen, die ohne gültigen Fahrausweis mitfahren, deutlich nach oben gehen", ist Christian Kuke überzeugt. "Es ist weder in unserem Interesse noch in dem der großen Mehrheit unserer Fahrgäste, dass das Schwarzfahren toleriert wird."

Wer ohne gültigen Fahrschein erwischt wird und auch keinen nachträglich vorlegen kann, muss 60 Euro erhöhtes Beförderungsentgelt zahlen. Im Jahr 2015 wurden entsprechende Zahlungsaufforderungen 3356-mal erteilt, in diesem Jahr (Stand: 11. Oktober) bislang 2533-mal. Zahlt jemand auch nach der ersten Mahnung nicht, wird ein Inkassobüro eingeschaltet. Das war 2015 1357-mal der Fall. Wird dann aber immer noch nicht gezahlt, wird ein gerichtliches Mahnverfahren eingeleitet.

Was manchen Leuten nicht bewusst ist: Das Erschleichen einer Beförderungsleistung kann eine Straftat sein. Christian Kuke berichtet von einem Fall, da wurde ein Schwarzfahrer dreimal in einer Woche erwischt, davon zweimal an einem Tag. "Sowas ist eindeutig Vorsatz, da stellen wir sofort einen Strafantrag." Insgesamt strebe die SVF aber "wahrscheinlich zu selten" Strafverfahren an. "Wir geben den Leuten immer noch die Chance, ihr Fehlverhalten einzusehen."

2018 will die SVF den Druck auf Schwarzfahrer weiter erhöhen. Es werden diverse Modelle entwickelt, denkbar sind beispielsweise Ausstiegskontrollen. "Wir haben bereits angefangen, die Flexibilität unseres Dienstleisters zu nutzen", erläutert der SVF-Chef. Konkret heißt das: Es wird jetzt auch nach 20 Uhr und am Wochenende kontrolliert.

In Slubice wird allerdings nach wie vor nicht kontrolliert - aus rechtlichen Gründen dürfen deutsche Kontrolleure das nicht. Seit dem Sommer steigen diese aber direkt auf der Stadtbrücke in die Busse der Linie 983, so dass mögliche Schwarzfahrer nicht mehr entwischen können.

Kommentar

Bis zu 250 000 Euro Einnahmen gehen der Stadtverkehrsgesellschaft jedes Jahr verloren, weil einige Menschen meinen, für eine Fahrt in der Straßenbahn und im Bus nicht bezahlen zu müssen. Wahrscheinlich gehen auch diese Menschen einer Arbeit nach, und mit Sicherheit wollen sie für diese Arbeit auch entlohnt werden. So wie jeder andere Bürger auch. Warum also gönnen sie den Bus- und Bahnfahrern nicht den verdienten Lohn? Mit 250 000 Euro könnte die SVF jedes Jahr wichtige Investitionen finanzieren. Das Geld könnte in den barrierefreien Umbau weiterer Haltestellen fließen. Oder in die Erhöhung der Sicherheit im Nahverkehr. Schwarzfahrer nutzen eine Leistung, weigern sich aber, für diese zu bezahlen. Dass die SVF den Druck auf diese Leute erhöhen will, ist gut. Denn sie schaden nicht nur der SVF, sondern uns allen. Frank Groneberg

Schwarzfahrer schaden uns allen

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