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Der Konflikt in der Ostukraine entwickelte sich durch kleine, aber stetige Schritte der Eskalation zu einem bewaffneten Konflikt in den östlichen Gebieten des Landes zwischen von Russland unterstützten Milizen und Truppen der Ukraine.

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Wirtschaft
Drohende Rezession macht Orafol nicht nervös

Tilman Trebs / 01.10.2019, 08:55 Uhr
Oranienburg (MOZ) Deutschland steuert nach Einschätzung von Ökonomen nach jahrelangem Konjunkturboom wieder auf eine Rezession zu. Orafol-Geschäftsführer Dr. Holger Loclair macht das aber nicht nervös. "Wir spüren zwar einen leichten Auftragsrückgang, vor allem auf dem deutschen und europäischen Markt, aber wir bleiben grundsätzlich optimistisch", sagte Loclair, der den weltgrößten Hersteller selbstklebender Folien in Oranienburg führt.

"Wir sind breit genug aufgestellt. Wenn sich die Lage international in einzelnen Bereichen etwas verschlechtert, können wir das ausgleichen." Orafol ist inzwischen in 100 Ländern auf allen Kontinenten vertreten. Produktionsstätten gibt es neben Deutschland unter anderem in den USA und in China.

Und die Investitionsfreude der Oranienburger lässt bislang auch nicht nach. Erst am 19. September hat Orafol den zweitgrößten Zukauf der Firmengeschichte perfekt gemacht. In Lake Orion im US-Bundesstaat Michigan  hat die Gruppe den Erwerb des Automobilzulieferers Kay Automotive Graphics perfekt gemacht. Zum Übernahmepaket gehören zwei Tochterunternehmen mit Produktionsstätten in Mexiko und Wales (Großbritannien). Die neue Orafol-Tochter in Amerika, die zu den führenden Anbietern in der Fahrzeugvollverklebung gehört, soll die Marktposition der Oranienburger in den USA stärken. "Es war für uns bislang schwierig, in den Automobilmarkt reinzukommen. Mit den Kay-Firmen erhalten wir eine stärkere Kundennähe." Denn die neue amerikanische Tochter beliefert schon zahlreiche amerikanische Hersteller. Mit den Firmen übernimmt Orafol in Übersee auch rund 650 Mitarbeiter. Damit beschäftigte das Unternehmen nun weltweit rund 2 500 Mitarbeiter, in Oranienburg etwa 1 050.

Dass in "America-First"-Zeiten ein deutsches Unternehmen einen US-Zulieferer kauft, mag ungewöhnlich erscheinen. Holger Loclair aber sagt: "Die Wirtschaftspolitik von Donald Trump hat uns in dem Fall sogar geholfen." Zum einen habe Trump für niedrige Unternehmenssteuern gesorgt. Zum anderen habe der Handelskonflikt zwischen den USA und China mit den höheren Einfuhrzöllen dafür gesorgt, dass die Wettbewerber aus dem Reich der Mitte nun den gleichen Marktbedingungen unterliegen, wie die Deutschen. "Eine billige Produktion in China und die ebenfalls preiswerte Einfuhr in die USA ist so nicht mehr möglich", so Loclair. Davon profitiere auch Orafol, das in Amerika bereits mehrere eigene Werke betreibt.

In China selbst laufen die Geschäfte für das Oranienburger Unternehmen laut Loclair zurzeit ziemlich gut: "Dort verzeichnen wir die größten Zuwächse." Orafol betreibt in Xiamen ein Werk. Zwar gibt es immer wieder Probleme mit Produktpiraterie. "Die Zusammenarbeit mit den dortigen Behörden funktioniert aber gut. Wenn Fälschungen unserer Produkte auftauchen, wird gegen die Produzenten vorgegangen, unser Urheberschutz ist gewährleistet. Fälschungen, die in die EU eingeführt werden, werden regelmäßig beschlagnahmt." Sorge bereitet dem Unternehmenschef aber die Außenpolitik der Deutschen Bundesregierung. Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte unlängst den Hongkonger Dissidenten Wong empfangen, die chinesische Regierung daran heftige Kritik geäußert. "Wir sind an guten Beziehung zu China interessiert. Alles andere könnte auch uns dort schaden."

Eine neue Russland-Politik wünscht sich Holger Loclair weiterhin. Schon nach dem Ausbruch des Krieges in der Ostukraine hatte sich der Oranienburger Unternehmer über die Sanktionen beschwert. "Wir waren dort eine starke Nummer und drohten abzustürzen. Was wurde politisch mit den Sanktionen erreicht? Nichts", bilanziert er. Inzwischen erholen sich die Geschäfte in Russland aber. Orafol denkt nun über eine neue Verkaufsniederlassung in St. Petersburg nach – und über eine weitere in Indien. Auf den drohenden ungeregelten Brexit hat sich Orafol bereits vorbereitet. "Wir haben uns dort so organisiert, dass wir ohne großen Grenzverkehr im Land produzieren und verkaufen können", sagte Loclair.

Auch am Firmensitz in Oranienburg sind weitere Millionen-Investitionen geplant. Im kommenden Jahr soll eine Farbkastenproduktion auf- und die ehemalige Firmenzentrale ausgebaut werden. Dort sollen die Mitarbeiter der IT und andere technische Abteilungen einziehen. Gesamtvolumen: rund 25 Millionen Euro. Zuletzt hatte Orafol mehr als 100 Millionen Euro in den neuen Firmensitz und moderne Bau- und Maschinentechnik investiert.

DasUnternehmen

Orafol ist aus der ursprünglichen Berliner Firma Wibelitz-Farbenwerkstatt hervorgegangen, die ab 1808 Poststempelfarben für das Königreich Preußen herstellte. 1919 wurde der Betrieb nach Oranienburg verlegt, ab 1960 wurden Reflexfolien für Verkehrsschilder hergestellt, aber 1976 die ersten selbstklebenden Folien.

Mitte der 1990er-Jahre zog Orafol von der Krebststraße in den Gewerbepark Nord und entwickelte sich dort zum größten Produzenten selbstklebender Folien der Welt. Inzwischen arbeiten dort mehr als 1 000 Menschen, weltweit sind es aktuell rund 2 500.⇥til

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