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Die zu DDR-Zeiten völlig heruntergekommene Fischerstraße in der Gubener Vorstadt ist heute ein farbenfroher Hingucker.

Frankfurt im Wandel
Ein Streifzug durch die Straßen der Oderstadt

Jörg Kotterba / 05.11.2019, 06:45 Uhr
Frankfurt (Oder) Frankfurt, vor dem Krieg eine stolze und ansehnliche Beamtenstadt, hat im April 1945 ihr Antlitz verloren. Bomben zerstörten wunderschöne Häuser der Innenstadt, auch Kriegssieger brandschatzten. Weitere Bauten von historischem Wert wurden in DDR-Zeiten vernichtet. Doch in den zurückliegenden drei Jahrzehnten ist viel geschehen. Viele graue Häuser und triste Straßenzüge besitzen ein neues Gesicht. Diese Serie soll Lust auf die Stadt machen: Ein unsystematischer Streifzug durch die Zeit – lokalpatriotisch und einseitig, mit Mut zu Lücken.

Die Fischerstraße in der Gubener Vorstadt, eine der ältesten und schönsten Straßen der Stadt, bekam anno 1846 nach den dort wohnenden Fischern ihren Namen. Sie wurde 1571 erstmals in der Gubener Vorstadt erwähnt. Im 15. Jahrhundert siedelten sich dort neben Fischern auch Handwerker, Tagelöhner und Fuhrleute an. Sie lebten in 98 Katen.

Alte Frankfurter berichten, dass in der Fischerstraße nach 1945 noch drei Oderfischer-Familien lebten: Seel, Schwartze und Witte. Fischer Schwartze (der Großvater des heutigen Fischers André Schwartze) hatte den Spitznamen Caprifischer. Wenn der Fischer nach Feierabend in einer der damaligen Kneipen der Fischerstraße – "Mittelkrug" oder "Anglerbörse" – auftauchte, wurde er von den anwesenden Männern mit dem Schlager "Wenn bei Capri die rote Sonne…" begrüßt.

"Zur Zeit der Wende befand sich die Fischerstraße in einem desaströsem Zustand. Quasi im letzten Moment wurde sie vom Abriss verschont und hatte das Glück, dass sich stattdessen Frankfurter für den Erhalt der Bausubstanz einsetzten. Die gesamte Straße mit ihren bunten Häusern steht heute unter Denkmalschutz", heißt es auf der Internet-Plattform der Stadt. Zum Ende der DDR standen etliche der Häuser zehn Jahre und länger leer.

Mutig waren Anfang der 1990er-Jahre Familien wie die Dinses, Müllers, Nülken und Hartzsch. Sie leisteten wahre Pionierarbeit. Bröckelndes Mauerwerk, zusammengebrochene Zwischendecken, unterspülte Keller und herausgerissene Fenstern konnten sie nicht abschrecken, aus den Bruchbuden wunderschöne Häuser entstehen zu lassen. Sie wurden aufwendig und mit viel Liebe zum Detail saniert. In den Baulücken wurden seit dem Jahr 2000 Neubauten errichtet. Die kleine Fischerstraße ist längst ein echter Hingucker und lockt auch Touristen an.

"Im Bereich des Straßenzuges konnte ein Gräberfeld der Lausitzer Kultur aus der mittleren Bronzezeit nachgewiesen werden", schreiben die Autoren der Denkmaltopographie "Denkmale in Brandenburg – Stadt Frankfurt (Oder)". Die heutige Bebauung mit kleinen Fischer-, Schiffer- und Handwerkerhäusern ginge bis ins 18. Jahrhundert zurück. Eine Ausnahme bilde das barocke, leider leer stehende und unsanierte Landhaus Nummer 6 am nördlichen Ende der Straße, vor hundert Jahren Sitz der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft.

Beim Bummel über das Kopfsteinpflaster der Fischerstraße ist ein Haus nicht übersehbar: Der Sitz des Märkischen Medienhauses  mit angrenzender Druckerei, in der auch die Märkische Oderzeitung gedruckt wird. Ein interessantes Detail ist auf dem historischen Foto von 1977: Von der Fischerstraße aus in Richtung Norden ist ein Kran zu sehen. Mit seiner Hilfe wurde  von 1976 bis 1979 die Bezirksparteischule gebaut, heute Sitz der Europa-Universität Viadrina.

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