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Verbraucherzentrale warnt vor "Fake Shops" im Internet

Ein Klick auf’s Gütesiegel zeigt, ob es echt ist:  Die Juristin Karolina Wróblewska ist in der Frankfurter Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Brandenburg unter anderem für die Betreuung von polnischen Bürgern und Migranten zuständig.
Ein Klick auf’s Gütesiegel zeigt, ob es echt ist:  Die Juristin Karolina Wróblewska ist in der Frankfurter Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Brandenburg unter anderem für die Betreuung von polnischen Bürgern und Migranten zuständig. © Foto: Dietrich Schröder/MOZ
Dietrich Schröder / 13.05.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 13.05.2020, 06:17
Frankfurt (Oder) (MOZ) Herr X entdeckt auf einer Internetseite Markenschuhe, die normalerweise 200 Euro kosten, für weniger als ein Viertel dieses Preises. Da er das Schnäppchen nicht auslassen will, bestellt er die Ware und überweist auch gleich wie gewünscht das Geld.

Als er nach zwei Wochen noch keine Lieferung bekommt, versucht er, den Verkäufer zu kontaktieren. Doch vergeblich: Auf der Internetseite gibt es nur ein Kontaktformular und keine konkrete Adresse. Bis heute wartet er auf eine Antwort.

Frau Y, die ihre Wohnung neu einrichtet, hat eine Internetseite mit hochwertigen Möbeln "Made in Germany" zu einem geringen Preis entdeckt. Eine Woche später werden die Stücke zwar tatsächlich geliefert. Doch sie haben eine schlechtere Qualität und stammen auch nicht aus Deutschland, sondern aus einem asiatischen Land. Auf das Reklama­tionsschreiben von Frau Y reagiert jedoch niemand.

Vorbeugen besser als Heilen

Gerade jetzt in der Corona-Zeit hat Karolina Wróblewska zahlreiche Geschichten von enttäuschten Kunden gehört. Die Polin, die an der Europa-Universität promoviert hat, ist als Juristin im Frankfurter Informationszentrum der Verbraucherzentrale Brandenburg tätig. Und ihre ernüchternde Botschaft lautet: "In den allermeisten Fällen ist das Geld, das man an solche Fake Shops überwiesen hat, verloren. Denn diese vermeintlichen Firmen verschwinden sehr schnell unter einem Namen und tauchen unter einem anderen wieder auf."

Manchmal komme es auch vor, dass der Zoll eine Sendung mit Plagiaten aus dem Verkehr zieht – etwa angebliche Nike- oder Adidas-Schuhe, die nur 20 Euro kosten. "Dann muss der Empfänger zu allem Überfluss auch noch die dafür fälligen Gebühren zahlen", erläutert Wróblewska.

Gutgläubige Menschen sind die geeignetsten Opfer solcher Betrüger. "Deshalb ist in diesem Fall Vorbeugen besser als Heilen", warnt die Beraterin. Aus genau diesem Grund hat die Verbraucherzentrale Brandenburg Warnungen vor Fake-Shops in ihre kostenlose Online-Infothek aufgenommen. Typische Signale, an denen man solche "falsche Läden" erkennen kann, finden Sie unten im Infokasten.

Auf Fälle, die man selbst erlebt und über die man sich geärgert hat, kann man die Verbraucherzentrale seit Beginn dieses Jahres in einer Beschwerde-Box per Mail aufmerksam machen. "Das  Ziel dieser Box ist es, den Markt zu beobachten und bei mehreren Beschwerden zum gleichen Problem die Verbraucher zu warnen oder zum Beispiel die Unternehmer abzumahnen", erläutert Wróblewska.

Monatlich um die 100 Anfragen

Bei ihren Kollegen, die sich speziell mit dieser Box beschäftigen,  gehen monatlich etwa 100 Anfragen und Beschwerden zu den verschiedensten Themen ein. Zwar ist auf diesem Weg keine Beratung möglich. Doch jeder Verbraucher bekommt eine Antwort mit weiteren Informationen.

Weil nicht nur Deutsche zu den Opfern der Betrüger werden, sondern auch polnische Einkäufer oder Migranten, warnt die Verbraucherzentrale  auch auf Polnisch und Englisch vor Fake Shops. In dem Projekt "Verbraucherschutz für Migrantinnen und Migranten", das vom Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz  unterstützt wird, ist auch vorgesehen, dass Karolina Wróblewska Veranstaltungen für Einwandererfamilien und Geflüchtete anbietet. "Das ist wegen Corona derzeit allerdings nicht möglich", sagt sie. Trotzdem werden Informationen mit Warnungen vor Betrügern etwa in den Asylbewerberheimen schriftlich ausgelegt.

Online:www.verbraucherzentrale- brandenburg.de/infothek

Sieben Signale, an denen man Fake Shops erkennt

1. Der Name der Website passt nicht zu den angebotenen Produkten, etwa Fahrschulesorgenlos.de, wenn tatsächlich Schuhe oder Bekleidung angeboten wird. Es handelt sich wahrscheinlich um einen unseriösen Anbieter.

2.Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) sind sprachlich schlecht formuliert.

3. Auf das Impressum der Seite klicken. Ist die Adresse nachvollziehbar? Wenn gar kein Impressum vorhanden ist: Finger weg!

4. Schnäppchen sind zwar eine tolle Sache. Sind die Preise im Vergleich zu anderen Anbietern aber absurd günstig (etwa Markenprodukte zu sehr geringen Preisen), sollte man die Finger davon lassen.

5. Ein ganz schlechtes Zeichen ist es, wenn man nur per Vorkasse bezahlen kann. Viel sicherer ist der Kauf auf Rechnung.

6. Die Bewertungen angeblicher früherer Kunden auf der Seite sind extrem positiv. Achten Sie auf glaubwürdige Rezensionen.

7. Gefälschte Güte-Siegel: Erfundene Siegel sehen auf den ersten Blick seriös aus. Ein Klick auf das Siegel zeigt häufig, ob es mit einem tatsächlichen Zertifikat des Siegel-Betreibers verbunden ist.⇥vzb

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