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Hühner dürfen größtenteils wieder raus

Ausgang: Die Stallpflicht ist gelockert worden.
Ausgang: Die Stallpflicht ist gelockert worden. © Foto: MOZ
Henning Kraudzun / 21.03.2017, 18:39 Uhr
Potsdam (MOZ) Brandenburg folgt dem Beispiel anderer Bundesländer und hebt die landesweite Stallpflicht auf. Die Kritik an der vier Monate währenden Maßnahme ebbt jedoch nicht ab. So fordern die Grünen ein anderes Seuchenmanagement.

Der Rückgang der Vogelgrippe-Fälle ermögliche eine Lockerung der Stallpflicht, sagte Verbraucherschutzminister Stefan Ludwig (Linke) am Dienstag. Die Vorschrift wird jedoch nicht komplett aufgehoben. In der Nähe von Schutzgebieten, in denen sich Wildvögel sammeln, sowie in bisherigen Restriktionszonen darf Geflügel weiterhin nicht freigelassen werden. Grundlage der Entscheidung sei, dass in den vergangenen vier Wochen kein neuer Ausbruch der Seuche in Geflügelställen registriert wurde, ergänzte Landestierarzt Stephan Nickisch. Die Befreiung von der Stallpflicht soll durch die Kreise ab heute angeordnet werden.

Geflügelhalter und Bauernverbände begrüßten den Schritt. Zugleich wurde die Kritik an der monatelangen Stallpflicht erneuert. "Viele Mitglieder mussten ihren Bestand deutlich reduzieren", sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Rassegeflügelzüchter, Rolf Graf. Dadurch sei eine oft jahrzehntelange Zucht bedroht. "Das kann man durch Geld gar nicht aufwiegen", meint er.

Die zusätzliche Arbeit durch die Stallpflicht sei für viele Geflügelhalter kaum zu schaffen, sagte Wilfried Keil, Chef des Kreisverbands Märkisch-Oderland. Die Anlagen müssten täglich gereinigt, die Tiere gefüttert werden. "Wenn Hühner auf engem Raum zusammenleben, kommt es zur Hackordnung - mit schlimmen Folgen."

Nach Angaben von Nickisch wurden bislang knapp 50 infizierte Wildvögel in Brandenburg gefunden. In neun Großmastanlagen und in zwei Tierparks brach die Vogelgrippe aus. Insgesamt 155000 Tiere mussten getötet werden. Die betroffenen Betriebe können demnach vier Millionen Euro als Entschädigung geltend machen. Die Hälfte der Summe trägt das Land. Wie hoch die Verluste bei Produzenten von Freiland-Eiern sind, konnten die Verbände noch nicht beziffern. Durch einen Kompromiss mit dem Einzelhandel wurden die finanziellen Folgen zumindest abgemildert.

Die Grünen-Fraktion im Landtag kritisierte, dass die bisherigen Seuchenmaßnahmen unverhältnismäßig gewesen seien. "Eine landesweite Stallpflicht ist völlig überzogen", sagt der Umweltexperte Benjamin Raschke. Er verweist auf Ermittlungen des Landes, wonach der Ausbruch der Vogelgrippe in einigen Mastanlagen durch menschliche Fehler verursacht wurde. Anfang April wollen die Grünen einen Antrag in den Landtag einbringen, mit dem die rot-rote Regierung zu Korrekturen im Seuchenschutz aufgefordert wird.

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Petra Kuschy 24.03.2017 - 13:52:49

Vogelgrippe-Gutes Geschäft für die Betreiber der Mastanlagen?

4 Millionen für 155000 getötete Tiere? Das wären im Durchschnitt ca. 25 Euro pro Tier. Das nenne ich ein gutes Geschäft. Ich habe vor einem Jahr mit dem ehemaligen Betreiber einer Entenmastanlage gesprochen, der mir versicherte, dass er pro Ente nur 50 Cent Reingewinn gemacht habe. Das wäre doch mal eine Recherche wert.

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